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Die Hoffnung stirbt nie

Msgr. Wolfgang Bretschneider fasst im Blog ein denkwürdiges Gespräch zwischen Missbrauchsopfer Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn zusammen, die vier Stunden miteinander sprachen.

Auch in diesen für die Kirche bedrängenden Zeiten gibt es noch Zeichen der Ermutigung.


Anfang Februar kam es zu einem denkwürdigen Gespräch zwischen einem Missbrauchsopfer und einem Kardinal, Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien. Die 35Jährige, sie studierte Philosophie und Theologie, war durch ihr Buch bekannt geworden, in dem sie von psychischen und sexuellen Missbräuchen berichtete.

Mit 19 Jahren war sie in die katholische Ordensgemeinschaft „Das Werk“ eingetreten. Acht Jahre war sie in der römischen Zentrale tätig. Dann trat sie aus, weil sie mehrfach sexuell und spirituell missbraucht worden war. Kardinal Schönborn hatte ihr Buch gelesen und war erschüttert. Er konnte nicht zur Tagesordnung übergehen. Er rief Frau Wagner an und äußerte den Wunsch, mit ihr zu sprechen, er wolle ihr vor allem zuhören.

 

So kam es zu dem Gespräch Anfang Februar in einem Fernsehstudio des Bayerischen Rundfunks (Link zum Artikel). Ein abgedunkelter Raum, beide sehen sich zum ersten Mal, sie sitzen einander gegenüber, keine Vorabsprachen, kein Moderator, vier Stunden sprechen sie miteinander vor laufender Kamera. (Eine Zusammenfassung gibt es hier im Internet) . Was dieses Gespräch so einmalig macht, ist seine Transparenz und Ernsthaftigkeit. Kein Versuch, die schrecklichen Vorkommnisse klein zu reden.

 

Der Kardinal, einer der profiliertesten der Kirche, redet nicht viel, hört zu, seinem Gegenüber ganz zugewandt, immer wieder Signale der Sympathie aussendend. Bei der Frage nach den Ursachen des Missbrauchs ist man sich einig: Es sind die Machtstrukturen, z.B. dass der Pfarrer sich mehr erlauben darf als die anderen.

 

Höhepunkt des Gesprächs war wohl die Frage von Doris Wagner: „Herr Kardinal, glauben Sie mir?“ – Pause – Antwort: „Ja, ich glaube Ihnen.“ Am Schluss fügt er noch hinzu: „Oft wird gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das stimmt nicht. Die Hoffnung stirbt nie. Ich hoffe, dass es in der Kirche zu einem Prozess der Reinigung und Erneuerung kommt.“

- Wolfgang Bretschneider

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