Prüfung abgeschlossen: 3,5 Mio. Euro Schaden für die Kirchengemeinde St. Martin

5. Februar 2019; Erzbistum Köln, Newsdesk, pek190201 (newsdesk@erzbistum-koeln.de)

Bonn/Köln. (pek190201) Das Ausmaß des Finanz- und Vermögensschadens der Bonner Kirchengemeinde St. Martin ist größer als nach den bisherigen Analysen bekannt und beläuft sich auf insgesamt rund 3,5 Millionen Euro. Das haben die nun abgeschlossenen Prüfungen der bistumsinternen Revision sowie der externen, unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte für die Zeit seit 2009 ergeben, nachdem auch die Jahresabschlüsse 2015 bis 2017, die Treuhandkonten, Personalpläne sowie weitere Vermögens- und Finanzvorgänge analysiert wurden. Der Prüfbericht hat jetzt dem mit gewählten Fachleuten besetzten Vermögensrat zur Bewertung vorgelegen.

 

Das Gremium sieht sich in seiner Empfehlung bestätigt, die es im Frühjahr 2018 dem Erzbischof gegeben hatte, Monsignore Wilfried Schumacher wegen seiner Verantwortung für den Schaden zum Amtsverzicht aufzufordern. Im Mai 2018 hatte der Pfarrer von St. Martin und Bonner Stadtdechant in Anerkennung seiner funktionalen Verantwortung für Misswirtschaft und Vermögensschäden auf seine Ämter verzichtet und ist seitdem im Ruhestand.


Die Prüfung ergab eine den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Finanzverwaltung nicht gerecht werdende Verwaltung der Kosten und Finanzen. Erhebliche Summen aus dem Substanzvermögen der Gemeinde wurden regelwidrig zur Deckung laufender Kosten verwendet. Die angeschlossenen Wirtschaftsbetriebe Münster-Carré und Münsterladen arbeiteten defizitär und konnten Personal- und Betriebskosten nicht erwirtschaften. Personal- und Betriebskosten der Wirtschaftsbetriebe wurden unter verschiedenen Positionen verbucht und auf andere Kostenstellen verteilt, sodass die tatsächlichen Kosten nicht erkennbar waren.

 

Zweckgebundene Mittel und auch Spenden wurden für die Ausgaben im allgemeinen Haushalt ausgegeben. Auch der Umgang mit treuhänderischen Mitteln ist in vielen Fällen nicht nachvollziehbar. So wurden im Prüfungszeitraum aus den Treuhandkassen Ausgaben im hohen fünfstelligen Bereich für Bewirtungen, Hotels und Reisen getätigt, die laut Prüfung teils nicht oder nur unzureichend belegt sind. Die Treuhand-Konten, deren genaue Anzahl erst im Rahmen der externen Prüfung nach dem Amtsverzicht Schumachers aufgedeckt wurden, verzeichnen insgesamt sechsstellige Umsätze.


Auf Veranlassung der Verantwortlichen wurden unter Umgehung der Vorschriften Baumaßnahmen ohne die zwingend erforderliche Genehmigung des Erzbistums durchgeführt. Der Gemeinde entgingen so auch mögliche Kirchensteuerzuschüsse.

 

Die Prüfung hat ergeben, dass bis zum Mai 2019 die Zahlungsunfähigkeit des Bonner Münsters eingetreten wäre, weil die in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen das Vermögen aufgezehrt haben und nachhaltig die wirtschaftliche Zukunft des Münsters gefährden. Das Erzbistum hat inzwischen mit Konsolidierungsmaßnahmen eingreifen und zur Sicherung des Haushalts Ausgleichzahlungen leisten müssen.


Die Situation in Bonn stellt einen in Ausmaß und Höhe singulären Fall dar. Eine zentrale Verantwortung dafür trägt auch nach dem Ergebnis der unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft der Pfarrer und Stadtdechant Msgr. Schumacher. Anstehende Prüfungen wurden wiederholt verzögert oder hinausgeschoben, sodass die turnusmäßige Revision für 2009 bis 2014 erst Ende 2015 begonnen werden konnte und aufgrund der von den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Finanzverwaltung abweichenden Lage sowie der dadurch erforderlichen Gespräche bis Anfang 2018 dauerte.

 

Die wirtschaftliche Schieflage der Kirchengemeinde St. Martin in Bonn war jedoch selbst ohne Jahresabschlüsse klar erkennbar. Eine mögliche Unterstützung, Entlastung und Professionalisierung durch eine Verwaltungsleitung, die das Erzbistum den Gemeinden anbietet, wurde nicht beantragt.

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