Die acht Münster-Glocken

Glocke 1 - Maria & Clemens

Die erste und damit größte Glocke nennt in der lateinischen Inschrift der Schauseite den Kurfürst-Erzbischof Clemens August mit seinen Titeln, bezeichnet ihn als den durch Glanz, Freigebigkeit, Güte, Tugendruhm erhabensten Fürsten seiner Zeit, zugleich Zierde und Heil der Kirche und der Stadt „...wurde ich zum ewigen Lobe der Gottheit, der jungfräulichen Gottesgebärerin und des Heiligen Clemens gegossen 1756.“ Die Rückseite zeigt das große Wappen des Clemens August, geschmückt mit dem Kreuz des Hochmeisters des Deutschen Ritterordens, seiner vermeintlich höchsten Würde. Darunter hat sich, wie bei allen unseren Glocken der Meister mit seinem Namen verewigt: LEGROS CUM DEO FECIT (= Legros hat mich mit Gott gefertigt). Die Glockenschulter dieser größten Glocke ziert ein ungewöhnlich kunstvoll gestalteter Rokokofries, wie er erstmals und nur allein auf dieser „kurfürstlichen“ Glocke zu finden ist. Zusammen mit dem prächtigen, ebenso exzellent modellierten Wappen trägt er deutlich die Handschrift italienischer Stukkateure, wie Castelli und Morsegno, die im Dienste des Kurfürsten Clemens August standen.

 

  • Inschrift: Auf Veranlassung von Clemens August, dem Herzog von Bayern, Erzbischof von Köln, Kurfürst des heiligen Römischen Reiches, berühmter Meister des deutschen Ordens, Bischof von Paderborn, Hildesheim, Münster und Osnabrück ist, ausgezeichnet zu seiner Zeit durch fürstliche Freigebigkeit und Ehre seiner Tugend. Der Kirche und Stadt zur Zierde und zum Wohle. In Ewigkeit göttlichen Willens der Jungfrau und Gottesmutter und dem heiligen Klemens das Lob. Ich wurde 1756 gegossen.

 

Glocke 2 - Stadtpatrone

Die zweitgrößte Glocke widmet das Stiftskapitel, laut Inschrift, dem Stiftsherrn der Domkirche zu Köln, der Archidiakonal-Kirche der hll. Cassius und Florentius in Bonn, von St. Andreas in Köln und vom adeligen Stift in Schwarz-Rheindorf, Johann Arnold Joseph von Achatius und seiner ausgezeichneten (lectissima) Schwester Maria Franziska Theresia, die sich beide um das Münster hochverdient gemacht haben. Die Rückseite nennt wieder den Gießer, diesesmal mit der Herkunftsbezeichnung: Martin Legros aus Malmedy hat mich gemacht zur Ehre der Heiligen Cassius, Florentius, Mallusius, der Patrone dieser Kirche und des hl. Achatius.“

 

  • Inschrift: Dem hochwürdigsten und erlauchten Manne Johann Arnold Joseph von Achatius, Stiftsherr der Kölner Domkirche, von St. Cassius und Florentius zu Bonn, von Sankt Andreas in Köln und des adligen Klosters Schwarz-Rheindorf, sowie seiner vortrefflichen und tugendhaften Schwester und Klosterfrau Franziska Theresia von Achatius, die sich beide um die Münsterkirche sehr verdient gemacht, widmet das Bonner Capitel durch diese Glocke ein immer dauerndes Denkmal im Jahr 1756. Martinus Legros aus Malmedy hat mich zu Ehren der heiligen Cassius, Florentius, Malusius, der Schutzpatrone dieser Kirche sowie zur Ehre des heiligen Achatius gegossen.

Glocke 3 - Helena

Mit der drittgrößten Glocke setzten die Prälaten und Kanoniker der Heiligen Helena, der Gründerin der Bonner Kirche, ein ehernes Monument.

 

  • Inschrift: Der heiligen Helena Augusta, der Gründerin der Bonner Kirche, der hehren Mutter, haben dies eherne Denkmal aus Frömmigkeit und Dankbarkeit gewidmet die Prälaten und Stiftsherren 1756. Legros goss mich.

 

Glocke 4 - Donatus & Agatha

Die vierte Glocke ist dem hl. Donatus, Bischof und Märtyrer, sowie der hl. Jungfrau und Märtyrerin Agatha, den Patronen gegen Blitz und Feuer geweiht – sie sollten das Münster vor einem ähnlichen Unheil wie das des Jahres 1590 bewahren.

 

  • Inschrift: Dem heiligen Bischof und Märtyrer, dem heiligen Donatus und der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Agatha, den Schutzpatronen gegen Blitze und Feuer gewidmet 1756. Martinus Legros goss mich.

 

Neben diesem großen Geläute verfügt das Bonner Münster derzeit noch über vier weitere, erheblich kleinere Läuteglocken, von denen zwei zwar musikalisch auf die großen Glocken bezogen sind, jedoch aufgrund des zu großen Tonabstandes keinen Anschluss an das Hauptgeläute finden:

 

Glocke 5 - Joseph & Glocke 6 - Johannes Nepomuk

Die JOSEPHS-GLOCKE, dem hl. Joseph und der Gottesmutter geweiht, gestiftet von der Bruderschaft B(eatae) M(ariae) V(irginis), und die JOHANNES-GLOCKE, die eine ganz kurze Widmungsinschrift an den Märtyrer Johannes Nepomuk trägt. Beide Glocken sind, wie das Hauptgeläute, von Martin Legros im Jahre 1756 gegossen, gelangten jedoch offenbar erst rund fünfzig Jahre später aus einer anderen Bonner Kirche in das Münster. Beide Glocken hatten dann ihren Platz als Chorgeläute im südlichen Flankierungsturm des Chores. An ihrem derzeitigen Ort im Vierungsturm können sie ihren Klang nicht recht entfalten.

 

  • Inschrift (5): Dem göttlichen Joseph, der allerheiligsten Gottesgebärerin versprochen, 1756. Auf Kosten der Erzbruderschaft der seligen Jungfrau Maria zur Fürsprache der Verstorbenen. Legros goss mich.
  • Inschrift (6): Dem heiligen Märtyrer Johannes von Nepomuk, 1756. Legros goss mich.

 

Glocke 7 - Dreifaltigkeit & Glocke 8 - Jesus, Maria, Joseph

Die beiden kleinsten Glocken, die TRINITATIS-GLOCKE und die JESUS-MARIA-JOSEPH-GLOCKE haben keinen musikalischen Bezug zu den bisher genannten Glocken und können dem Münstergeläute nicht zugerechnet werden. Zwar ist die Trinitatis-Glocke ebenfalls von Martin Legros gegossen, aber, wie auf der Glocke angegeben, erst 1757. Es handelt sich um die, laut Stiftsprotokoll vom 5. Mai 1757, bei Legros eigens in Auftrag gegebene Uhrenglocke. Sie war lange Zeit an der Außenseite des Turms sichtbar aufgehängt. Die kleinste Glocke ist ein Werk des Jülicher Glockengießers Johannes Bourlet und stammt aus dem Jahre 1687. Sie dürfte wie das Chorgeläute erst nach 1800 an das Münster gelangt sein und war zusammen mit der vorgenannten Glocke für den Uhrenschlag in Gebrauch.

 

  • Inschrift (7): Zu Ehren der Dreifaltigkeit, 1757. Legros goss mich.
  • Inschrift (8): JESUS, MARIA, JOSEPH / JOH. BOURLET VON GIRLICH GOSS MICH / 1687