Stein für Stein - Die Natursteinsanierung am Bonner Münster ist in vollem Gange

7. Januar 2020; Sebastian Eckert (sebastian.eckert@katholisch-bonn.de)

 

BONN. Mit mehreren Meißelschlägen klopft Dirk Risser von der Firma Denkmalpflege Schorn GmbH, vorsichtig auf den Stein an der Ostfassade des Bonner Münsters, 30 Meter über dem Grund. Sofort platzen dicke Schalen von dem jahrhundertealten Tuffsteins ab. "Seht ihr das?" fragt er. Dieses Stück Weibener Tuff ist nicht mehr zu retten: Es muss ausgetauscht werden. 

 

Stein für Stein prüfen die Fachleute der Firma Schorn, und zwar an allen Fassaden. Ist er brüchig, muss er raus. Ist er noch gut, wird er allenfalls etwas aufgearbeitet. So viel wie nur möglich soll bewahrt werden: Bestandserhaltung ist die oberste Maxime bei der Generalsanierung der Bonner Münster-Basilika. 

 

Doch nicht alle der 22 verschiedenen Steinsorten am Bonner Münster sind gleichermaßen zu retten. Besonders schadhaft sind die „Römertuffe“: Rund 90 Prozent sind an der Ostseite des Bonner Münsters geschädigt. Insbesondere das falsche Fugenmaterial, welches bei einer früheren Erneuerungsmaßnahme eingesetzt wurde, hatte unerwartete Konsequenzen. Es war viel zu hart. "Die Zementmörtelfugen blockieren die Verdunstung eingedrungenen Wassers; Frost und Salzbildung führen zur Auflösung des Gefüges. Durch Fugenabrisse an den Steinflanken dringt zusätzlich Wasser in das Mauerwerk. In Teilbereichen finden sich tiefreichende Schäden in Form von Rissen und Hohlräumen bis hin zur Auflösung des Gefüges", erläutert die bauleitende Architektin Maike Scholz. Auch rostende Schrauben, etwa durch falsch angebrachte Taubenvergrämungen, führten zum Abplatzen des Steins.

 

Muss ein Stein tatsächlich ausgetauscht werden, ist der Aufwand beträchtlich: Am Fuße des nördlichen Flankenturms finden sich unbehauene Tuffsteine. Diese werden in der Bauhütte angekerbt und mit dem Lastenaufzug nach oben gebracht. Dort sitzen die erfahrenen Steinmetze und bearbeiten sie genauso, wie es an der jeweiligen Stelle gebraucht wird. Gemauert wird dabei in Abschnitten, jedes Stück Mauer wird neu von unten nach oben "aufgemauert". Letztlich wird so die gesamte Natursteinfassade saniert. Anschließend wird mit einem neuen, korrekten Material verfugt.

 

Die Tuffsteine stammen aus der Eifel. "Glücklicherweise sehen sie fast genauso aus wie diejenigen, die damals verwendet wurden", erklärt Maike Scholz.

 

Aktuell arbeiten die Fachleute noch an der Ostfassade, die witterungsbedingt am stärksten betroffen ist. Anschließend "wandern" die Gerüste um das Bonner Münster herum; als letztes wird die Westfassade erneuert. Die Natursteinsanierung ist eine der Haupt- und der aufwändigsten Maßnahmen bei der Generalsanierung, die insgesamt rund 20,22 Millionen Euro kostet. 

    

Zurück

Visual Storys

Stein für Stein � Norbert Bach / Bonner Münster

Stein für Stein

> Mehr
"roh und geschmacklos"

"roh und geschmacklos"

Videos zum Baufortgang

Kernbohrungen im Kreuzgang

Kernbohrungen im Kreuzgang

> Mehr
Archäologische Begleituntersuchungen im Kreuzgang � Bonner Münster

Archäologische Begleituntersuchungen im Kreuzgang

Die Natursteinsanierung in Bildern