Glockenguss auf dem Münsterplatz

Glockenguss ist Handarbeit. Seit dem 12. Jahrhundert werden die meisten Glocken aus Glockenbronze (oder „Glockenspeise“, wie es in Schillers Lied von der Glocke heißt) gegossen. Glockenbronze ist ein Gemisch aus  Zinn und überwiegend Kupfer. Die Münsterglocken wurden auf dem Münsterplatz gefertigt. Beim Bau der Münsterplatzgarage hat man Teile dieser Glockengießerei gefunden.

 

Dazu mussten die Glockenformen in Handarbeit hergestellt werden: Als erstes der Ziegelkern, der als Stütze für die weitere Konstruktion dient. Darüber wird mit immer feineren Lehmschichten die Innenform der Glocke aufgebaut. Auf diese Innenform wird die sog. Falsche Glocke aufgebracht, die ein Gegenstück der späteren Glocke ist. Schließlich darüber: Der sogenannte Mantel.

 

Jetzt wird die Form ausgebrannt. Ungefahr 8 Stunden lang herrscht in der Form eine Temperatur zwischen 600 und 800 Grad Celsius. Wenn die Form erkaltet ist, wird der Glockenmantel von der Form abgehoben. Die falsche Glocke wird zerschlagen und der Mantel anschließend wieder aufgesetzt.

 

Zwischen dem Kern und dem Mantel ist jetzt die Hohlform entstanden, die beim Guss ausgefüllt wird. Mit 1.100 °C fließt die Glockenspeise in die Hohlform. Nach ca. vier Wochen Abkühlzeit kann man Glockenform ausgraben. Der Mantel wird abgeschlagen, die Bronzeglocke vom Kern gehoben. Jetzt stellt sich heraus, ob die Glocke gelungen ist und tatsächlich den gewünschten Ton anschlägt.

 

Bis zu 14 Obertöne müssen bei einem Glockenschlag miteinander harmonieren. Schon vor dem Guss zu wissen, wie er klingen wird, darin besteht die Kunst des Glockengießens, die Martin Legros meisterhaft beherrschte. (ws)