Voruntersuchungen und Kartierung

Seit Projektbeginn im März 2014 wurden in Vorbereitung einer Generalsanierung am Bonner Münster umfangreiche Voruntersuchungen zur Erfassung des baulichen und technischen Zustands des Gebäudes durchgeführt und dokumentiert.

 

Die Untersuchungen umfassten:

  • Zustand von Fassaden und Dächern
  • Rissschäden und statische Mängel
  • Feuchteschäden und klimatische Randbedingungen
  • Zustand der haustechnische Anlagen: Heizung, Sanitär, Elektro und Beleuchtung
  • Bestandsaufnahme Ausstattung
  • Zustand von Oberflächen im Innenbereich  (Wandmalereien, Farbfassungen, Mosaik, Bodenbeläge)
  • Vollständige Bauwerksvermessung mittels Laserscan und Photogrammetrie

 

Zusammenfassung der Untersuchungen

Im September 2014 kam es zu einem Steinschlag. Schon damals stellte man den besorgniserregenden Zustand von Teilen der Fassaden fest. Zur näheren Begutachtung von Schadensbildern und Schadensumfang wurden von Mai 2015 bis November 2015 Untersuchungsgerüste an repräsentativen Bereichen der Fassade aufgestellt, unmittelbar nach Abschluss der Bauvermessung.

 

Eingerüstet wurden ein Teil des nördlichen Querhauses, der Südostturm mit Teilen der Apsis und des südlichen Hochchors, die Südfassade auf Kreuzgangseite im Anschluss an das südliche Querhaus sowie ein Strebepfeiler. Die Westfassade und -türme wurden mit Hubsteiger befahren.

 

Die umfangreichen Untersuchungen dienten dazu, detaillierte Informationen über typische Schadensbilder für die Sanierung und eine Grundlage für eine Kostenschätzung zu erhalten. Dadurch können erforderliche Maßnahmen und Strategien, etwa für die Abstimmung mit der Denkmalpflege, entwickelt werden.

 

Die untersuchten Fassadenbereiche sind so ausgewählt, dass man die Ergebnisse auf das Gesamtgebäude hochrechnen kann. Dank einer vertieften Bearbeitung kann man nun annähernd belastbare Aussagen über den erforderlichen Sanierungsumfang und die Kosten erhalten, wenn auch mit einer Einschränkung: Wegen der fehlenden kompletten haptischen Untersuchung der nicht eingerüsteten Bereiche, etwa durch Abklopfen, und der Inaugenscheinnahme zum Teil aus Distanz gibt es dabei eine gewisse Ungenauigkeit.

                       

Bei der Untersuchung wurden verschiedene Methoden kombiniert. So gab es etwa die nichtinvasive Inaugenscheinnahme, um sichtbare Schäden wie Rissen, Absandungen und Ausbrüchen festzustellen. Zudem klopfte man Steine etwa zur Findung von Hohllagen ab. Ebenfalls kamen invasive Methoden wie Kernbohrungen und Laboruntersuchungen von Materialproben zur Klärung von Struktur, Salzgehalten und Feuchteprozessen zum Einsatz

 

Erstellung einer Material- und Schadenskartierung

Auf Basis der Untersuchungen wurden eine detaillierte Schadens- sowie eine Materialkartierung für die untersuchten Wände erstellt. Die Materialkartierung lässt auch Rückschlüsse auf vorangegangene Sanierungsphasen und die jeweilige denkmalpflegerische „Haltung“ der Zeit zu.

 

Zudem konnte detailliert aufgelistet werden, welche Steinarten wo zum Einsatz kamen. Am Bonner Münster sind im Wesentlichen drei Hauptgruppen von Natursteinen verbaut:

  • Harte Gesteine für tragende Bauteile: verschiedene Sorten Trachyt für Säulen, Ecklisenen, Bögen, überwiegend Sandsteine für Gesimse, Linzer Basalt für den Sockel
  • Weiche Gesteine für Flächen: verschiedene Tuffsteine: rosa Römertuff; gelblicher, sehr homogener Weiberner Tuff; Ettringer Tuff mit groben Einschlüssen. 
  • Kalksteine für besondere Schmuckelemente wie Kapitelle und Basen.

 

Das bedeutet: Dank dieser Kartierungen ist man bestmöglichst in der Lage, genau einzuschätzen, welche Schäden vorhanden sind, und was an welcher Stelle wie getan werden muss.

 

 

Festlegung der Maßnahmen - Bestandserhalt ist oberste Maxime

Die erforderlichen Maßnahmen werden in einem Maßnahmenplan dargestellt, um für Kosten, Ausschreibung und Ausführung detaillierte Vorgaben für eine Sanierung zu schaffen.

 

Die Festlegung der Maßnahmen erfolgt in enger Abstimmung mit Denkmalpflege, Fachplanern, Restauratoren und Fachfirmen und wird im gesamten Planungs- und Ausführungsprozess weiterentwickelt.

 

Als oberste Maxime gilt die denkmalpflegerische Maßgabe des Substanzerhalts. Weiteres Ziel ist es, das Gebäude für die nächsten rund 40 Jahre instand zu setzen.

 

Jede Schadensart erfordert andere Maßnahmen, die von einfacher Reinigung über Abbürsten losen Materials bis zum Austausch von Steinen reicht. Bei gleichem Schadensbild können aber auch unterschiedliche Maßnahmen erforderlich sein.

 

So hat die Lage des Schadens in der Fassade ebenfalls Auswirkung auf die Maßnahme:

So werden beginnende Schäden an der Turmspitze sinnvollerweise im Zuge der Generalsanierung bearbeitet, während man im Sockelbereich, wo keine aufwändige Einrüstung erforderlich ist , den Schadensfortschritt beobachten und die Behebung auch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben könnte.

 

Die endgültige Festlegung der Maßnahmen geschieht im Bauprozess, da nach Reinigung der Fassaden sich oft nochmals ein differenzierteres Schadensbild abzeichnet.