Schäden an der Außenhaut

Das Bonner Münster ist ein komplexes Bauwerk. Es ist schwierig, die Schadensbeseitigung im Inneren von Maßnahmen, die die Außenhaut betreffen, zu trennen. So haben Schäden außen, etwa durch offene Fugen, teils statische Auswirkungen bis nach Innen.

 

 

 

Die Schadensbilder lassen sich in folgende Kategorien zusammenfassen

  • Diverse Oberflächenschäden durch Verwitterungen, Schalen- und Krustenbildung durch Umwelteinflüsse mit mehr oder weniger gravierenden Gefügeschäden in den Gesteinen.
  • Mechanische Schäden wie Ausbrüche, Rostsprengungen
  • Rissschäden mit (!) und ohne statische Relevanz.
  • Schäden durch untereinander unverträgliche Materialien, etwa zu harter Fugenmörtel bei weichen Tuffsteinen.
  • Fehlende oder nicht mehr funktionierende Wasserableitung an Fensterbänken und Gesimsen.
  • Offene Fugen, durch die Wasser in den Mauerwerksquerschnitt eindringt und Steinschädigungen zur Folge hat.
  • Hohllagen sowohl in der Fläche als auch bei Konsolen, Gesimssteinen usw. durch nicht ausreichende Einbindung und falschen Einbau ins Mauerwerk.
  • Materialschäden, die zum Teil auf Materialermüdung, falschen Einbau oder Vorschädigungen zurückzuführen sind.
  • Verschobene Bauteile, etwa an den Säulen am Turm.

Deutlich wird hierbei, dass ein großer Teil der Fassaden, besonders im Bereich der Verfugungen, stark in Mitleidenschaft gezogen ist.

 

Oberflächenschäden

Oberflächenschäden wie Absandungen, Schalen- und Krustenbildung, Flechtenbewuchs sind in allen Fassadenbereichen zu finden. Nach einer schonenden Reinigung mittels Wasserdampf wird loses Material abgebürstet. Übergänge müssen mit verträglichem Steinersatzmaterial angearbeitet werden.

 

Insbesondere am Drachenfelser Trachyt sind zum Teil erhebliche und tiefgehende Verwitterungsschäden zu beobachten, besonders die Säulenschäfte an den Türmen und Eckquaderungen. Dies führt zu statischer Schwächung der Bauteile. In den meisten Fällen müssen die stark beschädigten Bereiche, etwa an den Fußpunkten der Säulenschäfte, durch Vierungen ersetzt werden. In Einzelfällen ist ein Steinaustausch unumgänglich.

 

Schäden durch fehlende Wasserableitungen und offene Fugen

Wesentliche Ursache für zahlreiche Schäden ist die nicht ausreichende oder fehlende Wasserableitung sowie offene Fugen an Gesimsen und Vorsprüngen. Wasser bleibt stehen oder dringt in den Stein hinein. Das führt zu Ausschwemmung von Salzen, Frostsprengung und Verwitterungsschäden.

 

Dadurch wurden insbesondere die Gesimse an den Türmen stark geschädigt. Offene Fugen müssen geschlossen, eine gute Wasserableitung muss gewährleistet werden. Gerissene Steine ohne ausreichenden Einbund werden ausgetauscht, möglicherweise werden Tropfkanten angebracht.

 

Statische Ursachen haben durch den gesamten Wandquerschnitt laufende Risse, etwa im Bereich des Obergadens im Langhaus und im Bereich der Ostapsis. Die Risse werden verpresst. Zur Behebung der Rissursachen sind stabilisierende Maßnahmen erforderlich

Materialermüdung oder Materialfehler

Insbesondere der Römertuff ist teils am Ende der Lebensdauer, was sich in sog. Krakeleerissen zeigt. Im Zusammenhang mit zu hartem Fugmörtel sind diese Steine nicht mehr zu halten und müssen ausgetauscht werden.

 

Durch das Abklopfen der Fassaden wurden zahlreiche Hohllagen entdeckt. Besonders problematisch sind hohl liegende vorstehende Bauteile wie Konsolen und Gesimse, die herunter fallen können – der die Untersuchungen auslösende Steinschlag ist ein Beispiel.

 

Hohl liegende Flächen müssen vernadelt und hinterfüllt werden. Hohl liegende Konsolen und Gesimssteine werden falls möglich gesichert. Bei den meisten Konsolen, zumindest an den Türmen, ist ein Austausch und fachgerechter Einbau erforderlich, da in vielen Fällen auch Materialfehler Ursache sind.

 

Taubenvergrämung

Die Taubenvergrämung an weiten Teilen des Gebäudes wurde in den 90er Jahren falsch angebracht. Sie wurden unsachgemäß montiert, und es wurde ungeeignetes Material genutzt.

 

Die Folgen sind fatal: Ausbrüche und Rostsprengungen sind vor allem durch rostende Schrauben der Halterungen und korrodierte Verankerungen entstanden. Die Volumenvergrößerung des rostenden Eisens führt zum Platzen des Steins.

 

Ähnliche Wirkung hat eindringendes und gefrierendes Wasser. Nötig ist die vollständige Entfernung und Erneuerung der vorhandenen Taubenvergrämungsmaßnahmen. Geschädigte Steine werden behandelt oder ausgetauscht werden.

 

Verfugungen

Die Verfugungen sind bei einem großen Teil der untersuchten Fassaden schadensträchtig. In weiten Bereichen der Tuffflächen ist das verwendete Fugmaterial nicht abgestimmt auf den weichen Stein.

 

Die Steine weisen flächendeckend mehr oder weniger ausgeprägte Kantenabrisse auf, die kurz- bzw. mittelfristig zu Rückwitterungen des Steins durch eindringendes Wasser führen werden.

 

In größeren Bereichen, etwa an Turm, Querhaus und Apsis, ist diese Rückwitterung bereits erfolgt. Eindringendes Wasser bleibt stehen und schädigt das Steingefüge. Die Fugen müssen ausgekappt, stark geschädigte Steine ausgetauscht und anschließend neu verfugt werden.

 

Ähnliches gilt für defekte mineralische Ausbesserungen. Diese sind lose, oftmals ist der darunterliegende Stein im Gefüge geschädigt. Die Ausbesserungen werden abgenommen, das geschädigte Steinmaterial zurückgearbeitet. Je nach Material, Zustand und Situation wird der  Stein entweder nur so bearbeitet, dass eine gute Wasserableitung gewährleistet ist, oder die mineralische Ausbesserung wird erneuert, in Einzelfällen wird eine Vierung gesetzt.

 

Im Sockelbereich sind Werksteine falsch versetzt, was zu Wasserschäden im Inneren führt. Die Sockelbereiche müssen teils neu versetzt werden.

 

Schadensverteilung

Wie zu erwarten, weisen die (exponierten) Türme die meisten und auch gravierendsten Schäden auf. Gesimse, Schmuckelemente und Wandflächen sind hier zum Teil in einem kritischen Zustand.

 

Die Verfugungen der Tuffflächen sind fast im gesamten untersuchten Bereich problematisch und haben schon zu Rückwitterungen und Gefügeschäden an den Steinen geführt. Die geringsten Schäden sind an der wettergeschützten Südseite im Kreuzgang zu verzeichnen. Hier sind abgesehen von der durchgehend bestehenden Fugenproblematik überwiegend nur Oberflächenschäden festgestellt worden.

 

Zwerggalerien, Innenwände und Gewölbe

Auch die Zwerggalerien an der Ostapsis sowie den Querhäusern weisen neben den kartierten Fassadenschäden vor allem in den Gewölben und den Rückwänden Risse und zum Teil erhebliche Oberflächenschäden aus. Die Risse haben statische Ursachen, Anker müssen gesetzt werden.

 

Die verwitterten Innenwände der Zwerggalerien unter anderem der Querhäuser müssen bis auf den gesunden Stein abgearbeitet werde, in Teilen ist auch ein Steinaustausch erforderlich. Im Anschluss werden die Flächen geschlämmt.

 

 

Schalllamellen

In allen Türmen sind Schalllamellen angebracht. Sie weisen Zersetzungen und Fäule auf und sind teilweise falsch eingebaut. Eine Erneuerung ist nötig.