"Nie wieder so etwas in unserer Stadt"

Eindringlicher Appell des Stadtdechanten beim Festhochamt in der St. Remigiuskirche - Gottesdienst zum Stadtpatronefest wurde per Live-Stream übertragen
11. Oktober 2020; Melanie Eimermacher (melanie.eimermacher@katholisch-bonn.de)

Derzeit kann man das Mosaik im Hochchor des Bonner Münsters aus nächster Nähe betrachten. Diese Möglichkeit bietet sich auch den Teilnehmern der Führungen.

Es war der feierliche Höhepunkt des diesjährigen Bonner Stadtpatronefestes: der Festgottesdienst mit Kerzenopfer des Stadtrates. Mit dabei waren unter anderem diverse Studentenverbindungen und Fahnenabordnungen, Ritterorden und Vertreter aus Politik, Verwaltung und von der Cassiusbruderschaft. Neben den geladenen Gästen waren auch zahlreiche andere Gläubige in die Kirche Sankt Remigius gekommen, um der Stadtpatrone Cassius und Florentius zu gedenken. Musikalisch mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom Bonner-Münster-Chor unter der Leitung von Regionalkantor Markus Karas. Doch nicht nur im Gotteshaus wurde gefeiert. Da wegen der Corona-Krise nur eine begrenzte Anzahl Besucher Platz in den Kirchbänken finden konnte, wurde das Festhochamt per Live-Stream übertragen – unter anderem in den Kapitelsaal der Remigiuskirche. Dort kamen rund 40 Gläubige zusammen. 


Zelebrant war Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken, als Konzelebranten waren Pfarrer Dirk Baumhof, Kaplan Christian Jasper und Pfarrer Norbert Grund dabei. Unterstützung kam außerdem von Superintendent Dietmar Pistorius und Erzpriester Sokratis Ntallis. 


Stadtdechant Dr. Picken erinnerte in seiner Predigt an das Leben und Wirken der Heiligen Stadtpatrone Cassius und Florentius und an den grausamen Akt des Fremdenhasses und der Religionsverfolgung, der sich vor 1700 Jahren blutig auf dem Boden des Rheinlands ausgetobt hat, staatlich legitimiert und von der Mehrheit mitgetragen. Picken sagte: „Aus diesem historischen Datum im 3. Jahrhundert geht bereits eine Verpflichtung für unsere Stadt hervor, nämlich uns jeder Form des Radikalismus zu widersetzen."


Das Schicksal der thebäischen Legionäre verweise auf die ewig lauernde Gefahr, mit der sich Hass und Angst entwickeln können und die eine Bevölkerung schnell zur blutigen Raserei gegen das Fremde, gegen eine andere Rasse oder Religion treiben kann. Es sei ernüchternd, wie schnell Erfahrungen der Geschichte vergessen werden und sich dieselben düsteren Phänomene erneut einstellten. 


Picken formulierte den eindringlichen Appell: "Nie wieder so etwas in unserer Stadt!“ Die Erinnerung an Cassius und Florentius sei kein Fest, nach dem man zur Tagesordnung übergehen darf. Es formuliere einen Auftrag an Kirche und Stadtgesellschaft gleichermaßen. „Lassen sie uns im Miteinander, im Schulterschluss von Vernunft und christlichem Humanismus dafür sorgen, dass es in unserer Stadt niemals mehr zu einem Martyrium, niemals mehr zu Gewalt und Ablehnung kommt, die im Fremdem und scheinbar Andersartigen begründet liegt. Niemals mehr in Bonn und hoffentlich nie mehr in unserem Land“, so der Bonner Stadtdechant. 


Zuvor hatte Bürgermeister Reinhard Limbach die Bittkerze des Stadtrates entzündet. Das Kerzenopfer geht bis ins Mittelalter zurück. In einem Protokoll des Cassius-Stiftes aus dem Jahr 1595 ist von sechs Wachskerzen die Rede, die der Magistrat der Stadt gestiftet hat. Heute ist auf der Kerze die Aufschrift „Cassi, Florenti orate pro nobis – Der Rat der Stadt Bonn“ zu lesen.


Die beiden Stadtpatrone, Cassius und Florentius, waren im Rheinland stationierte Söldner aus dem Norden Afrikas. Sie starben Ende des 3. Jahrhunderts den Märtyrertod, weil sie nicht gegen andere Christen kämpfen wollten. Alljährlich wird ihrer beim Stadtpatronefest gedacht. 

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