Gedanken zur Kevelaer Wallfahrt

Liebe Pilger, Freunde, Förderer, Interessierte der Bonner Kevelaer-Bruderschaft!

Hier an dieser Stelle finden Sie ab dem 1. August, dem Beginn unserer Kevelaer Oktav, täglich einen Impuls zur Kevelaer Wallfahrt 2020. Die Wallfahrt kann in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Vielleicht finden Sie hier ein paar Anregungen oder entdecken ihr Interesse.

Schauen Sie gerne vorbei!

 

Begrüßung zur Wallfahrt 2020

Liebe Mitglieder und Freunde der Kevelaer Bruderschaft,
wenn auch unsere Kevelaer-Oktav in diesem Jahr ganz anders ist als je zuvor, wenn weder die Fußwallfahrt noch die Fahrt mit den Omnibussen zum Gnadenort stattfinden kann, so wollen wir  - Orgateam und Vorstand -  diese Tage nicht so einfach vorüber gehen lassen. 
Einige von Ihnen haben Gelegenheit, die Gottesdienste in St. Remigius am Samstag,1. August, und während der Wallfahrtswoche von Montag bis Freitag um 12.15 Uhr mitzufeiern. Andere werden am Montag, 3. August, um 18 Uhr in Wesseling-Urfeld oder am Freitag, 7. August, um 18.30 Uhr in Niederkassel-Rheidt zusammen mit anderen Kevelaer-Pilgern Gottesdienst feiern. Ihnen allen möchte das Heft, das Sie in Händen halten, Hilfe sein, wenigstens in Gedanken und im persönlichen Beten diese Tage zu gestalten.
Wer sich auf den Weg nach Kevelaer macht, der trägt in der Regel einen ganzen „Rucksack“ mit Gebetsanliegen mit sich, den er der Mutter Gottes vortragen möchte. Auch wenn Sie das in diesem Jahr nicht unmittelbar vor dem Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ tun können, so dürfen Sie doch gewiss sein: Maria hört Ihre Gebete auch von zu Hause aus. Und das gilt in diesen Corona-Zeiten ganz besonders.
Das Leitwort der Wallfahrt lautet in diesem Jahr: „Ich bin, wo du bist“ (nach Exodus 3,14 in einer freien Übersetzung von Martin Buber). Es will uns sagen: Gott ist mit dir. Er ist für dich da. Er hilft dir leben. In Jesus Christus ist Gott für alle Menschen der „Gott für uns“ geworden. Herzlich lade ich Sie ein, während der Kevelaer-Oktav die grenzenlose Liebe zu uns Menschen zu betrachten. Der Rosenkranz ist eine gute Möglichkeit zu bedenken, was Gott in Jesus Christus für uns getan hat: Im freudenreichen Rosenkranz betrachten wir das Geheimnis der Menschwerdung Gottes, in den schmerzhaften Gesätzen das Leiden Jesu und seinen Tod am Kreuz und in den glorreichen Geheimnissen die Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn, die Sendung des Heiligen Geistes und in der Himmelfahrt Mariens auch die Verheißung, dass auch wir zur Vollendung im Himmel berufen sind. 
Ihnen allen wünsche ich eine trotz Corona gesegnete Kevelaer-Oktav,
Ihr Anno Burghof  

Pilgertag 1: Samstag 1. August 2020

Pilgergedanken
Wenn es losgeht und wir uns am Samstag früh vor der Kirche in der Brüdergasse treffen um die Koffer abzugeben, gibt es immer ein großes „Hallo“ und allen, die sich auf den Weg machen, ist eine gewisse Vorfreude anzusehen und anzumerken. Es ist, obwohl wir uns gerade erst auf den Weg machen, so ein wenig wie ankommen, sehr familiär. Auch wenn wir uns zum Teil nun ein Jahr nicht gesehen und gehört haben, stellt sich ein gewisses „Wohlgefühl“ ein. Vermutlich geht das allen Pilgern so, die sich zum wiederholten Mal auf den Weg nach Kevelaer machen. Anders wird es sicher den Erstpilgern gehen, die sich an diesem Morgen auf etwas Neues und Unbekanntes einlassen. Schön zu sehen ist aber dann, dass diese Pilger ganz schnell abgeholt und von anderen Pilgern an die Hand genommen werden. Sicher ist: Für alle Pilger ist dieser Moment etwas ganz Besonderes.

 

Wenn wir laufen würden…Etappe 1 Bonn-Hersel

Wir starten zu unserer Fußwallfahrt an St. Remigius in der Bonner Brüdergasse nach dem Eröffnungsgottesdienst. Es geht an der Oper vorbei zum Rhein – unter der Rheinbrücke werden wir vom Präses Anno Burghof verabschiedet. Dann geht es los am Rhein vorbei bis zum Römerbad, durch Schwarz-Rheindorf bis zum Ende des Hafens und dann wieder am Rhein vorbei bis zur Fähre. Auf einem Parallelweg geht es dann nach Hersel, wo wir über die Rheinstraße bei Glockengeläut unser erstes Etappenziel erreichen. Die erste Pause nach ca. 1,5 Stunden ist im Pfarrheim in Hersel.

 

Ist es nicht schön…

dass wir unterwegs immer wieder von netten Menschen auf dem Hinweg nach Kevelaer verabschiedet und auf dem Rückweg nach Bonn begrüßt werden. Gerade auf den ersten beiden Teilstücken ist dies mitunter sehr intensiv, weil Bekannte und Verwandte am Weg stehen und sich so mit den Pilgern verbunden fühlen, obwohl sie eben nicht mitpilgern.

 

Wenn wir laufen würden…Etappe 2 Hersel – Urfeld

Wieder bei Glockengeläut ziehen wir durch Hersel, von der Pfarrkirche St. Aegidius, an der Verbundschule vorbei, parallel zum Rhein nach Widdig. Mit einem Blick auf das Rheidter Werth (rrh.) verabschieden wir uns erst einmal vom Rhein und ziehen über die lange Römerstraße durch Widdig nach Urfeld. In Urfeld geht es über die Rheinstraße zur Kirche St. Thomas Apostel, wo wir wieder mit Glockengeläut empfangen werden und eine erste Station halten.

 

Begrüßung durch den geistl. Leiter Pastor Thomas Kuhl
Liebe Pilgerinnen und Pilger,
ein kleiner Virus hat es geschafft, dass wir nicht wie gewohnt in diesem Jahr unsere Wallfahrt gehen können. Wir hätten hier in der Kirche St. Thomas Apostel von Urfeld unsere erste Station gehalten und uns auf die Wallfahrt eingestimmt. 

Ein Satz aus dem Buch Exodus (3,14) „Ich bin, wo Du bist!“ hätte uns in diesem Jahr als Leitgedanken begleitet. Dies ist ein schöner Gedanke aus dem Alten Testament, den wir auf der Wallfahrt gewinnbringend hätten betrachten können. Ein wenig erinnert mich dieser Satz an den Psalm 16, da heißt es im Vers 8: „Ich habe mir den Herrn beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht.“ Der Psalm lädt zur Betrachtung und zum Gebet ein. Gott ist bei uns, das ist seine Botschaft, so wie auch unser diesjähriger Leitgedanke.  

Als Mose damals den Auftrag Gottes bekam, zu den Menschen zu gehen und ihnen von der Gegenwart Gottes zu berichten, der sie aus der Gefangenschaft Ägyptens hinausführen wollte, da gab er ihm als Legitimation seiner Sendung seinen Namen mit, die berühmten „ich bin“ Worte des Alten Testamentes: „Ich bin, der ich bin.“ Exodus 3,13-15 zeigen den Zusammenhang auf: „Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen sagen? Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich anrufen von Geschlecht zu Geschlecht.“

Martin Buber übersetzt die Bibelstelle auf seine Weise und bringt es auf einen besonderen Punkt: „Ich bin, wo Du bist!“, das Wallfahrtsmotto für 2020. In diesem Jahr können wir leider nicht gemeinsam den Weg nach Kevelaer gehen. In der Kirche von Urfeld hätten wir eine der ersten Etappen unseres Pilgerganges absolviert und würden über diese Worte der Heiligen Schrift nachdenken. Aber leider kam alles ganz anders. Immer noch geht vom Virus Gefahr aus. Eine Wallfahrt in normaler Weise ist nicht möglich. Aber auch so dürfen wir uns im Gebet verbunden wissen, wenn wir in Gedanken die Stationen durchgehen, die wir sonst gepilgert wären und wo wir Gottesdienste gefeiert hätten. 

Auch so dürfen wir den Herrn in unserer Mitte wissen, denn in der Gefahr, in der Not, lässt er die seinen nicht im Stich und ist bei uns. Ich bin, wo Du bist! Gott lässt uns nicht allein.


Begrüßung durch das Orgateam

Das Orgateam hat sich im Frühjahr 2020 damit befasst, was in diesem Jahr mit der Kevelaer Wallfahrt der Bonner Kevelaer Bruderschaft passiert. Eine Absage war und ist auf Grund der Corona Pandemie unausweichlich, auch wenn niemand absehen konnte und kann, wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Uns ist dieser Entschluss nicht leichtgefallen. Allerdings war und ist so viel nicht absehbar, dass dieser Entschluss, auch vor dem Hintergrund der Verantwortung für die Pilger und die Gastgeber unterwegs, nicht anders getroffen werden konnte. 

 

Wir haben dann überlegt, was wir tun können. Insbesondere von den Fußpilgern wissen wir, dass Sie sich auf die Wallfahrt freuen und die Woche im Kreis der Mitpilger genießen. Auch vielen Bus- und Autopilgern wird es nicht anders ergehen. 

Das Ergebnis der Überlegungen sind diese Zeilen. Die Zeilen soll Sie/Euch durch die Wallfahrtswoche führen und helfen, sich der Mutter Gottes von Kevelaer etwas näher zu fühlen. Wir hoffen, dass die Wallfahrt so ein Stück weit auch in diesem Jahr erlebbar wird. Die Vorbereitung und sicher auch das Lesen dieser Zeilen werden einen neuen, anderen Blick auf unsere Wallfahrt ermöglichen. Wir blicken von außen auf das, was wir tun und sind nicht mittendrin. 
Trotzdem sind wir mit dem Herzen dabei.

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 3 Urfeld – Wesseling

Nach einer kurzen Stärkung (Wasser) vor der Kirche, zu der auch viele Freunde und Verwandte kommen, geht es wieder an den Rhein und dort, mit Blick auf Niederkassel (rrh.), unterhalb der UK entlang, am Hafen vorbei, durch den Rhein-Park zur Pfarrkirche St. Germanus, wo wir wieder mit Glockengeläut empfangen werden.

Ist es nicht schön…
wenn wir gerade in Hersel, Urfeld und Wesseling viele Menschen treffen, die früher mit uns nach Kevelaer gepilgert sind. Irgendwie ist es eine besondere Gemeinschaft, ein besonderes Gefühl, welches uns verbindet. Für die Fußpilger ist es sicher schön zu wissen, dass es zu Hause Menschen gibt, die uns auf dem Weg nach Kevelaer gedanklich begleiten. Dies ist insbesondere dann tröstlich, wenn der Weg beschwerlich ist oder das Wetter nicht angenehm ist.

 

Betrachtung

Wenn die Brudermeister „Betrachtung“ rufen, beginnt eine Zeit, in der wir schweigend hinter dem Kreuz herziehen. Jetzt ist die Zeit, zur Ruhe zu kommen und den eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen. Für viele Pilger ist diese Zeit unterwegs sehr wichtig. Vielleicht ist auch jetzt ein guter Zeitpunkt „Betrachtung“ zu halten.

 

Wenn wir laufen würden…Etappe 4 Wesseling – Köln Weidenpesch

Nach der Pause geht es zum Wesselinger Bahnhof, wo wir Busse besteigen, um damit bis zur Bastei in Köln zu fahren. Wiederum am Rhein vorbei geht es bis zur Mühlheimer Brücke und entlang der Auffahrt zur Brücke bis zum Blumengroßmarkt. Dort ist eine letzte Wasserpause. Das nächste Stück, entlang der Boltensternstraße ist nicht so schön. Autoverkehr, Kreuzungen und unebene Wege machen den Weg beschwerlich. Deutlich angenehmer wird es, wenn wir dann Richtung Endhaltestelle der Linie 16 ziehen oder an der Weidenpescher Rennbahn und der Feuerwache vorbeikommen. Hier ist das Ziel, die Pfarrkirche Hl. Kreuz, greifbar. Dort werden wir von Pfarrer Gnatowski oder Diakon Mies erwartet und mit einem reichlichen „Segensgruß aus dem Weihwasserbecken“ begrüßt. Diakon Mies erzählt dann häufig, dass er schon sein Leben lang mit der Bonner Kevelaer Bruderschaft verbunden ist, weil er die Pilger schon als „kleiner Messdiener in Hl. Kreuz begrüßt hat. Die meisten werden froh sein, den ersten Pilgertag geschafft zu haben. Die ungewohnte Belastung, der lange Tag, manchmal das Wetter und auch die gedankliche Beschäftigung mit der Wallfahrt an diesem Tag haben Spuren hinterlassen. Nach der Abschlussandacht sind dann alle froh, wenn sie in den Quartieren den Tag ausklingen lassen können und freuen sich auf ein paar erholsame Stunden Schlaf.

 

Zum Abschluss des Tages
Liebe Fußwallfahrerinnen und Fußwallfahrer,
es ist für uns eine gute Gewohnheit geworden, Sie auf Ihrer traditionellen Fußwallfahrt zur Trösterin der Betrübten nach Kevelaer zur ersten und letzten Übernachtung in Köln-Weidenpesch zu beherbergen. Das gemeinsame Gebet, der gegenseitige Austausch und die vielfältige Sehnsucht nach dem Mehr im Leben und Glauben haben uns gutgetan. Wir werden Sie in diesem Jahr sehr vermissen. Da es uns allen zurzeit nicht möglich ist, in größeren Gruppen zu wallfahren, bleibt uns die innere Wallfahrt übrig, die keine Einschränkungen hat. Lasst uns so im Inneren zur Trösterin der Betrübten nach Kevelaer wallfahren und ihre Fürsprache erbitten, damit Gott uns ins Weite führt und alle das Leben in Fülle haben. 
Auf die Fürsprache der Mutter des Herrn segne und begleite Sie der dreieinige Gott. 
Mit schönen Sommergrüßen aus dem Pfarrverband Köln-Mauenheim/Niehl/Weidenpesch
Josef Felix Gnatowski, Pfarrer

 

Pilgertag 2: Sonntag 2. August 2020

Einstieg in den Tag
Der zweite Pilgertag startet mit der hl. Messe. Es ist Sonntag und rund um die Pfarrkirche Hl. Kreuz ist außer vereinzelten Spaziergängern, dem regelmäßigen Klappern der Straßenbahn und gelegentlichem Martinshorn wg. der nahen Feuerwache noch nichts zu hören. Der Kofferwagen wird beladen mit Koffern, Luftmatratzenkisten und was sonst noch so mitmuss. Nach dem Sonntagsgottesdienst steht für viele noch ein Toilettengang an, der erste Kaffee treibt. Und dann geht es los.

 

Wenn wir laufen würden…Etappe 1 Köln Weidenpesch - Fühlingen

Durch die noch menschenleeren Straßen von Weidenpesch geht es immer geradeaus auf der B9. Die frühmorgendliche Ruhe auf der Strecke entlang der Gewerbegebiete, der ExxonChemie und des Fühlinger Sees wird nur durch die Gebete und Gesänge der Pilger unterbrochen. Etwas lauter wird es in der ersten Gebetspause, wenn die Pilger sich untereinander austauschen und von den ersten Blasen und Wehwehchen berichten. Manch einer verschwindet auch im Gebüsch…der Kaffee drückt schon wieder. Am „Aqualand“ versammelt sich die Gruppe wieder und macht sich auf die letzten Meter nach Fühlingen zur Pfarrkirche St. Marien und dem angrenzenden Pfarrheim. Der Tisch ist gedeckt und alles vorbereitet für die erste Pause des Tages.

 

Der freudenreiche Rosenkranz
1. Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast.
2. Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast.

3. Jesus, den du, o Jungfrau, geboren hast.

4. Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast.

5. Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast.


Pilgergedanken
Nach den ersten Schritten durch die Straßen von Weidenpesch gehen wir über die B9 Richtung Fühlingen. Sonntags um 8.00 Uhr morgens schläft Köln noch - es ist ruhig und wir können ruhig durch die Straßen, entlang von Gewerbegebieten und Landschaft ziehen. Vereinzelte Nachtschwärmer und Spaziergänger, die Hunde ausführen, einzelne Autos, Jogger - sie alle wundern sich sicher über die Gruppe von Menschen, die dort dem Kreuz hinterher zieht. Und wie ist es für uns, wenn wir morgens früh auf den Weg machen? Es ist der Start zu unserer zweiten Etappe auf dem Weg nach Kevelaer. Morgens früh fällt es leicht sich auf die Wallfahrt einzulassen. Die klare Luft, die ruhige Umgebung und die ersten Gebete tragen uns durch die Landschaft. Die Ruhe, die Natur alles wirkt und der Alltag lässt sich leicht vergessen. Nachdem der erste Tag der Wallfahrt vorbei ist und sich alles ein wenig eingespielt hat, fällt es den Pilgern jetzt leichter, sich auf die Wallfahrt einzulassen. Viele Einzelpilger werden so zu einer Gemeinschaft. Vielleicht ist genau das einer der Punkte, die die Wallfahrt für Viele so wertvoll macht. 

 

Betrachtung
Pilger sind wir – immer unterwegs, so beschreibt ein unbekannter Verfasser das Leben der Menschen. Unser Leben – ein Weg, auf dem wir von Gott getragen sind. „Ich bin, wo du bist“, sagt Gott. Im Auf und Ab, im Stress, in Lärm und Hektik, in Sorge und Trauer, aber auch in der Hoffnung und in Augenblicken der Freude. Nicht immer können wir das glauben und darauf vertrauen. Nur zu oft nimmt die Welt uns den Mut und lässt uns verunsichert zurück. In einer Wallfahrt brechen wir auf, machen uns auf den Weg, um das alles vor Gott zu bringen und die Gottesmutter anzurufen. Und wir machen die Erfahrung: Wir sind nicht alleine. Andere gehen mit, schenken Austausch, helfen Lasten tragen. (aus: Bausteine für Pilger- und Wallfahrten)

Ist es nicht schön…
dass wir unterwegs immer wieder herzlich willkommen sind. So viele Menschen kümmern sich darum, dass wir in den Pausen vorbereitete Räume, Kaffee und andere Getränke, zum Teil auch Kuchen, Suppen, Frikadellen und Salat und vieles mehr aufgetischt bekommen. Und wenn wir weiterziehen, muss wieder aufgeräumt und bei Regenwetter geputzt werden. Was bewegt diese Menschen uns, obwohl wir uns persönlich nicht wirklich bekannt sind, so gut zu versorgen? Wir Pilger erleben hier immer wieder ein kleines „Ankommen“ und „zu Hause sein“. Hier wird spürbar und erlebbar, dass wir alle an einen Gott glauben und uns alle einer Kirche zugehörig fühlen. Es sind ehemalige Kevelaer-Pilger, Verwandte und Bekannte, Mitglieder aus anderen Kevelaer- und Trier-Bruderschaften, Pfarrgemeinderäte, Mitglieder der KfD oder einfach Menschen, die sich um uns kümmern. Wir Fußpilger können nur hoffen, dass es immer wieder solche Menschen gibt, die sich hier einbringen möchten und hoffen, dass sie das alle mit einem guten und zufriedenstellenden Gefühl tun. All diesen Menschen gilt unser Dank, unser Respekt und unsere Fürbitte für ihre Zeit, ihre Mühe und ihren Einsatz. Wir alle hoffen, dass wir auch in den nächsten Jahren auf diese sehr hilfreiche und freundliche Unterstützung zurückgreifen können.


Wenn wir laufen würden…. Etappe 2 Fühlingen – Dormagen
Durch Fühlingen ziehen wir immer entlang der B9 bis nach Dormagen. Es geht immer gerade aus. Der Fahrradweg führt uns entlang der Felder, einer verlassenen Raststätte und Tankstelle bis nach Worringen, dem nördlichsten Stadtteil von Köln. Gerade die Strecke durch Worringen ist nicht so schön: zum Teil ist der Weg eng, der Straßenverkehr nimmt zu und von sonntäglicher Ruhe ist kaum noch etwas zu spüren. Entlang der Bayer Werke führt uns der Weg, auf dem wir wegen der vielen Fahrradfahrer immer wieder "rechts ran" gehen müssen, direkt zur Pfarrkirche St. Michael in Dormagen. Dort hat der Pfarrgemeinderat mit jugendlicher Unterstützung das Salatbuffet aufgebaut und wir freuen uns auf die Pause im Pfarrheim.


Statio 
Die anschließende Andacht wird meist von ein paar Kindern und Jugendlichen vorbereitet, die oft andere Lieder, Texte und Aspekte mitbringen. Diese Andacht ist immer wieder eine besondere Bereicherung unserer Wallfahrt.


Das Jahr 2019. Ich zweifle an mir, an Gott und meinem Glauben.            

                                                     

I: Gott bist du da? G: Ja I: Bist du immer bei mir? G: Wo sollte ich sonst sein, wenn nicht bei dir? I:  Nur bei mir? Aber was ist mit den anderen? Mit meinen Nächsten? Mit denen die Hungerleiden, die Krank sind, die nichts haben, alleine oder verzweifelt? Mit denen, die sich unter Druck gesetzt fühlen, verloren sind oder die Hilfe brauchen? Was ist mit den Menschen, die nicht an dich glauben? Was ist mit den Menschen, die für dich alles aufgeben haben, ihr Leben ganz in deinen Dienst stellen? Was ist mit meinen Freunden? Was ist mit meiner Familie? Bist du für die nicht da? Du sagst mir, du bist immer für mich da, aber was ist mit den restlichen Menschen? G: Ich bin, wo du bist. I: Das beantwortet nicht meine Frage. G: Glaubst du an dich und nicht nur in dein Aussehen oder dein Outfit? Glaubst du an deine Charakterzüge, an deine Gutmütigkeit, an deine Nächstenliebe, an dein Mitgefühl, an deinen Mut, an dein Bewusstsein für Fehler und Verlust und an dein Bewusstsein für andere Menschen? Siehst du, dass du anderen hilfst und für sie da bist? -Denk doch mal nach… Habe ich dir nicht Einfühlsamkeit geben um deine Freunde zu unterstützen? Habe ich dir nicht Kraft gegeben, um anderen zu helfen? Habe ich dir nicht geholfen die Lage anderer zu sehn? 
I: …Doch. All das habe ich von dir, von Jesus, dem heiligen Geist, der Gottesmutter und vielen weiteren die in deinem Namen gehandelt haben, gelernt. Ich habe von dir gelernt gutmütig zu sein. Ich habe von Jesus gelernt meine Liebe zu teilen und an jeden zu richten, egal wer es ist. Ich habe von der Gottesmutter gelernt für andere da zu sein, mich um sie zu kümmern. Und viele haben genauso in deinem Namen gehandelt, dass hat mich nur bestärkt so zu handeln. G: Siehst du jetzt inwiefern ich auch für andere da bin? I: Vielleicht…. Vielleicht hast Du mir diese Eigenschaften gegeben und gezeigt, damit ich, für dich, zu meinen Nächsten gehe? G: Genau. Du bist für andere da. Für mich und mit mir. Denn ich bin da wo du bist. I: Aber warum kannst du nicht selbst für sie da sein? Du sollst allmächtig sein, allgütig. Schließt das nicht mit ein, dass du für jeden persönlich da sein musst? Ihr Leid verhindern musst? G: Sollte ich? Kann ich das überhaupt? Du pilgerst jedes Jahr zu Gottesmutter Maria. Du betest sie an. „Bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes“: jeden Tag betest du diese Zeile. Aber habe ich nicht ähnlich durch die Gottesmutter gewirkt, wie durch dich. Ich habe meinen Sohn nicht persönlich zu euch gebracht. Auch die meisten Weisungen und prophetischen Erzählungen kamen nicht persönlich von mir. Immer habe ich durch andere gewirkt. Die Propheten haben meine Nachricht über den Messias, meinen Sohn, deinen Bruder, verkündet. Die Gottesmutter hat ihn für mich auf die Welt gebracht. Schon damals habe ich durch andere gewirkt. Heute mache ich das immer noch. Ich wirke durch die Menschen, die an mich glauben. Dadurch das sie meine Nächstenliebe leben, meine Botschaft verkünden, glauben an Hoffnungen und Liebe verteilen. Dadurch kann ich mehr bewirken! Denn nichts ist glaubwürdiger, als die aufrichtige Liebe und den aufrichtigen Glauben, den ihr mir entgegenbringt.                                                                                                                                                        

 

Das Jahr 2020: Buschbrände in Australien, Klimawandel, weltweite Pandemie, Covid-19, Corona, ca. 300 000 Tote, George Floyd, Rassismus, Rechtsextremismus. Nur wenige der aktuellen und schrecklichen Nachrichten. Dafür kennt sie die ganze Welt. Gleich daneben stehen persönliche Schicksale, persönliche Tragödien. Ich zweifle an der Gesellschaft. Ich zweifle wieder an Gott. 


I: Gott? Kannst du das nicht verhindern? Oder, hättest du es nicht verhindern können? Kannst du jetzt nicht helfen? Gott? Wo bist du? Wir brauchen dich! G: Ich bin da. Ich war nie weg. Ich bin wo du bist!  I: Wieso konntest du es nicht verhindern? Schau dich um, Gott: Die Welt ist schrecklich böse: Kriege, Hunger, Pandemien, Rassismus, Morde, Vergewaltigungen. Wie viel müssen wir noch erleben bis du eingreifst? Wo bist du Gott? Wo wirkst du heute? G: Ich bin wo du bist. Ich bin wo ihr alle seid. Aber auch ich habe Grenzen. Sie beginnen bei der Natur, ich kann keine Pandemien aufhalten oder gar nicht erst aufkommen lassen. Das ist die Natur. Ich kann keine Kriege stoppen. Kein Rassismus. Keine Gewalt verhindern. Denn deine, eure Freiheit und Meinung ist meine Grenze. Meine Grenzen bedeuten aber nicht, dass ich nicht da bin. (Sonja)

 

 

St. Michael Dormagen

Ein paar Worte vom Orgateam der Fußwallfahrt
In der Pause in Dormagen werden regelmäßig die organisatorischen Dinge für die Wallfahrt geregelt: Wer möchte für den Montag Kuchen oder Gulaschsuppe bestellen? Wer möchte für den Abend im Pfarrheim Pizza bestellen? Das Koffergeld muss bezahlt werden und Teilnehmerzettel werden ausgefüllt. Für all das braucht es helfende Hände die mit Ihrem Engagement zum Bestehen der Wallfahrt und der Bruderschaft beitragen. Seit Jahren stellen wir fest, dass die Anzahl der Fuß- und insbesondere Buspilger mitunter deutlich sinkt. Das mag an vielen Dingen liegen. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Wallfahrt in diesem Jahr wegen der Pandemie ausfallen muss, wird es sicher nicht einfacher, die Wallfahrt von Bonn nach Kevelaer in den kommenden Jahren durchzuführen. 
Hier braucht es Menschen, die über die guten und positiven Erfahrungen der Wallfahrt berichten, um Menschen neugierig zu machen, sich auch einmal mit uns auf den Weg nach Kevelaer zu begeben. Hier braucht es Sie/uns alle. Dies gilt für die Fuß- und insbesondere die Buswallfahrt. Immer wieder braucht es aber auch Kümmerer, die z.B. im Vorstand der Bruderschaft aktiv sind oder den Vorstand mit kreativen Ideen und helfenden Händen unterstützen.
Bitte unterstützen Sie die Bruderschaft so gut es geht.  


Betrachtung
Auf dem Weg nach Kevelaer ziehen wir betend, singend, schweigend und in den Pausen natürlich auch im munteren Austausch durch die Gegend. Wenn wir in Ortschaften kommen, wird häufig gesungen. Die Gebete, Fürbitten und Gesänge werden aus dem Pilgerbüchlein der Bruderschaft entnommen oder es wird der Rosenkranz gebetet. Drei, vier Rosenkränze kommen dann schon einmal an einem Tag zu-sammen. Das Rosenkranzgebet hilft, mit der Prozession Schritt zu halten. Es hat fast einen meditativen Charakter. Aber das Gebet hilft auch den Alltag zu vergessen und sich auf Gott und die Dinge zu besinnen, die im normalen Alltag einfach zu kurz kommen.

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 3 Dormagen - Neuss

Nach der Pause ziehen wir durch die Innenstadt von Dormagen. Bei gutem Wetter sind jetzt alle Gaststätten gut gefüllt und die Reaktionen der Menschen sind sehr vielfältig. Von Achtung bis Verachtung ist alles dabei. Meist ist es aber Unsicherheit, die zu erkennen ist. Am Ende der Innenstadt besteigen wir Busse und fahren bis nach Grimlinghausen von wo wir am Rheinufer entlang, über die Erftmündung, durch den Neusser Hafen und über den Rheindeich nach Neuss ziehen. Hier stellt sich immer die Frage: Ist Schützenfest oder nicht? Schon häufiger konnten wir den Schützenzug in Grimlinghausen betrachten oder mussten wegen des Schützenfestes in Neuss aus der Innenstadt in die Dreikönigskirche und für die Pause in das angrenzende Pfarrheim ausweichen. In diesem Jahr wären wir, weil die Dreikönigskirche renoviert wird, in die Innenstadt nach Neuss zum Quirinus Münster und zur anschließenden Pause ins Kardinal Frings Haus gezogen. Hier werden wir regelmäßig vom Oberpfarrer Guido Assmann (dem zukünftigen Kölner Domprobst) und der Neusser Kevelaer Bruderschaft sehr, sehr herzlich empfangen.


Grußwort/Gebet 

Liebe Pilgerinnen und Pilger,

herzlich grüße ich Sie aus dem Quirinus Münster in Neuss. Diesmal kommt mein Gruß schriftlich, da die Coronaschutzmaßnahmen eine Fußwallfahrt in einer so großen Gruppe nicht möglich machen.

Die Mutter der Betrübten in Kevelaer hört unser Gebet für die Kranken und die Pflegenden, für die Toten und die Hinterbliebenen. Sie hört unser Flehen für die Forscherinnen und Forscher, die Heilmittel suchen. Doch ein Besuch an ihrem Gnadenbild ist natürlich etwas anders, als ein Gebet zu Hause. Trotzdem: Auch unser Gebet zu Hause kommt bei ihr an.

Im Quirinusmünster in Neuss gibt es ein Pestkreuz aus dem 14. Jahrhundert. Jesus hat die Beulen und Pusteln der Pestseuche am Körper. Er trägt unsere Krankheiten mit. Ich habe in der Zeit, als die öffentlichen Gottesdienste ganz ausfielen, oft an diesem Kreuz gestanden oder dort gekniet. Dabei ging mir durch den Kopf, dass Jesus auch unsere heutigen Plagen trägt. Auch die durch die Viruserkrankung auftretenden Plagen zieht er an sich, er distanziert sich nicht von uns. Nun kann ich Ihnen das Kreuz nicht zeigen. Aber ich lade Sie schon heute ein, hoffentlich im kommenden Jahr bei der Kevelaerfußwallfahrt an diesem Kreuz kurz zu verharren. Vielleicht sprechen Sie dann das alte Gebet aus dem Gotteslob 6,4.

Viele Grüße aus Neuss, sendet Ihnen

Ihr Oberpfarrer Msgr. Guido Assmann

 

Ist es nicht schön…
wenn wir in eine Kirche einziehen, die Orgel spielt und wir freundlich begrüßt werden. Sicher etwas Besonderes ist es, wenn wir ins Neusser Quiriunus Münster einziehen: die prachtvolle Kirche mit ihrem tollen Klang, die beeindruckende Orgel und die freundlichen Gastgeber lassen den Besuch in dieser Stadt und diesem Gotteshaus so besonders werden. Hier zeigt sich auch wieder sehr deutlich, dass wir alle zum Volk Gottes gehören.


Der schmerzhafte Rosenkranz
1. Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat.

2. Jesus, der für uns gegeißelt worden ist.

3. Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist.

4. Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat.

5. Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist. 


Wenn wir laufen würden… Etappe 4 Neuss - Kaarst

Nach der Pause starten wir zu einer der schönsten Etappen und Wegstrecken. Durch Neuss, den Stadtwald und entlang des Nord-Kanals geht es bis an die Grenze von Kaarst. Über die "Lange Hecke" gehen wir dann zu Kaarster Pfarrkirche St. Martinus, wo dieser lange Tag abgeschlossen wird und mit dem sakramentalen Segen endet.

 

Pilgerbetrachtung
Wir sind müde und geschafft. Der Tag war lang und die Wegstrecke ist die längste Tagesetappe auf dem Weg nach Kevelaer. Häufig sind dann ein kühles Gotteshaus und eine Kirchenbank sehr willkommen. Und zum Abschluss des Tages erklingt von der Orgelempore, verpackt in geistliche Harmonien und leicht versteckt:
“He deit et wih, un do deit et wih“.

 

Übernachtung im Hotel
Allabendlich wiederholt sich nach einem anstrengenden Pilgertag mit Abschlussandacht und Abendsegen immer das gleiche „Ritual“. Jeder Pilger versucht möglichst schnell, seine bereits zurechtgestellten Koffer, Taschen, Schlafsäcke, Jacken usw. zu ergattern, um zügig ins Nachtquartier zu kommen, damit er seine „müden Knochen“ pflegen kann. Während in Köln der überwiegende Teil der Pilger im Pfarrheim, in Privatquartieren oder sogar noch im eigenen Zuhause die erste Nacht der Wallfahrt verbringt, nutzen gerade in Kaarst viele Pilger die Möglichkeit der Übernachtung im Hotel. Wo man in der Vergangenheit noch zumeist eine organisierte Busfahrt in Hotels in den Nachbarorten auf sich zu nehmen hatte, nächtigen seit ein paar Jahren immer mehr Pilger in einem Hotel direkt am Kirchplatz von St. Martinus. Es ist sicher nicht nur angenehm, sondern fast schon luxuriös, wenn man nach 3 Minuten Fußweg und der Anmeldung im Hotel binnen kürzester Zeit auf seinem Zimmer ist, eine frische Dusche genießen kann und sich auf die, wenn auch kurze, Nacht in einem „richtigen“ Bett freut. Aber auch im Hotel kommt die Gemeinschaft der Pilger nicht zu kurz. Nachdem sich alle wieder frisch gemacht haben, der eine kürzer, der andere länger, trifft man sich in der benachbarten Gastronomie, wo bereits ein großer Tisch für alle „Hotelpilger“ reserviert ist, bei gutem Wetter sogar draußen. In gemeinschaftlicher Runde wird sich dann gestärkt, man isst und trinkt etwas zusammen. Viele nette Gespräche, in kleinen und größeren Gruppen, lassen die Strapazen des Tages vergessen. Schön ist, dass hier auch immer einige Pilger aus dem angrenzenden Pfarrheim dazustoßen. So ist man trotz getrennter Unterbringung doch irgendwie zusammen.

Das ist Pilgern!

Ein jeder zieht sich dann so wie er möchte auf sein Zimmer zurück und genießt die ruhige Nacht. Am Morgen trifft man sich dann wieder zum gemeinsamen, meist doch recht opulenten Frühstück, in großer Runde. Jeder berichtet von seiner Nacht, macht sich noch ein paar Brote für unterwegs und freut sich auf den neuen Tag und Pilgerweg. Das Geläut der Kirche lässt dann alle aufbrechen, um pünktlich mit der Morgenmesse in den neuen Pilgertag zu starten. (Tobias)

 

 

Pilgertag 3: Montag 3. August 2020

Einstieg in den Tag
Wir starten in den Tag mit einem Gottesdienst. Traditionell kommt hier der ein oder andere Pilger zu spät, weil die Privatquartiere zu gemütlich waren oder das Taxi vom Hotel nicht pünktlich gekommen ist. Nach dem Gottesdienst ist noch ein Moment Zeit, bevor wir zur nächsten Etappe aufbrechen. Die Zeit wird genutzt, um die Toilette aufzusuchen oder Füße oder Beine wieder auf Vordermann bringen zu lassen – zum Glück haben wir immer gute Seelen dabei, die sich darum kümmern. Und wenn wir in diesem Jahr eine Pilgerin mit Namen „Lydia“ dabei hätten würden wir erst mal zum Namenstag gratulieren. Traditionell mit einem Kanon: „Viel Glück und viel Segen, auf all Deinen Wegen…“

 

Gebet

Sonne der Gerechtigkeit, du Gott des Friedens und der Versöhnung. Du hast den Menschen deinen Sohn Jesus als …

 

Wenn wir laufen würden…Etappe 1 Kaarst - Krefeld Fischeln

Wir starten auf dem Kirchplatz vor der Pfarrkirche St. Martinus Kaarst zur längsten Einzeletappe unseres Weges. Es geht durch ein Wohn-gebiet ins Kaarster Feld. Leider gehen wir nicht mehr an der Hubertus-Kapelle vorbei, wo ein einzelnes Glöckchen geläutet wurde. Aber manchmal muss man gefahrlosere Wege oder auch neue Wege suchen, in denen man nicht so arg dem Straßenverkehr ausgesetzt ist oder weil die alten Wege nicht mehr da sind. Getreide, Salat, Gemüse wie Weißkohl, Möhren oder Kartoffeln begleiten uns rechts und links auf dem Weg von Kaarst nach Krefeld Fischeln. Kurz vor Krefeld Fischeln begrüßen uns ein paar neugierige Pferde. Dann geht es durch Fischeln zur Pfarrkirche St. Clemens bzw. zum angrenzenden Pfarrheim, wo unsere Pause stattfindet. 

 

Ist es nicht schön…

dass wir immer wieder erkennen können, dass alle Menschen pilgerndes Gottesvolk sind. So treffen wir auch in Krefeld auf Pilger. Es handelt sich um Mitglieder der Krefelder/Fischelner Trier Bruderschaft, die uns seit vielen, vielen Jahren im Pfarrheim zur Pause willkommen heißen. Aber es ist eben nicht nur die Vorbereitung des Raumes, die Bereitstellung von Kaffee und anderen Getränken, vielmehr ist es die Verbundenheit der Pilger, und dabei ist es egal, ob der Weg nach Trier oder nach Kevelaer führt. 

 

Wenn wir laufen würden…. Etappe 2 Fischeln - Stenden

Das erste Stück ist ganz kurz, zweimal um die Ecke zur nächsten Bushaltestelle. Dann geht es mit dem Bus quer durch Krefeld – für viele der Zeitpunkt für ein kleines Nickerchen. Am dritten Wallfahrtstag macht sich die Belastung des bisherigen Weges bemerkbar.

Von St. Hubert aus geht es dann über die Landstraße bis nach Stenden. Nach einer kurzen Wasserpause kurz vor der Querung der Autobahn A 40 geht es über die Dorfstraße bis zum Pausenquartier „Haus Backes“. Hier wartet Gulaschsuppe und Kuchen auf die Pilger. Auf dieser Strecke ist es eher ruhig, es geht durch Felder und einen kleinen Wald. Besonders ist hier, dass traditionell und nur auf diesem Teilstück Gebete gesprochen werden, die von einem Teil der Pilger schon erwartet werden. Besonders ist auch die Straße durch Stenden, die sich in die Länge zieht „Stenden ohne Enden“. Gefühlt besteht der Ort Stenden nur aus einer Straße, an der sich rechts und links Wohnhäuser und Bauernhöfe aufreihen.

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 3 Stenden - Aldekerk

Die nächste Teilstrecke ist nur kurz. Ein kleines Stück geht es noch über die Dorfstraße bis zum Ortsausgang. Einmal rechts, einmal links und dann immer geradeaus zur Pfarrkirche St. Peter und Paul in Aldekerk. Hier bereiten wir uns mit einer Bußandacht auf den Wallfahrtstag in Kevelaer vor. 

 

Bußandacht
Ich weiß nicht, wie es Ihnen in der Fastenzeit ergangen ist, aber mir kam diese Zeit durch den „Lockdown“ wie eine große, allesumfassende Bußzeit vor. Es erinnerte mich ein wenig an die Zeit, als Jona Ninive zur Buße aufrief. Die Stadt und ihre Bewohner nahmen sich seine Worte zu Herzen. Sogar der König von Ninive unterstützte ihn dabei und sprach: „Befehl des Königs und seiner Großen: Alle Menschen und Tiere, Rinder, Schafe und Ziegen, sollen nichts essen, nicht weiden und kein Wasser trinken.“

Auch für uns stand die Zeit still. Als ob jemand einen großen Schalter umgelegt hätte, um alles stillzulegen. Es hat sich ausgezahlt, dass wir uns so diszipliniert verhalten haben und uns an die Weisungen gehalten haben.  Nur leider ist es ein langwieriger Kampf gegen den Virus und auch nach mehr als drei Monaten ist von Normalität wenig zu spüren. 

Verzicht und Einschränkung, viel ist uns da auferlegt worden. Die meisten Menschen haben sich an die Regeln gehalten, das hat sich ausgezahlt. Wer hätte gedacht, dass es einmal soweit kommen würde. Bis hinein in unser privates Leben und unsere persönliche Freiheit hinein wurde alles reglementiert. Ein kleiner, nicht mit dem Auge erkennbarer Virus hat das geschafft, was keine Regierung, kein Machthaber in diesem Umfang hätte durchsetzen können. 

Wie mag es wohl damals in Ninive gewesen sein? War es wohl die Angst über die angedrohte Strafe gewesen, die die Menschen zum Fasten, zum Umdenken gebracht hat? Jesus möchte, dass wir aus Liebe umkehren. Das wir aus Liebe uns beschneiden, um dem Leben mit Gott Vorrang zu geben. Wie ein guter Winzer hegt und pflegt er unser Inneres, die Seele und damit den Menschen in seinem Wertvollsten, das er besitzt. Aber leider „zieht“ das bei uns nicht immer. Freiwillig geht nur dann, wenn wir einsichtig sind. 
Möge diese Station unseren Bußgeist stärken.
Ihr Thomas Kuhl

 

Ist es nicht schön…

wenn Gottesdienste nicht nur mit Gebeten, einer Predigt oder Gesang gefüllt werden. In den letzten Jahren haben wir Musik in unterschiedlichsten Arten erlebt: Orgelmusik in verschiedenen Varianten, ein Mundharmonika-Duett, Gesangsvorträge vom Solo- bis zum Chorgesang, Blasmusik von Querflöte, Trompete oder Posaune und Gitarrenmusik. Dies bereichert unsere Gottesdienste und Andachten. Gleichzeitig zeigt es, dass sich viele Pilger einbringen möchten.

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 4 Aldekerk - Nieukerk

Nach der Bußandacht ist eine kleine Pause vor der Kirche. Wasser, Äpfel oder Bananen werden vom Kofferwagen gereicht. Unsere jüngsten Pilger laufen aber lieber über die Straße, um sich in der Eisdiele mit einem leckeren Eis zu versorgen. Manche Pilger gehen auch zum Bäcker, um das Frühstück für den nächsten Tag einzukaufen, weil der nächste Morgen sehr, sehr früh beginnt. Und dann geht es los zur letzten Etappe des Tages. Durch die Straßen von Aldekerk geht es ins Feld, von wo aus die Pfarrkirche in Nieukerk schon zu sehen ist. Aber leider ist es noch ein ganzes Stück bis wir endlich St. Dionysius erreichen.

 

Abschluss des Tages

Liebe Schwestern und Brüder der Kevelaer-Bruderschaft Bonn,

gerne hätten wir Sie auch in diesem Jahr bei uns in Kerken begrüßt, was aufgrund der aktuellen Situation leider nicht möglich ist. Trotzdem oder gerade deswegen dürfen und sollen wir aber auch so im Gebet verbunden sein und aneinander denken. Ich lade Sie ein, dass wir das tun mit einem Gebet des Heiligen Bernhard von Clairvaux aus dem Pilgerbuch der Kerkener Kevelaer-Wallfahrt.

Herzliche Grüße und Gottes reichen Segen

Ihr Dr. Christian Stenz

Pfarrer in Kerken 

Pilgerbetrachtung
Ein weiterer Abend auf der Luftmatratze. Nach dem Abendsegen geht es an die allabendliche Koffer- und Taschensuche. An diesem Abend muss das gesamte Gepäck aufgenommen werden, weil am nächsten Morgen, an dem die Etappe bereits um 4.30 Uhr startet, einfach keine Zeit ist. Dann geht´s ins Pfarrheim um einen Schlafplatz für die Nacht zu suchen. Und dann kann man eine ganze Weile den Luftpumpen und Kompressoren lauschen, mit denen die Luft-matratzen für die Nacht aufgepumpt werden. Hier in Nieukerk steht im Pfarrheim eine Dusche zur Verfügung, die an diesem Abend reichlich genutzt wird. Parallel wird der eigene Flüssigkeitshaushalt in Ordnung gebracht. Netterweise haben die Gastgeber die Kühlschränke mit Getränken gefüllt. Zum Essen geht es in die umliegenden Lokalitäten. Nach der Stärkung geht es bald auf die Luftmatratze, denn die ist kurz und mit vielen anderen Pilgern im Raum, oft auch etwas unruhig. Die Prozession zieht am nächsten Morgen um pünktlich weiter, d.h. spätestens ab 3.30 Uhr (oder auch noch etwas früher, puhh…) stehen die ersten Pilger auf, um sich für die letzte Etappe zu rüsten. Ein kurzes Frühstück, ein schneller Kaffee, Koffer packen, Koffer einladen und schon geht es los.

 

Pilgertag 4: Dienstag 4. August 2020

Einstieg in den Tag
Die letzten Schritte nach Kevelaer stehen an, obwohl die Strecke insgesamt dort noch recht lang ist. Es geht sehr früh los und es ist noch dunkel. Diese Uhrzeit bringt dann schon die ein oder andere innere Uhr mächtig ins Schwanken. Hektische Geschäftigkeit gibt es auf dem Kirchplatz, denn bis zum Abgang muss alles erledigt sein und geprüft werden, ob die „Nachbar“-Pilger, die vor und hinter einem in der Reihe gehen, auch wirklich da sind. Wir wollen auf den letzten Metern niemanden vergessen.

 

Wenn wir laufen würden…Etappe 1 Nieukerk - Geldern 
Im Dunkeln geht es durch Nieukerk zur Querung über die B 9. Eine Stelle, die unangenehm ist und die wir gerne schnell hinter uns bringen. Auf der Straße donnern Kies-LKW an uns vorbei und wir ziehen über den Fahrradweg, bis wir die B9 verlassen und über die alte Landstraße nach Geldern ziehen. Jetzt wird es langsam hell. Auf dem Marktplatz wird der Wochenmarkt aufgebaut, wenn wir zur Pause ins Pfarrheim gehen. Dort werden wir überaus freundlich empfangen.

 

Ist es nicht schön…   
… wenn auch mal etwas läuft, wie man es nicht erwarten konnte. Viele Jahre sind wir in Geldern in Gaststätten zur letzten Pause vor Kevelaer eingekehrt. Morgens um 6.15 Uhr, wenn andere Menschen arbeiten gehen, haben wir die erste Pause. Im Jahr 2018 haben wir die Information erhalten, dass die Gaststätte „Zur Niersbrücke“, in der wir bis dahin Pause gemacht haben, geschlossen wird. Nach kurzer Suche haben sich zwei Damen der KfD aus Geldern bereit erklärt, uns im Pfarrheim zu empfangen. Und das war schon besonders, wie freundlich wir - ohne uns richtig zu kennen – empfangen worden sind. 


Wenn wir laufen würden…. Etappe 2 Geldern - Kölner Kreuz
Und dann geht es los zur letzten Etappe. Das erste Stück durch Geldern ist nicht so schön. Viele Kreuzungen und der Berufsverkehr gestalten dieses Stück sehr unruhig. Auch wenn wir wieder an die B 9 kommen, nimmt der Berufsverkehr nicht ab. Von jetzt an geht es immer gerade aus Richtung Kevelaer. Am Rastplatz „Krautparsch“ steht unser Präses Anno Burghof und begrüßt uns. Hier werden dann auch die Andenkenzettel zur Wallfahrt verteilt. Vor dort geht es mit der letzten Gebetspause bis zum Kölner Kreuz.

 

Am Kölner Kreuz
Das Ziel, zumindest der Turm der Marienbasilika in Kevelaer, ist sichtbar. Kurz vor Kevelaer, am Kölner Kreuz hält die Prozession für einen Moment inne. Pilgerinnen und Pilger die sich zum ersten Mal auf den Weg gemacht haben werden genauso beglückwünscht wie Pilger, die zum 10ten, 25ten Mal oder noch häufiger nach Kevelaer gepilgert sind. Unser Präses der Bruderschaft, Pastor Anno Burghof und der geistliche Leiter Pastor Thomas Kuhl, ehren die Pilgerinnen und Pilger verbunden mit dem Dank für das Gebet auf dem Weg. Denn pilgern heißt auch: mit den Füßen beten. Häufig begrüßen uns an dieser Stelle auch die Busse, die die Buspilger aus der Heimat nach Kevelaer bringen. Auch viele PKWs mit Verwandten, Bekannten und Freunden kreuzen hier unseren Weg.

Grußwort Präses Anno Burghof
Liebe Kevelaer-Pilger, 
die Fußpilger wissen das: Wenn die Prozession am 4. Wallfahrtstag am Kölner Kreuz ankommt, dann dauert der Weg anschließend nur noch eine Stunde. Am Horizont ist schon deutlich der hohe Kirchturm der Marienbasilika zu sehen. Das beflügelt auch diejenigen, deren Füße schmerzen. 
Bei der kurzen Pause werden in der Regel Jubilare geehrt, die schon ihre 25.,30.,40., selten auch 50. Fußwallfahrt geschafft haben. Nicht nur der Präses, der geistliche Leiter, der Vorstand und das Orga-Team freuen sich mit den Jubilaren. Auch die anderen Pilger gratulieren. Die Erstpilger - das sind nicht nur Kinder und Jugendliche - bekommen als Erinnerung ein Heft mit Bildern und Erklärungen zum Rosenkranz, welches der frühere Kölner Dompfarrer Wilhelm Kleff verfasst hat.

Der Bruderschaft und insbesondere der Gemeinschaft der Fußpilger wünsche ich, dass wir uns im Jahre 2021 wieder an diesem schönen Kreuz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts treffen können, das unter den Füßen des Gekreuzigten eine Tafel mit der Aufschrift schmückt:

„O Ewigkeit“.

Ihr Pastor Anno Burghof

 

Betrachtung                
An dieser Stelle ist, genau wie auf dem Weg kurz vor Kevelaer, noch einmal Gelegenheit zur Betrachtung: Warum hätte ich mich in diesem Jahr auf den Weg nach Kevelaer gemacht? An wen wollte ich besonders denken? Wer hätte mir seine Sorgen und Nöte mit auf den Weg gegeben?

 

Die Buswallfahrt
„Kevelaer ade – das tut mir sehr weh“ 
Seit einigen Jahren haben wir den Verkauf der Busfahrkarten für den Wallfahrtstag übernommen. In den Wochen führen wir viele Gespräche mit den Männern und Frauen, die ihre Karten kaufen. Es ist ein buntes Erleben von vielen Eindrücken, Wünschen und Erfahrungen. Wir freuen uns immer, wenn der Kartenverkauf gut läuft und der „Beueler Bus“ langsam voll wird. Die Zeit geht dahin und irgendwann ist der Wallfahrtstag ganz nah und die Spannung steigt: Ob alle kommen, ob wir pünktlich fahren können, ob wir die persönlichen Wünsche (Rollator, erste Reihe im Bus usw.) erfüllen können? Haben alle ihre Karte dabei oder …?
Die Nacht vor der Abfahrt ist kurz, nicht nur wegen des frühen Termins, sondern auch, weil viele Gedanken im Kopf kreisen. Dann ist es so weit. Die ersten Wallfahrer sind lange vor Ankunft des Busses an der Josefskirche. Die Toilette an der Sakristei ist geöffnet und wird fleißig genutzt. Auf unserer Liste haken wir die Ankommenden ab und zügig füllt sich dann der Bus. Es ist für viele Pilger ein Wiedersehen nach einem Jahr und man staunt, wie schnell Gespräche in Gang kommen. Wenn Alle Platz genommen haben, kann der Busfahrer starten. Die Fahrt geht dann nach Bonn zur Adenauerallee, wo die anderen Busse warten. Meist ändert sich in unserem Bus Nr. 5 nichts, wir sind voll besetzt und können dann losfahren. Es ist sehr unterschiedlich, wie der Weg genommen wird. Nicht jeder Fahrer ist mit uns auf direktem Weg nach Kevelaer. Es gab mehrfach große Umwege und die „alten Wallfahrer“ machten ihren Unmut deutlich, wenn es nicht so lief, wie es immer war.
Nach dem Reisesegen und dem Morgengebet folgen Lieder, Psalmen und Gebete bis es dann wieder eine Zeit zum Erzählen gibt. Schnell wird es dann im Bus lebendig. Ähnlich wie bei der Fußwallfahrt wechseln Zeiten des Gebets, der Stille und des Austauschs. Spannend wird es dann, wenn Kevelaer nicht mehr weit ist und alle auf die Fußpilger am Straßenrand am „Kölner Kreuz“ oder unterwegs warten. Das ist für mich persönlich ein bewegender Augenblick. 27mal war ich in der Gruppe der Fußpilger und winkte den vorbeifahrenden Bussen zu. Alles hat seine Zeit, ich kann nicht mehr laufen, und muss mit dem Bus fahren. 
Die Ankunft in Kevelaer ist recht aufregend: Alle wollen aus dem Bus, schnell noch einen Kaffee trinken, Blumen für die bekannten Fußpilger kaufen oder möglichst einen guten Platz in der Basilika finden. Ich persönlich suche mir auch einen Platz und warte auf den Einzug der Fußpilger, jedes Mal mit Tränen in den Augen und guten Erinnerungen an das gemeinsame Unterwegssein in vielen Jahren. Während ich diese Gedanken aufschreibe, läutet das Telefon. Eine Buspilgerin erkundigt sich: „Wie sieht es in diesem Jahr mit der Wallfahrt aus?“ Nach wenigen Worten kommt von der fast 88jährigen Dame: „Kevelaer ade, das tut mir sehr weh!“ Ich denke, das ist ein Ausspruch, der vielen aus dem Herzen spricht. 2020 ohne Kevelaer-Wallfahrt ist traurig, aber wir hoffen, dass im kommenden Jahr mit Gottes Hilfe alle gesund und froh den Weg zur „Trösterin der Betrübten“, der Muttergottes von Kevelaer wieder antreten können. 
(Elisabeth Behne) 

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 3 Kölner Kreuz - Kevelaer Kapellenplatz   
Die allerletzte Etappe steht an. Vom Kölner Kreuz geht es entlang der Bundesstraße 9 bis zur Abzweigung nach Kevelaer und dann immer gerade aus. „Maria zu Dir kommen wir – Deine Fürbitte begehren wir.“ Mit diesem Wallfahrtsrosenkranz geht es bis nach Kevelaer. An der Stadtgrenze verlassen wir den Fahrradweg und ziehen über die Gelderner Straße zum Gnadenbild. Das Tempo wird deutlich reduziert, weil die Wallfahrtskerze jetzt mitgetragen wird, eine Musikkapelle uns beim Einzug begleitet und Verwandte, Freunde, Bekannte, ehemalige Fußpilger und viele Pilger, die aus unserer Heimat mit Bussen angereist sind, uns begrüßen. Auch viele Kevelaerer stehen am Straßenrand und heißen uns willkommen. Und dann geht es über den Kappellenpatz, entlang der Kerzenkapelle zum Gnadenbild. Nach einem kurzen Blick auf dieses unscheinbare Bild ziehen wir zum festlichen Hochamt in die fast überfüllte Marienbasilika.

Wir sind da. 

 

Grußwort Gregor Kauling, Rektor der Wallfahrt   
Liebe Pilgerinnen und Pilger der

Kevelaer Bruderschaft Bonn,

ich grüße Sie und Euch alle mit großer Freude aus dem Marien-heiligtum Kevelaer. Seit so vielen Jahren sind wir miteinander verbunden. Uns eint die Liebe zur Muttergottes, der Trösterin der Betrübten. In diesem Jahr haben wir die Wallfahrt unter den Leitgedanken gestellt:

„Ich bin, wo Du bist…“

Der Gottesname übersetzt nach dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber. „Ich bin, wo Du bist“, diese Gewissheit stärkt uns in schwierigen Zeiten. Ein kleines Virus hat die Welt durcheinandergebracht, normale Lebensabläufe durchkreuzt und eine Distanz geschaffen, die uns Menschen nicht guttut.  Auch die Wallfahrt nach Kevelaer ist davon empfindlich getroffen. Gleichzeitig spüre ich als Rektor der Wallfahrt mit unserem Team vor Ort eine so große Solidarität und Verbundenheit, wie selten zuvor. Bereits im Februar habe ich daher das Fenster zur Muttergottes öffnen lassen, wo so viele Fenster und Türen hinein in die Welt zugegangen sind. Das Fenster zu dem kleinen Bildchen am Platz, es ist geöffnet und die Muttergottes hat Sprechstunde, immer! Die Trösterin der Betrübten sieht auch Euch alle und freut sich, Euch nahe sein zu dürfen in Euren Sorgen und Nöten in Eurer Freude und Dankbarkeit. Gerne entzünde ich in diesen Tagen eine Kerze für Euch alle am Gnadenbild.

Mein Wunsch für Euch alle, die Kevelaer-Bruderschaft Bonn, ist, dass Ihr getröstet und gestärkt seid, in der Gewissheit, die Frau des Himmels und der Erde verlässt uns nicht. Sie verweist auf Ihren Sohn, unseren Heiland, der uns auch durch die momentane menschliche Krise hindurch helfen wird. 

So segne ich gerne Eure Lebenswege und bin Euch allen, bis zu einem frohen Wiedersehen in Kevelaer herzlich verbunden!

Euer Domkapitular Gregor Kauling

(Rektor der Wallfahrt)

 

Pilgergedanken          
Das Gnadenbild von Kevelaer ist eigentlich recht unscheinbar. Ein paar Quadratzentimeter groß ist das kleine Bildchen, welches auf dem Kapellenplatz in Kevelaer in der Gnadenkapelle, heute hinter Panzerglas, angebracht ist. Tausende Menschen pilgern jedes Jahr nach Kevelaer, um an dieser Stelle zu beten und zu bitten. Hier wird um die Hilfe der Gottesmutter gefleht, Sorgen und Nöte vorgebracht und aus Dankbarkeit manche Kerze angezündet. Und dieses Geschehen wiederholt sich jetzt schon viele Jahrhunderte. Es ist schon etwas Besonderes, möglicherweise unbegreifbar Großes, was hier Jahr für Jahr passiert. Und es ist auch bestimmt für jeden Pilger der Kevelaer Bruderschaft Bonn etwas Besonderes, egal ob zu Fuß, mit dem Bus oder dem Auto angereist, hier an dieser Stelle anzukommen.

Der Nachmittag in Kevelaer            
Nach der verdienten Mittagspause und vielleicht einem kurzen Mittagsschläfchen, treffen wir uns um 15.00 Uhr zum Kreuzweg mit anschließender Pilgerpredigt. Eine große Menschenmenge zieht durch die Straßen von Kevelaer zum großen Kreuzweg. Betend und singend ziehen wir durch Kevelaer. Häufig kreuzt die Fußprozession aus Aachen Eilendorf unseren Weg. Dann geht es in den Marienpark, in dem der Kreuzweg gebetet wird. Den Abschluss bildet eine Predigt an der 13. Station: 

„Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Mariens gelegt“. Herr, lass uns jetzt innerlich zur Ruhe kommen und gib uns wachen Sinn, damit wir erahnen und begreifen können, was Dein Kreuz für uns bedeutet. Lass uns durch diesen Kreuzweg Dir begegnen, damit wir mit mehr Trost und Freude, mit mehr Glauben und mit mehr Liebe weiterleben können. (Diakon Franz Schuh)

Um 18.00 Uhr werden in der Basilika die Buspilger verabschiedet. Das Gotteshaus ist noch einmal gut gefüllt. Die Pilger verabschieden sich von Kevelaer und danken Gott für den Tag bei der Gottesmutter von Kevelaer mit all seinen Facetten. Es ist ein schöner Brauch, dass die Buspilger dann, begleitet vom Kreuz, den Priestern, Brudermeistern und anderen Fußpilgern zu den Bussen gebracht werden. Die Buspilger steigen zufrieden und dankbar für diesen Wallfahrtstag in die Busse. Es geht wieder nach Hause. Auch für Pilger, die nicht zu Fuß nach Kevelaer kommen, ist es offensichtlich ein großes Bedürfnis sich Jahr für Jahr auf den Weg nach Kevelaer zu machen, um bei der Gottesmutter zu beten, zu bitten oder Danke zu sagen. 

 

Der Abend in Kevelaer         
Abends treffen sich die in Kevelaer verbliebenen Pilger zum gemütlichen Beisammensein. Hier werden die Jubilare und besondere Ereignisse gefeiert. Seit vielen Jahren ist dieser Abend munter und lustig, wenn Lieder, Vorträge und humorvolle Gedanken präsentiert werden. Bevor die kleine Feier endet, gibt es traditionell eine „Eierquell-Parodie“ und ein Martinslied. Vom Fahnensaal zieht dann die Prozession singend über den Kapellenplatz. Die stimmungsvolle Lichterprozession schließt den Tag ab. Nach der Lauretanischen Litanei und dem Abendsegen am Gnadenbild endet der Pilgertag. Hier und da treffen sich noch Pilger in den umliegenden Gaststätten, es wird gesungen und gelacht – die Stimmung ist sehr gelöst. 

 

Pilgergedanken 
……… vor dem Weg nach Kevelaer
> Verbundenheit mit der Muttergottes     > Suche nach sich selbst        > Wunsch nach Vergebung     > Wunsch nach Gemeinschaft     
> Wunsch nach Heilung von Körper und Seele     > Wunsch pilgern zu verstehen     > Wunsch mich auf das Gebet einzulassen      > in einem besonderen Anliegen      > eigene Grenzen erfahren     >Pilgern für die, die nicht selbst pilgern können     > Dank für etwas ganz Besonderes     > Neugierde > Vertiefung des Glaubens
……… auf dem Weg nach Kevelaer
> wie freudig die alle losziehen…     > in Zweierreihen, jeder hat seinen Platz, das fühlt sich gut an     > was läuft es sich gut mit dem Rosen-kranz und dem Singen, sehr schöne Marienlieder     > erster Abend und keine Blase…grandios!     > ab auf die Luftmatratze: verrückt, die sind ja älter als ich, und halten immer noch…     > 2. Tag: wird wohl der Schwerste, habe ich mir sagen lassen! Wird schon gut gehen…     
> das Beten trägt mich     > die Gemeinschaft tut mir gut     > Gebets-pause: Tut auch mal gut…     > Betrachtung: Schweigen ist nicht immer leicht     > Pause in der Kirche……Schuhe aus und ein Nickerchen machen…das ist zu Hause sein     >lange Hecke …. wirklich lange Hecke     > ich freue mich auf eine Dusche     > ankommen in Kaarst: „Hee deit et wih un do deit et wih“     > 3. Tag: die Füße halten durch …     > sehr gut - auf ins Kaarster Feld…     > Respekt, die längste Etappe…!     > der letzte Morgen: Aufstehen mitten in der Nacht…     > Aber zusammen geht das!     > Wahnsinn, dieses Gefühl im Stockdunkeln zu gehen!  Aber ich fühle mich sicher…     > 6.30 Uhr Geldern, letzte Pause:  eine Runde Ouzo, geht auch…     > die Ankunft in Kevelaer…überwältigend und Gänsehaut pur     > der Abend... Jubiläumsfeier, sehr berührend, feierlich, ein wunderbarer Ausklang.

(Anette, Sandra, Claudia und Susann)

Pilgertag 5: Mittwoch 5. August 2020

Statio

Liebe Kevelaer-Pilger, 

am Mittwoch, 5. August, wäre der 2. Tag unserer Fußpilger in Kevelaer. Am frühen Vormittag haben wir uns an diesem Tag immer zum Gottesdienst in der Kerzenkapelle versammelt. Im Anschluss an die Messfeier sind wir dann in Prozession über den Kapellenplatz zum Forum-Pax-Christi gezogen. Dort schloss die Feier mit dem sakramentalen Segen.

In diesem Jahr ist der 5. August ein Marienfest, der Weihetag der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom. Früher hatte dieser Gedenktag den Namen „Maria Schnee“. Das erinnert an die Legende, nach der Papst Liberius im Traum die Weisung erfahren haben soll, an der Stelle, an der am nächsten Morgen in Rom mitten im Sommer Schnee liege, eine Marienkirche zu bauen.

Santa Maria Maggiore ist die älteste und bedeutendste Marienkirche des Abendlandes. An diesem Fest ist die Lesung der Messfeier aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Heiligen Schrift entnommen (Offb 21,1-5a). Das ist ein sehr tröstlicher Text. Er entwirft im Bild der heiligen Stadt Jerusalem, die von Gott herabkommt, eine Vision des Himmels. Da heißt es: „Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron herrufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei Ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offb 21,3.4)

Wenn wir in dieser „Wohnung Gottes unter den Menschen“ angekommen sind, dann dürfen wir nicht mehr nur glauben, dann dürfen wir Gottes Größe und seine unbegreifliche Liebe sehen. Dann gilt unser Wallfahrtsmotto endgültig „Ich bin, wo du bist“. Es ist uns dann wirklich Leben in Fülle geschenkt – ohne Tränen, ohne Trauer, Klage und Mühsal. Wir dürfen die Gewissheit haben, dass wir dann auch mit Maria und mit allen, die zu Christus gehören, vereint sind.

Bitten wir um diese Erfahrung für uns selbst und für alle Menschen.

Ihr Pastor Anno Burghof

 

Der Vormittag

Am nächsten Morgen treffen wir uns um 8.15 Uhr und beginnen den zweiten Pilgertag in der Kerzenkapelle mit einem feierlichen Gottesdienst. Neben den Pilger, die sich am frühen Nachmittag wieder auf den Weg Richtung Bonn machen wollen, sind noch viele andere Pilger, Verwandte und Freunde da, die auch den zweiten Tag in Kevelaer genießen möchten. Für viele ist dieser Gottesdienst in der Kerzenkapelle noch mehr besonders als das Hochamt tags zuvor in der Basilika. Von den Zelebranten und Messdienern, über den „hauseigenen“ Chor, bis zu den Gläubigen in den Bänken „gehört“ die Kirche an diesem Mittwochmorgen nur uns. Es ist eine fast schon private Atmosphäre. Nach dem Gottesdienst gibt es noch eine Sakramentsprozession rund um das Gnadenbild zum abschließenden Segen in der Pax-Christi Kapelle. Danach ist Zeit zum Koffer packen und um die Dinge zu erledigen, die nur in Kevelaer erledigt werden können. Man sieht viele Pilger ruhig vor dem Gnadenbild verharren. Es ist die Zeit für die ganz persönlichen Dinge. Um 13.00 Uhr ist dann die Abschlussandacht zu der sich die Pilger in der prachtvollen Marienbasilika treffen. Vorher müssen wieder die Koffer verladen werden, was jetzt aber etwas einfacher ist, da die Pilgeranzahl etwas geringer ist.

 

Gedanken zum Abschied von Kevelaer von unserem geistl. Leiter Pastor Thomas Kuhl
Wir nehmen Abschied vom Gnadenbild, treffen uns noch einmal mit all denjenigen, die noch mit uns in Kevelaer geblieben sind, aber den Rückweg nicht mehr zu Fuß auf sich nehmen. Es gilt Abschied zu nehmen vom Gnadenort. Viele unterschiedliche Gedanken be-schäftigen uns. Wir möchten die Zeit anhalten, doch es geht weiter. Es geht weiter, weil der Herr es so will. Weil wir ihm entgegengehen: Christus, gestern und heute, Anfang und Ende, Alpha und Omega. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit. Sein ist die Macht und die Herr-lichkeit in alle Ewigkeit. So wird in der Osternacht die neue Osterkerze bezeichnet und am neuen Feuer, dem Osterfeuer entzündet. 
Auch während unserer Wallfahrt wurde wieder etwas Neues in uns entzündet! Da wird etwas weitergeführt, was schon längst da war. Sich mit Gott auf der Wallfahrt auseinanderzusetzen bedeutet, sich dem Licht Gottes neu anzunähern. Wandelt als Kinder des Lichtes, sagt er uns und meint es auch so. 
Bei der Wallfahrt haben wir etwas davon erahnen können, vielleicht sogar verkosten dürfen. Stärkung im Glauben. Stärkung auf unserem Weg.  Stärkung auf unserem eigenen Lebensweg. Danke Gottesmutter Maria, du Trösterin der Betrübten, für Deine Fürbitte bei Gott unserem Herrn!

 

Wenn wir laufen würden…Etappe 1 Kevelaer - Geldern

Beim letzten Lied der klangvollen Orgel ziehen wir aus der Basilika zum Gnadenbild. Die Pilger müssen sich noch sortieren, und dann geht es über den Kapellenplatz mit einem letzten Blick auf das Gnadenbild und durch die Haupt-Einkaufsstraße zum Stadtrand von Kevelaer. Am Straßenrand stehen Geschäftsleute und Pilger, die uns aus Kevelaer verabschieden. „Vom Gnadenorte scheiden wir, Maria Dir vertrauen wir“, so beten wir im Rosenkranz auf den ersten Metern in Richtung Geldern. Die letzten Verwandten fahren mit den PKWs hupend und winkend an uns vorbei Richtung Autobahn. Dann wird es ruhiger. Fast hat man den Eindruck, die Pilger sind froh wieder in der, wenn auch kleineren, Gemeinschaft unterwegs zu sein. Erneut geht es über viele Kreuzungen, die jetzt aber einfacher zu meistern sind, bis zum Pfarrheim mitten in Geldern, in dem wir wieder sehr herzlich empfangen werden.

 

Ist es nicht schön…

dass die Pilgergruppe innerhalb kürzester Zeit zu einer guten Gemeinschaft geworden ist. Blasenpflaster werden geklebt, Gummibärchen und Halsbonbons werden großzügig verteilt. Es gibt immer ein offenes Ohr oder eine helfende Hand und unterwegs einen stützenden Arm. Alles ist wie selbstverständlich und das ist gut so. Vielleicht ist das auch ein Teil des „Besonderen“, was die Wallfahrt nach Kevelaer ausmacht.

 

Wenn wir laufen würden…. Etappe 2 Geldern - Nieukerk

Die letzte Etappe des Tages steht an. Über den Marktplatz in Geldern geht es entlang von Mais- und Getreidefeldern über den Fahrradweg Richtung Nieukerk. Auf halber Strecke steht noch einmal eine Wasserpause an, danach geht es nahtlos weiter.  Wieder taucht die Pfarrkirche St. Dionysius von Nieukerk recht früh auf. Bis zum Tagesziel sind aber noch einige Kilometer zurückzulegen. Der allabendliche Abendsegen und die Begrüßung der Gastfamilien schließen den Tag ab.

 

Ist es nicht schön…

dass unterwegs alles sehr harmonisch und ruhig funktioniert. Über-all, wo helfende Hände benötigt werden, sind diese schon da. Hier alles vollständig aufzuzählen, wäre sicher nicht sinnvoll und würde bestimmt dazu führen, dass die ein oder andere helfende Hand vergessen wird. Aber von der Planung, über die Durchführung bis zur Nachbetrachtung der Bus- und der Fußwallfahrt bedarf es immer nur eines kleinen Hinweises und schon ist Hilfe da. Entweder ist es die tatkräftige Hilfe, die vorbereitende Maßnahme oder auch ein unterstützender Tipp oder Rat, der gern und helfend angeboten wird. Vielen Dank an alle, die sich für die Wallfahrt engagieren. Ohne diese Menschen würde es weder die Bus- noch die Fußwallfahrt geben. 

 

Pilgerbetrachtung

Wir sind auf dem Rückweg von Kevelaer nach Bonn. Einige Pilger haben uns verlassen, weil Sie keine Zeit hatten die gesamte Woche mitzulaufen, weil Füße oder Beine ein Weitergehen unmöglich gemacht haben, weil es nicht mehr Urlaub gab und andere Verpflichtungen rufen oder weil vier Tage pilgern einfach genug sind. Auch wenn diese Pilger nicht mehr körperlich dabei sind, sind sie in Gedanken bei uns. Gerade die Pilger, die ungeplant den Rückweg nicht mehr mit uns angehen können, verlassen uns mit sehr schwerem Herzen. Den Rückweg empfinden viele Pilger als intensiver. Die Pilgergruppe ist kleiner, der Weg ist bekannt und entscheidend ist, dass man in Kevelaer das ein oder andere Päckchen bei der Mutter Gottes abgegeben hat und der Weg dadurch einfacher und leichter erscheint. Dennoch ist dieser 5. Wallfahrtstag anders als die anderen Tage. Wir starten erst nach der Mittagszeit, wodurch der Tages-rhythmus durcheinandergebracht wurde. Zudem ist es meist durch das Wetter unangenehmer später, häufig in der Mittagssonne, zu starten. In den Gebetspausen zieht sich die Pilgergruppe sehr auseinander.


 

Pilgertag 6: Donnerstag 6. August 2020

Wenn wir laufen würden…Etappe 1 Nieukerk - Stenden

Grundsätzlich gehen wir von Bonn nach Kevelaer und zurück immer die gleichen Strecken und Wege. Die Ausnahme bildet die Etappe von Nieukerk nach Stenden. Nach einem ersten identischen Stück lassen wir Aldekerk links liegen und gehen über eine Landstraße nach Stenden. Felder, Pferde, Esel, Bauernhöfe und vereinzelte Wohnhäuser säumen den Weg. Manchmal müssen wir auch warten, bis der Bahnübergang wieder frei ist. In Stenden geht es wieder über die Dorfstraße bis wir zum „Haus Backes“ unserem Pausenquartier kommen. 

 

Der glorreiche Rosenkranz
1. Jesus, der von den Toten auferstanden ist.

2. Jesus, der in den Himmel aufgenommen wurde.

3. Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat.

4. Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.

5. Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.


Ist es nicht schön…

dass wir alle in Kevelaer oder wieder in Bonn ankommen ohne einen Gedanken an den eigentlichen Weg zu verschwenden. Wie viele Pilger würden nicht in Kevelaer ankommen oder auf anderen Wegen zurück nach Bonn laufen. Zum Glück gibt es bei der Prozession ein paar Leute, die den Weg gut kennen und prüfen, ob es unpassierbare Wegstrecken gibt. Für die Buspilger gibt es zum Glück Fahrer, die den Weg kennen. Wir vertrauen auf die Menschen, die uns als Fußpilger oder als Busfahrer die Strecke entlang lenken. Zum Glück gibt es diese Menschen für uns. 


Wenn wir laufen würden… Etappe 2 Stenden - Fischeln

Vom Haus Backes geht es wieder durch das - gefühlt - endlos lange Dorf Stenden. Hier ist es ruhig, so wie wir die gesamte Strecke bis St. Hubert erleben. Es kommen nur vereinzelte Autos. Insbesondere bei der Überführung über die Autobahn merken wir aber, dass wir nicht alleine sind. Fast störend wirkt sie mit den vielen Autos und LKW, die uns zuwinken und hupen. Umso schöner ist die beruhigende Stille, die uns auf den nächsten Metern durch Wald, durch Felder und Ortschaften begleitet. In St. Hubert besteigen wir wieder Busse, die uns sicher durch Krefeld bringen. 

Kurz vor dem Pausenquartier verlassen wir die Busse und durch die Straße schallt: Gelobt sei Jesus Christus.... Seite 158 - ein letztes Lied bis zur Mittagspause. 

 

Pilgerbetrachtung

Liebe Pilgerinnen und Pilger,
Koffer packen, Socken zählen, Schuhe ausprobieren, Fußcreme kaufen, Blasenpflaster bereit, was zieh ich an, was lass ich zu Hause? Und dann: Stille in uns! 
Anders als all die Jahre zuvor. Es wird ja keine Wallfahrt geben.  Jedenfalls nicht so, wie wir sie kennen, wie wir sie lieben. Gewohntes schafft Vertrauen, gibt Sicherheit. Wir freuen uns jedes Jahr aufs Neue Euch alle zu treffen. Gemeinsam zu IHR zu pilgern. Ein Erlebnis was nicht zu beschreiben ist, was man im wahrsten Sinne des Wortes erlebt haben muss. Und nun Stille, nichts ist wie sonst! 
Ein Wort wird zum Feind. Covid 19!! Übermächtig, unbegreiflich, nicht sichtbar, nicht fühlbar, so winzig klein. Was in weiter Ferne begann, hat die ganze Welt im Griff. Bringt Leid, Tod, Armut, Einsamkeit. Covid 19! Es wird noch lange ein unsichtbarer Begleiter sein. 
Das Motto der diesjährigen Wallfahrt lautet:

„Ich bin da, wo du jetzt bist!“

Maria, mehr denn je brauchen wir dich jetzt an unserer Seite. Auch du unsichtbar, unbegreifbar, aber machtvoller als alles andere. Unsere Freundin, Trösterin der Betrübten, Mittlerin, Fürsprecherin und für uns auch Kämpferin gegen das Andere. Maria ich weiß uns geborgen in deinen Händen, in deinem Herzen. „Ich bin da, wo du bist!“. Dieses Versprechen gilt in beide Richtungen. Welcher Trost. Du kommst zu uns, wenn wir nicht zu dir kommen können. Deine Hand, auf unseren Händen, dann sind auch wir da, wo du bist. Für dieses Geschenk danken wir dir. Amen

Covid 19 hat unser Leben verändert und wird es auch noch eine lange Zeit tun. Dankbar können wir sein, wenn es nur bei Kontaktsperre oder symptomlosen Verlauf bleibt. 

Maria, das Virus hat viel Leid gebracht. Viele verloren den Kampf und starben. Andere stehen vor den Scherben ihrer Existenz. Aber auch Krankheit unabhängig von Covid hat Leid und Trauer gebracht. „Ich bin da wo du jetzt bist!“ Maria wir bitten dich: Sei besonders allen Menschen nahe, die Schweres ertragen mussten. 

Segne du uns, segne unsere Gemeinschaft und führe uns, so es SEIN Wille ist, in 2021 wieder zusammen. 

Wie gerne hätten wir die Koffer gepackt und die Andacht vorbereitet.
Seid behütet, bleibt gesund. 
(Gertrud u. Renate)

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 3 Fischeln - Streithöfe

Die nächste Etappe ist anstrengend und lang. Kaum Bäume oder Gebäude, welche am frühen Nachmittag Schatten bieten. Aber so wie nach jeder Pause geht es mit einem Pfiff auf dem „Flöötchen“ weiter. Einen Moment dauert es noch, bis sich alle wieder sortiert haben und jeder seinen Platz eingenommen hat. Mittlerweile sind die Gebete und Gesänge vertraut und manch einer braucht das Gebet- und Gesangbuch nicht mehr. Es geht wiedermal über eine Auto-bahnbrücke, die wir schweigend passieren. Danach geht es von einer Landstraße zur nächsten Landstraße, quer durchs Feld bis zu den Streithöfen. Anders als auf dem Hinweg, ist diese Etappe durch eine zusätzliche Pause in den Streithöfen unterbrochen. Bei Kaffee und Kuchen erholen wir uns ein wenig, bevor wir zur letzten Etappe des Tages aufbrechen.

 

Fürbitten

Guter Gott, du hast uns Maria zur Seite gestellt, als Mittlerin, als Fürsprecherin. Im Vertrauen auf deine Güte und die Unterstützung der Gottesmutter bitten wir:

1.    Die Welt ist in diesem Jahr anders, neu und unwirklich. Covid 19 hat vielen Menschen den Tod gebracht. Viele Menschen haben schwere Krankheiten durchleben müssen. Andere kämpfen mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und viele leiden unter den Kontaktverboten und Einschränkungen. Hilf uns und allen Menschen, mit dieser Lebensphase zurecht zu kommen, die notwendige Verantwortung zu zeigen und die Hoffnung nicht zu verlieren. Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns.

2.    Die Verantwortlichen in Politik, Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft kämpfen in diesen Tagen mit immer neuen Herausforderungen und Gegebenheiten. Lass Sie stets die richtigen Entscheidungen treffen und im Sinne aller Menschen agieren. Hilf ihnen insbesondere die, die am Rande der Gesellschaft leben oder besonders getroffen sind, nicht zu vergessen. Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns. 

3.    Gib allen Menschen die Kraft, sich nicht nur mit der Pandemie zu beschäftigen, sondern auch die anderen drängenden Themen wie Kindesmissbrauch oder Klimawandel nicht zu vergessen und sich verantwortlich einzubringen. Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns. 

4.    Schenke allen kranken, einsamen oder sterbenden Menschen Trost, Zuwendung und unterstützende Begleiterinnen und Begleiter. Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns.

5.    Die Pilger kommen mit Dank und Bitten nach Kevelaer zur Trösterin der Betrübten. Schenke ihnen den Trost und die Gewissheit, dass Du den Dank und die Bitten anhörst und annimmst. Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns. 

6.    Hier ist Raum für Ihre/Eure persönlichen Bitten. Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns. 

7.    Wir bitten dich für die Kirche, die Pfarrgemeinden und die Gemeinschaften, auch unsere Bruderschaft. Gibt allen gute und kreative Ideen um gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen. Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns. 

Guter Gott, wir hoffen und vertrauen auf Dich und die Fürsprache der Mutter Gottes von Kevelaer. Sei und bleibe bei uns.

 

Ist es nicht schön…

dass wir in den Gotteshäusern, in denen wir um die Mittagszeit sind, auch Raum haben, zur Ruhe zu kommen. Mach einem fallen dabei die Augen zu und es kommt zu ein paar Minuten erholsamem „Kirchenschlaf“. In diese „Gunst“ kommt nicht jedermann, aber Pilgern ist halt auch anstrengend und dann ist man auch im Schlaf so nahe bei Gott gut aufgehoben. 

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 4 Streithöfe - Kaarst

Es geht weiter durch Gemüse und Kartoffelfelder. Die Strecke und der Zeitpunkt sind genau richtig um die Prozession etwas „pausieren“ zu lassen. Auf diesem Stück ist eine längere Gebetspause. Vielleicht wird auch mal ein Lied gesungen, welches in keinem Gebetbuch oder Wallfahrtsbuch zu finden ist. Erst in Sichtweite von Kaarst wird das Gebet mit dem Abendgebet wieder aufgenommen. Wie im Flug ist die Wallfahrt vergangen – es ist schon der Abend des sechsten Wallfahrtstages, Donnerstagabend.

Grußwort / Gebet 
Liebe Bonner Kevelaer-Pilger, 

die Corona-Krise verhindert für dieses Jahr Ihre Wallfahrt nach Kevelaer. Wir alle haben gelernt, in den unterschiedlichen Bereichen unseres Lebens nach Alternativen Ausschau zu halten. Auch das geistliche und liturgische Leben hat so manche Änderung oder Neuerung erfahren. Nicht jedes Online-Format kann zukünftig das, was vorher war, einfach ersetzen. Aber aus so manchem spirituellen Impuls, der z.B. als Video bei Facebook oder Youtube angeboten wird, ist mittlerweile ein zusätzliches Angebot geworden. 

Ihre Gedanken als Pilger gehen nun, sozusagen stellvertretend für Sie, auf den Weg. Ihre Gebete begleiten Ihre Gedanken. Wenn wir dieses Bild weiterführen, dann kommen Sie in Gedanken und betend auch bei uns in Kaarst vorbei. Vielleicht standen Sie schon telefonisch oder per Mail im Kontakt mit Menschen, denen Sie unterwegs und in den Orten begegnen.  

Auch wir vermissen Sie! Ihre Pilgerreise ist ja ein wenig auch unsere Reise, weil wir wissen, dass wir in Ihren Gedanken und Gebeten dabei sind. 

An dieser Stelle möchte ich das Bild der Brücke nutzen. Sicherlich haben Sie alle schon viel auf Ihren Wegen über die unterschiedlichsten Brücken nachgedacht. Sowohl über die, die Wasser, Straßen und Täler überbrücken, als auch über die bildlichen Brücken, die zu den Mitmenschen führen, die Familien und Freunde miteinander verbinden und über unsere Brücke zu Gott. Der Lebensweg, der Glaubensweg, der Pilgerweg, sie alle führen immer wieder über Brücken. 

In unseren Kaarster Kirchen wird gerne ein Lied gesungen, dass unser Kantor Dieter Böttcher komponiert und getextet hat. Auch wenn es zunächst als Lied für die Erstkommunion gedacht war, hat es sich zu einem neuen Lieblingslied der Gemeinden in Kaarst entwickelt. „Zu Jesus eine Brücke bauen“ lautet der Titel. Diesen Liedtext gebe ich Ihnen gerne als besonderen Gruß für Ihren gedanklichen spirituellen Pilgerweg nach Kevelaer in diesem Jahr mit auf den Weg. Die Melodie finden Sie hier.

Der Schluss des Liedes heißt „Menschen, die gern Brücken bauen sind Gott ganz nah!“ Jeder Pilgerweg ist wie eine Brücke, die mit jedem Schritt gebaut wird. Mit unserem Lied gesprochen: Sie sind Gott ganz nah! Nicht nur mit „echten“ Schritten, sondern auch mit dem Pilgern in Gedanken. 

Mit einem herzlichen Segensgruß aus Kaarst 

Ulrich Eßer, Pfarrer

 

Pilgerbetrachtung

Die Übernachtung in einem Privatquartier in Kaarst ist für uns wie nach Hause kommen. Es wäre dieses Jahr das 30. Mal, dass ich in Kaarst in ein und demselben Privatquartier geschlafen hätte.

Die Gast-Familie hat selber drei Kinder, die mittlerweile nicht mehr zu Hause wohnen und schon selbst Familien gegründet haben. Es ist immer wieder schön, wenn man abends in Kaarst ankommt, an der Kirche abgeholt und von der Familie herzlich begrüßt wird. Nach Möglichkeit versuchen die Kinder der Gastfamilie dann auch vorbeizukommen, so dass dann in großer Runde gegrillt und geredet wird. Die Anliegen der Gastfamilie beziehen wir immer in unsere Gebete mit ein.  

Über die Jahre hat sich eine sehr herzliche Freundschaft entwickelt, die auch über die Wallfahrtswoche hinaus reicht (man ruft sich an Geburtstage an und lädt sich zu runden Geburtstagen gegenseitig ein, man trifft sich im Mai zum gemeinsamen Spargelessen, man telefoniert einige Male im Jahr miteinander, beschenkt sich bei Geburten, Kommunionen etc.).

Es freut einen immer, wenn man abends zusammensitzt und erzählt und auch mal über Probleme reden kann. Morgens wird extra für uns der Wecker gestellt und ein tolles Frühstück hergerichtet und auch Brote für die nächste Pause sind stets eingeplant.

Egal wie viele Personen aus unserer Familie mitpilgern (wir waren schon zu fünft), ist es für unsere Gastfamilie selbstverständlich, dass wir alle bei ihnen übernachten dürfen, auch zu Zeiten, wo sie selber noch eine 5-köpfige Familie waren – und sie wohnen in einem Reihenhaus. Sie machen es jedes Jahr möglich, dass wir dort schlafen, duschen und essen können. Selbst wenn sie versehentlich selbst im Urlaub sind (eigentlich orientiert sich ihre Urlaubsplanung an unserer Pilgerwoche) - dann bekommt man halt den Schlüssel von den Nachbarn oder die Kinder springen ein und bewirten einen. Wir sind sehr froh, so eine gute Erfahrung gemacht zu haben und hoffen, dass es noch viele Jahre so weitergehen wird. (Jörg)

 

Pilgertag 7: Freitag 7. August 2020

Einstieg in den Tag

Wir starten wie an jedem Tag mit einem Gottesdienst. In der großen Hallenkirche St. Martinus in Kaarst sind nur die Fußpilger, ein paar Quartiergeber und wenige Gottesdienstbesucher zu finden. Dennoch ist das Gemeinschaftsgefühl spürbar. Die Pilger konnten sich über Nacht erholen und gehen gestärkt in den neuen Tag.


Wenn wir laufen würden…Etappe 1 Kaarst - Neuss

Von der Pfarrkirche St. Martinus geht es durch Kaarst zur „Langen Hecke“. An den Bushaltestellen stehen Menschen, die zur Arbeit fahren. Was mögen die denken? Wieder geht es unter einer Autobahn her, auf der schon wieder hektische Betriebsamkeit herrscht. Nach einem „Hu“ (die Fußpilger der letzten Jahre wissen Bescheid) geht es nach ein paar Metern in den Park „Jrone Meerke“. Nebelschwaden ziehen durch den Park und neben vereinzelten Joggern und Spaziergängern sind maximal noch ein paar Tiere unterwegs. Entlang des Nordkanals geht es dann Richtung Neuss zur ersten Pause. Aus dem Park sind es nur wenige Meter bis zum Kardinal Frings Haus in der Innenstadt oder bis zum Pfarrheim neben der Kirche Hl. Dreikönige. 

 

Wenn wir laufen würden…. Etappe 2 Neuss - Dormagen

Auch die Etappe nach der Frühstückspause ist landschaftlich sehr schön. Es geht ein Stück durch Neuss bis wir wieder in ein Waldstück kommen. Durch den Rheinpark geht es bis zum Hafen, wo wir erstmalig einen Blick auf den Rhein werfen können. Über die Erftmündung geht es weiter durch Grimlinghausen bis zur B9, wo wir in Busse steigen und bis Dormagen zu fahren. Ein kleines Stück in Dormagen, ein Lied und schon stehen wir vor der Pfarrkirche St. Michael. Es ist Mittagspause. 

 

Gedanken auf dem Rückweg in St. Michael, Dormagen
„Ich bin, wo Du bist!“ ein Wunsch fürs Leben, ein Wunsch für den Ehebund! In Dormagen stand manches Mal das Miteinander von Frau und Mann im Mittelpunkt der Überlegungen, der Ansprache.  Da Ja – Wort drückt aus, was im Buch Rut geschrieben steht: „Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich.“ Als Gruppe sind wir den Pilgerweg gegangen. Den Weg gehen wir sozusagen jeder für sich allein, soweit halt die Füße tragen, sagen wir. Dabei haben wir das Ziel vor Augen. „Du schaffst das“, wird dem Erschöpften zugesprochen! 

In Ehe und Partnerschaft hat man sich versprochen, den Weg gemeinsam zu gehen und sich dabei zu unterstützen. Man wünscht es sich auch von ganzem Herzen, das liegt in der Natur der Sache und des Sakramentes. Aber wer ist da heute schon sicher, wer kann einem eine Garantie dafür geben? 

Kevelaer ist darum auch ein Ort der Fürbitte. Männer und Frauen pilgern Jahr für Jahr zur Gottesmutter Maria, um ihr die eigenen Lieben vor dem kleinen Bildnis in der Gnadenkapelle anzuempfehlen. Neugeborene werden dort Gott ans Herz gelegt mit der Bitte, dass er sie im Leben begleiten und behüten möge. Ist es nicht ein wenig so, wie damals im Alten Testament, als Maria Jesus im Tempel darbrachte? Im vierten Gesätz des freudenreichen Rosenkranzes betrachten wir dieses Geheimnis: „Den du oh Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast“. 

Gott freut sich über unser Vertrauen, über unser Vertrauen, dass wir in ihn setzten. Jesus war in einer Familie Mensch geworden. So ist er aufgewachsen, so war es das Beste für ihn. Möge Gott auch unsere Ehen und Familien behüten und beschützen, auf dass es immer Orte seien, wo man einander achtet und ehrt. 

Corona hat uns gezeigt, wie wichtig der Zusammenhalt ist. Wie wichtig es ist, dass man sich füreinander einsetzt, das einer für den anderen da ist. Es tat weh, einander nicht besuchen zu können. Kranke mussten allein gelassen werden in den Spitälern. Man konnte sie nicht besuchen gehen, konnte sie nicht in die Arme nehmen, konnte ihnen nicht die Hand halten. Der Lockdown hat leider auch da nicht Halt vor gemacht. Verzicht auf Nähe bedeutete in dieser Zeit Nächstenliebe, man wollte ja den Virus nicht zu denen tragen, die am meisten gefährdet waren. Trennung schmerzt. Vielleicht verstehen wir so besser, was es für Gott heißt, dass Menschen sich von ihm abwenden, ihm die kalte Schulter zeigen, nichts von ihm wissen wollen.

Gott segne Sie und Euch – Ihr/Euer Pastor Thomas Kuhl

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 3 Dormagen - Fühlingen

Es folgt wieder so eine Wegstrecke, die sich manch einer sparen möchte. Es geht immer entlang der B9. Im Regelfall ist es sehr warm und die Sonne scheint. Leider gibt es auf der Strecke nur wenig Schatten. Zunächst geht es in Dormagen vorbei an den Bayer Werken, dann durch Worringen, wo es sehr eng ist und es viele Stolperfallen gibt. Dann geht es wieder auf einem Fahrradweg entlang der B9 bis nach Fühlingen. 


Der trostreiche Rosenkranz
1. Jesus, der als König herrscht.

2. Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt.

3. Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit.

4. Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten.

5. Jesus, der alles vollenden wird. 

 

Ist es nicht schön…

dass es auch immer wieder Kinder und Jugendliche gibt, die sich mit uns auf den Weg nach Kevelaer wagen. Wirklich kindgerecht oder spannend für junge Leute ist die Wallfahrt möglicherweise nicht.

Und morgens früh im Gottesdienst, wenn man sowieso noch etwas schläfrig ist, auch noch einen warmen Talar anzuziehen und die Messe zu dienen, ist sicher auch nicht immer angenehm. Und trotzdem scheinen auch diese Kinder und Jugendlichen irgendetwas zu spüren, was sie antreibt, auch ein zweites oder weiteres Mal nach Kevelaer zu pilgern.

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 4 Fühlingen - Köln Weidenpesch

Das letzte Stück des Tages geht immer geradeaus, einmal nach rechts, zweimal nach links und schon stehen wir in Köln – Weidenpesch vor der Pfarrkirche Hl. Kreuz. Was sich hier in einem Satz beschreiben lässt, dauert zu Fuß etwas 1,5 Stunden und kostet nach dem bislang schon anstrengenden Tag, viel Kraft. Zum Glück gibt es auf dieser Strecke viele Bäume, die Schatten spenden und den Weg erträglich machen. Und zum Glück, lässt der geringe Feierabendverkehr uns in Ruhe auf unser sehnlich erwartetes Etappenziel zusteuern. 

 

Pilgerbetrachtung

Der letzte Abend der Wallfahrt steht an. Sehr freundlich ist es, dass wir an diesem Abend von der Pfarrei Hl. Kreuz auf ein Würstchen und ein Bier eingeladen werden. Nicht nur das alles bereitgestellt ist, nein, nette Menschen aus der Pfarrei kümmern sich auch noch um uns bis wir den ersten Hunger und Durst gestillt haben. In gemütlicher Runde sitzen wir dann noch vor dem Pfarrheim und lassen jetzt schon einmal die Wallfahrt Revue passieren. Häufig kommen jetzt auch wieder Pilger dazu, die schon auf dem Hinweg dabei waren und den letzten Tag der Wallfahrt mitgehen/genießen möchten. Auch das gehört zur Wallfahrt dazu. 

 

Pilgertag 8: Samstag 8. August 2020

Einstieg

Wieder geht es früh los, um 6.00 Uhr ist bereits das Morgenlob in der Pfarrkirche Hl. Kreuz. Bis dahin müssen alle Pilger aus den Hotels geholt worden sein, das Pfarrheim geräumt und aufgeräumt sein, die Koffer und Luftmatratzen verladen sein und natürlich jeder sich selbst auf den Tag vorbereitet haben. Und einige Pilger haben die Nach auch schon zu Hause verbracht und müssen jetzt wieder in Weidenpesch sein. Auch wenn die Abläufe bekannt sind, sorgt dieser letzte Morgen immer für etwas Hektik. Wie beim Einzug in Kevelaer sind das Kreuz, die Fahnen und die Brudermeisterstäbe sehr schön von fleißigen Helferinnen mit Blumen geschmückt worden. 

 

Wenn wir laufen würden…Etappe 1 Köln-Weidenpesch - Köln St. Kunibert

Direkt nach dem Morgenlob geht es los. Wir laufen an der Hauptfeuerwehrwache in Köln vorbei und kommen zur Galopprennbahn, wo ein Flohmarkt vorbereitet wird. Das Leben erwacht rechts und links unseres Weges. Wir säumen das Betriebsgelände der Kölner Verkehrsbetriebe, den Großmarkt, die Mühlheimer Brücke, die Jugendherberge. Hier erwachen viele Touristen gerade in ihren Wohnmobilen und wundern sich über die große Menschengruppe, die schon so früh unterwegs ist. Dann kommen wir ans Rheinufer. Manchem Pilger wird dabei ein Lied von Willi Ostermann einfallen:

„Wenn ich su an ming Heimat denke, 
un sin d’r Dom so vör mir stonn…“.

Man könnte meinen, Willi Ostermann hätte das gleiche Bild vor Augen gehabt, welches wir in diesen Augenblicken sehen. Der Kölner Dom taucht vor uns auf und vermittelt uns ein wohliges Heimatgefühl. Rechts vom Dom taucht die Basilika St. Kunibert auf, die heute unser erstes Etappenziel ist. Die Heimatkirche der Kölner Kevelaer Bruderschaft ist seit vielen Jahren an diesem frühen Morgen für unseren Gottesdienst hergerichtet. Wir werden dort von Mitgliedern der Kölner Kevelaer Bruderschaft sehr herzlich begrüßt, die genau eine Woche vor uns unterwegs nach Kevelaer waren. In den letzten Jahren hat sich hier eine enge Verbundenheit entwickelt, die nicht nur daraus fruchtet, dass wir nach dem Gottesdienst mit Getränken und süßen Leckereien verwöhnt werden. 

 

Ist es nicht schön…

... wie spürbar es ist, von der Gemeinschaft der Fußpilger getragen zu werden. Die Gemeinschaft trägt uns nach Kevelaer und auch wieder zurück nach Bonn. Wer sich auf die Gemeinschaft einlässt, wird bei Problemen aller Art, Sorgen oder Beschwerden spüren, wie man aufgefangen und getragen wird.

 

Zu Gast in St. Kunibert, Köln

Wir nähern uns der Heimat. Wir besuchen die Pfarrkirche der Kevelaer-Bruderschaft Köln und feiern hier die Heilige Messe. Das schmucke, altehrwürdige Kirchenschiff strahlt etwas Besonderes aus und hinzu kommt die Nähe zum Rhein, das ist einmalig. Hier fahren die Schiffe, rheinauf, rheinab. Wir fühlen uns jetzt erst einmal wohl in diesem Kirchenschiff.  

Die Wallfahrt geht dem Ende zu! Was wird uns zu Hause erwarten? Was nehmen wir mit? Halten sich die guten Vorsätze? Bleiben wir dem intensiven Gebet treu? Bleiben wir Gott im Alltag treu? Bleibe ich mir selbst treu? Bei all diesen Überlegungen kommt uns das Wallfahrtsthema gerade recht: „Ich bin, wo Du bist!“ so haben wir gehört und vielleicht auch verstanden.

Es lohnt sich, diesen Gedanken immer und immer wieder ins Gedächtnis rufen. Ähnlich wie das sogenannte Herzensgebet könnten wir es im Herzen betend erwägen und wiederholen: „Ich bin, wo Du bist!“. Selbst mit dem Vaterunser können wir es betrachten, indem wir es diesem voranstellen: „Ich bin, wo Du bist!“. Ich glaube, dass Du, mein Vater wirklich und wahrhaftig zugegen bist: Vater unser im Himmel. Auch im Sinne der Nächstenliebe könnten wir es umsetzen, indem wir selbst andere besuchen und ihnen damit eine Freude bereiten: „Ich bin, wo Du bist!“

So wird diese Aussage zur Weisung, zur Sendung!

„Ich bin, wo Du bist!“ – bedeutet somit auch Comunio, Gemeinschaft. Als Christen dürfen wir diese Gemeinschaft leben und vertiefen. Wir dürfen sie als etwas sehr Wertvolles, als ein Geschenk, als ein friedenstiftendes Element entdecken und weiterschenken. Seien wir Sauerteig für die Welt!
Kevelaer geht weiter. So wie der Teig nach dem Knetvorgang für eine Zeit ruhen muss, um der Hefe Zeit für ihre Arbeit zu geben, so dürfen auch wir die verschiedenen Beiträge in diesem Wallfahrtsheft nun wirken lassen. Schenken wir dem Geist der Wallfahrt Raum und freuen wir uns auf das nächste Jahr, wo dann hoffentlich alles wieder beim Alten ist und wir uns vor allen Dingen gesund wiedersehen.

Ihr und Eurer geistlicher Leiter
Pastor Thomas Kuhl

 

Grußwort 

Kardinal Kurt Koch, der Hauptverantwortliche für Ökumene im Vatikan, hat Ende Mai einen bemerkenswerten Zwischenruf getan. Er diagnostizierte selbst in den Kirchen „eine gewisse Sprachlosigkeit im Blick auf Fragen des Glaubens“ angesichts der Pandemie. Er kritisierte, dass etliche Theologen und Kirchenvertreter sich weigerten, „Gott mit Corona in Beziehung zu bringen und eine religiöse Deutung der Krise zu wagen“. Ihn beschäftige vor allem die Frage, wie ein liebender Gott eine Geißel wie Corona zulassen könne und damit das Leid gerade armer, alter und kranker Menschen, von denen besonders viele an Covid19 sterben. Andere fragen sich: Ist Corana eine Strafe Gottes? Schickt uns Gott dieses Virus als Vergeltung für all unsere schlechten Taten? Rechnet Gott ab mit seiner Welt? Erleben wir gerade so etwas wie die ägyptischen Plagen, von denen die Bibel berichtet? Ein Strafgericht Gottes? Ich denke, wir sollten es zuerst mit einem nüchternen Blick versuchen: Seuchen hat es immer gegeben, sie gehören zur Natur. Und sie können dank medizinischer Forschung und Entwicklung heute besiegt werden. Wir alle hoffen, dass das auch mit Corona gelingen wird. Gott hat uns Verstand und Kreativität gegeben, damit wir mit den Herausforderungen der Natur gut umgehen. Ich frage mich eher: Was will Gott uns durch Corona sagen? Ich glaube nicht, dass Corona eine Strafe Gottes ist. Ich kann mir Gott so nicht vorstellen. Ich bin aber fest überzeugt, dass Gott durch Krisen bei uns anklopft und uns zum Nachdenken einlädt. So habe ich selber meinen großen operativen Eingriff am Herzen vor drei Jahren erlebt. Ich glaube fest an ein Wort der Bibel, dass Gott ein „Freund des Lebens“ (Weish 11,26) ist. Ich vertraue ihm und darauf, dass er alles gut machen wird! Auch wenn Ihre Wallfahrt dieses Jahr wegen Corona und den entsprechenden Beschränkungen ausfallen muss, wünsche ich Ihnen und uns, dass wir uns im nächsten Jahr wieder auf den Weg zur Trösterin der Betrübten aufmachen können. Ihr Pilgerbuch ist ein guter und origineller Beitrag, dass Sie dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Im Namen der Kölner Kevelaer-Bruderschaft grüße ich Sie recht herzlich und wünsche Ihnen allen alles Gute und Gottes Segen.
Dr. Peter Seul (Präses der Kevelaer Bruderschaft Köln)          

           

Ein paar abschließende Worte des Orgateams

Zum Abschluss der Wallfahrt ist es ein guter Brauch einen kleinen Rückblick zu halten und sich bei allen, die zum Gelingen der Wallfahrt beigetragen haben, zu bedanken. Dieses Jahr ist es etwas anders. Natürlich bedanken wir uns auch in diesem Jahr bei allen, die in irgendeiner Art und Weise an diesen Zeilen mitgearbeitet haben und dieses Tagebuch dadurch erst möglich gemacht haben. Wir hoffen, es hilft Ihnen/Euch, oder hat Ihnen/Euch geholfen, gut durch die Wallfahrtsoktav zu kommen und sich gedanklich auf den Weg nach Kevelaer zur Trösterin der Betrübten zu machen. Wir hoffen auch, dass dieses Heftchen für Sie/Euch auch eine Art Wallfahrt war, Sie/Ihr von den Gebeten, Texten und Meditationen angeregt worden sind/seid, Ihre/Eure Anliegen, Sorgen und Nöte, aber auch Ihren/Euren Dank vor die Gottesmutter zu bringen. An dieser Stelle wünschen wir Ihnen/Euch, dass Sie/Ihr gesund bleiben und sich mit den Regelungen in dieser Zeit zurechtfinden. Wir hoffen, Sie/Euch alle am 7. August 2021 um 7.15 Uhr zum Eröffnungsgottesdienst und zur nächsten Wallfahrt nach Kevelaer in St. Remigius wiedersehen oder dass Sie mit dem Bus am 10. August 2021 nach Kevelaer kommen. Bis dahin bleiben Sie/bleibt gesund und vertrauen Sie/vertraut auf die Gottesmutter von Kevelaer.

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 2 Köln St. Kunibert - Wesseling

Nun das mit dem „Laufen“ stimmt auf diesem Teilstück nur sehr bedingt. Von St. Kunibert zu den am Rheinufer wartenden Bussen und in Wesseling bis in den Pfarrgarten – nur wenige Meter werden zu Fuß zurückgelegt. Nach dem Gebet und dem „Ave Glöcklein“ im Garten des Pfarrhauses an der Lourdesgrotte, geht es noch einmal zur Pause ins angrenzende Pfarrheim. 

 

Wenn wir laufen würden… Etappe 3 Wesseling - Hersel

Wieder geht es durch den Rheinpark an den Rhein. Der Weg entlang des Rheines ist ruhig. Ein paar Radler und Spaziergänger begegnen uns. Am Schiffsanleger in Urfeld werden wir traditionell von sehr netten Menschen erwartet, die uns jetzt schon über Jahrzehnte mit Wasser versorgen. Über ein paar Seitenstraßen geht es nach Widdig und dann wieder am Rhein entlang nach Hersel, wo die letzte Pause vor dem Ende der Wallfahrt stattfindet. 

 

Grußwort/Gebet
Liebe Pilger/Innen, in diesem Jahr ist der schon alljährlich gewohnte Weg nach und von Kevelaer zurück ein anderer: Alle Pilger werden zum Schutz vor der Ansteckung von Corona-Viren aktiv diesen nicht gehen. Im Geiste aber, sind Sie, liebe Pilger/Innen, auf dem Weg zu Gott verbunden durch den festen Glauben an Jesus und die Gottes-mutter Maria. Zum gemeinschaftlichen oder persönlichen Gebet möchte ich Ihnen aus Ihrem Aufenthaltsort St. Aegidius in Hersel folgende Anrufungen dazu mitgeben, gerade in der nun aktuellen Zeit der Nöte und Sorgen um Gesundheit, Arbeit und Frieden. 

Herr, wir beten dich an. Herr, wir glauben an dich. Herr, wir hoffen auf dich. Herr, wir lieben dich. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Du bist mein Herr und mein Gott. Jesus, ich glaube, dass du wirklich und wesentlich gegenwärtig bist im heiligsten Altarsakrament! Herr, wir glauben, aber vermehre unseren Glauben. Du bist die Auferstehung und das Leben. Rette uns, Herr, wenn wir drohen, zugrunde zu gehen. Herr, wenn du willst, kannst du mich heilen. Herr, sprich nur ein Wort, und ich bin gesund. Herr, Dein Wille geschehe. Herr, Jesus ich vertraue auf dich. Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Mutter Maria, bitte für uns! Heil der Kranken, bitte für uns. Trösterin der Betrübten, bitte für uns. Gebenedeit sei die Frucht deines Leibes. O Maria, zeige dich als Mutter. Hilfe der Kranken, bitte für uns. Königin der Engel, bitte für uns. Königin des Friedens, bitte für uns. Ohne Sünde empfangen, bitte für uns. Du unsre Zuflucht, bitte für uns. Heilige Maria, beschütze uns durch alle Zeit. 

Herzliche Grüße
Gemeindereferentin Elisabeth John – Krupp, Bornheim

 

Pilgerbetrachtung

Der letzte Tag, die letzten Meter bis Bonn. Etwas Besonderes an diesem Tag ist sicher der Besuch der Basilika St. Kunibert, in der die Kölner Kevelaer Bruderschaft zu Hause ist. Auch wenn es von dort aus noch einige Meter sind, ist es doch bald ein Gefühl wie zu Hause zu sein. Die Herzlichkeit mit der wir dort von den Kölner Kevelaer Pilgern empfangen werden, ist schon sehr beeindruckend, so dass wir sehr gerne dort unseren Gottesdienst feiern. Danach geht es weiter nach Wesseling und dort sind wir fast schon wieder in der Heimat. Die ersten Pilger können ihre Koffer in den Pausen nach Hause bringen. Traditionell besuchen wir im Pfarrgarten die Lourdes-Grotte und singen das „Ave“, was unter dem mächtigen Geläut von St. Gemanus fast untergeht. Noch heimatlicher wird es bei der Wasserpause in Urfeld, in Widdig oder Hersel. Hier stehen Pilger am Wegesrand, die noch vor ein paar Tagen mit uns gezogen sind und begrüßen uns sehr herzlich. Und dann die letzte Etappe nach Bonn. Spürbar ist, dass die Woche nicht ganz an dem ein oder anderen Pilger vorbei gegangen ist. Die Müdigkeit, aber auch die Erleichterung durch das nahe Ziel sind gut erkennbar. Die Erlebnisse der Woche wollen jetzt erst einmal verarbeitet werden und nach einer Woche Pilgerleben aus dem Koffer, in fremden Betten oder auf der Luftmatratze ruft das Zuhause und das eigene Bett. Auch wenn es für dieses Jahr erst einmal genug ist, freuen sich die meisten Pilger aber schon auf das nächste Jahr. Pilgern tut scheinbar gut.

 

Der lichtreiche Rosenkranz
1. Jesus, der von Johannes getauft worden ist.

2. Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kann offenbart hat.

3. Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat.

4. Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.

5. Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.

Wenn wir laufen würden... Etappe 4 Hersel - Bonn

Noch einmal macht sich die Prozession auf, die letzte Etappe der diesjährigen Fußwallfahrt steht an. Wir werden herzlich von unseren Gastgebern verabschiedet und unter Glockengeläut geht es durch Hersel. Es geht noch einmal an den Rhein und die letzten Gebete und Lieder werden angestimmt. Der Blick über den Rhein, für viele ein Blick in die Heimat. Am Fähranleger in Schwarz Rheindorf ist viel Betrieb, es ist früher Nachmittag. Die Menschen schauen auch hier verwundert auf die Gruppe, die hinter dem Kreuz herzieht. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich: von Kopf schütteln über Erstaunen bis Anerkennung ist alles dabei. Jetzt sind es nur noch ein paar Meter bis nach Bonn.

In Schwarz Rheindorf werden wir noch einmal von sehr netten Menschen mit Getränken versorgt. Die letzten Schritte bis zum Römerbad, dann geht es noch einmal schweigend bis zum „Schänzchen“ an der Beethovenhalle. Dort treffen wir auf unseren Präses, der uns erwartet. Von dort aus geht es, etwas langsamer als auf den anderen Teilstücken, zu unserer Bruderschaftskirche St. Remigius in der Brüdergasse. Die ersten Verwandten, Bekannten, Freunde und ehemalige Pilger stehen am Wegesrand und heißen die Pilger willkommen. Die letzten Lieder, Glockengeläut, wir ziehen zur Abschlussandacht in die Kirche ein. Die Anspannung löst sich:


Wir sind wieder zu Hause angekommen.

 

Grußwort zum Abschluss der Wallfahrt: Ich bin da wo Du bist!
Das diesjährige Leitwort der Wallfahrt ist entnommen aus Ex 3,14 – der Selbstoffenbarung Gottes an Moses. Ein ermutigendes Wort und ein tröstender Zuspruch für uns alle in diesen doch so unsicheren Zeiten. Auch wenn die Fuß- und Buswallfahrt von Bonn nach Kevelaer in diesem Jahr ausfallen muss, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott immer bei uns ist und die Gottesmutter über uns wacht. Der bekannte Liederautor Dietmar Fischenich hat ein einprägsames Lied geschrieben, dass die Zusage Gottes in unserem Leben schön verdeutlicht.

Ihnen allen, denen die Wallfahrt am Herzen liegt, wünsche ich vor allen Dingen Gesundheit und das Vertrauen in die Nähe Gottes.
Ihr Dr. Wolfgang Picken

Stadtdechant und Münsterpfarrer

 

Ist es nicht schön…

jetzt auch wieder nach Hause zu kommen und Familie und Freunde in den Arm zu nehmen, wieder im eigenen Bett zu schlafen, sich aber möglicherweise (oder auch bestimmt) schon wieder auf die Wallfahrt im nächsten Jahr zu freuen.

 

 

Ausblick

Die Wallfahrtswoche 2020 ist vorbei. Wir hoffen, wir konnten mit unseren Texten etwas über unsere Wallfahrt erzählen, Sie interessieren, Sie vielleicht etwas neugierig gemacht und Sie ein wenig auf unserem Pilgerweg mitnehmen.

Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben und Sie etwas neugierig sein, begleiten Sie uns doch gerne im kommenden Jahr bei unserer Fuß- oder Busfahrt, ggf. auch nur eine Etappe. Informationen finden Sie hier rechtzeitig. Hier schon einmal der Wallfahrtstermin 2021: 7. bis 14. August