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Alt Sankt Martin in Bonn-Muffendorf

Malerisch-versteckt liegt der Aufgang zu dem Muffendorfer Kleinod: Wer Alt-St. Martin erreichen möchte, geht am besten durch ein schmales Gässchen zwischen zwei Fachwerkhäusern hindurch. Dann öffnet sich ein wunderschöner Blick auf den Chor der Kirche, die am Muffendorfer Friedhof liegt.

 

Die hell verputzte Kirche wirkt durch ihre Zierglieder in rot und ockerfarben einladend. Der kontrastreiche Eindruck wird durch das dunkle Schieferdach noch verstärkt.

 

Am eindrucksvollsten wirkt die Kirche bei einem Blick von Südosten aus: Der niedrigen, halbrunden Apsis folgt die Wand des Chorjochs, das wiederum wird überragt von einem steilen Giebel und der Fachwerkmauer, an dessen anderem Ende der Turm in die Höhe ragt.

 

Tausendjährige Baugeschichte

Vom Nordosten aus wirkt der Bau dagegen durcheinander. Kein Wunder, bei der rund tausendjährigen Baugeschichte: Im 10. 0der 11. Jahrhundert entstand der Kern des Sakralbaus, ein Saalkirche von etwa sechs auf 12 Meter Länge, mit einem Rechteckchor von etwa 4,2 auf 3,6 Meter.

 

Um 1200, als die Staufer im Heiligen Römischen Reich den Ton angaben, erlebte die Kirche ihren baulichen Höhepunkt. Viele Anbauten veränderten immer wieder das Bild. Der rechteckige Chor wurde seitlich verstärkt für ein Kreuzgratgewölbe und eine Apsis mit dem neuen Hauptaltar. Sockel- und Mensaplatten bestehen aus Trachyt mit einem Wellenprofil.

 

An der westlichen Seite der Kirche entstand der massive Westturm. Wegen der Geländeverhältnisse, die Kirche steht nahe eines Hangs, musste er innerhalb des vorhandenen Schiffs errichtete werden. Der schlichte Turm ist nur auch nur rund 13 Meter hoch und hat ein Pyramidendach von 7 Meter Höhe. Ungewöhnlich und deutlich erkennbar sind an der nördlichen und südlichen Seite starke Stützmauer. Sie sind nötig, da einige Turmwände auf dem Gewölbe der Halle ruhen, und nicht auf dem Boden. Sie verleihen der Kirche eine gewisse Trutzigkeit

 

In jener Zeit wurde ein nördliches Seitenschiff mit Ostapsis gebaut, für die die Nordwand durchbrochen wurde. Im 17. Jahrhundert fügte sich noch an der Nordseite einen Sakristei-Anbau mit Obergeschoss ein.

 

Ein Kleinod ist auch der Taufstein mit dem Palmettenfries in der Seitenapsis. Er hat eine prägnante Kesselform und war ursprünglich von sechs Säulchen umgeben. Er weist auf frühere Taufrechte hin, die die Gemeinde inne hatte. Ähnlich aussehende Steine gibt es etwa in Andernach.

 

Jagdgöttin ruhte im Seitenaltar

Beim Abbruch des Seitenaltars 1910 gab es eine Überraschung: In ihm fand man einen Weihestein der römischen Jagdgöttin Diana aus dem 2. Jahrhundert nach Christus, der heutige im Landesmuseum zu besichtigen ist.

 

Bau verlor im 19. Jahrhundert an Bedeutung

Doch die Geschichte meinte es nicht gut mit dem Bau. Im 19. Jahrhundert entstand der stattliche Neubau, die alte Kirche verlor ihr Patrozinium und ihre Funktion und verfiel. Drei umfassende Sanierungsmaßnahmen, darunter 1910/11 und 1934/35 und in den 60er Jahren, sicherten die Bausubstanz und modernisierten die Kirche, etwa mit Glasfenstern und Skulpturen.

 

Heute wird Alt- Sankt Martin überwiegend für Konzerte und Kulturveranstaltungen genutzt.