Citypastoral - Öffentlichkeitsarbeit

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Kein Passionspiel

Prozessionen, Passionsberichte, Osterfeuer, Kreuzwege... alles nur frommes Theater? Nein, es geht um viel mehr, wenn wir uns zu den Kar- und Ostertagen an Leben, Leiden, Tod und Auferstehung Jesu erinnern, meint Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher

Jedes Jahr an Weihnachten erleben wir das Gleiche: im Fernsehen laufen alle Folgen von Sissy und auch „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ erfreut sich großer Beliebtheit. Manch einer kennt alle Szenen und Dialoge im Voraus. Mit den Geschehnissen der kommenden Woche ist es wohl ähnlich: Wie bei einem Theaterstück, das wir schon oft gesehen haben, wissen wir was passiert, wir kennen die Geschehnisse und die Protagonisten bereits seit langer Zeit. Das Ganze wird zum einem Passionsspiel, wie es etwa in Oberammergau alle zehn Jahre aufgeführt wird und das man vom Zuschauersessel aus verfolgen kann. Aber ist es das wirklich?

 

Sind wir nur unbeteiligte Zuschauer oder wird da nicht auch unsere Geschichte erzählt? Wie viele unter uns erleben wie aus dem Hosianna ein „Kreuzige ihn“ wird, Mobbing sagt man in vielen Fällen dazu. Viele von uns kommen in ihrem Leben in Situationen, in denen ihnen die Solidarität mit dem Gekreuzigten in ihrem Leid Trost ist und Halt gibt. Andere kennen den Schrei „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ aus ihrer eigenen Biografie. Auch die Hoffnung des Ostermorgens, das Licht, das die scheinbar aussichtlose Dunkelheit durchdringt, haben wir schon erlebt.

 

Es ist also kein Passionsspiel, das uns in den nächsten Tagen erwartet, sondern unser eigenes Leben, das sich mit seinen unterschiedlichen Erfahrungen in den Kar- und Ostertagen widerspiegelt.

 

Ich wünsche uns allen gesegnete Tage.

 

Msgr. Wilfried Schumacher
Münsterpfarrer

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