"Lebt nicht in einer Sonderwelt!": Interview mit Msgr. Auel anlässlich seines 50. Priesterjubiläums

3. Februar 2020; Sebastian Eckert

Vor fünfzig Jahren wurde Msgr. Bernhard Auel zum Priester geweiht. Am vergangenen Sonntag feierte er in der Remigius-Kirche sein goldenes Jubiläum. Die Predigt hielt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Im Interview blickt auf auf seine Arbeit als Seelsorger zurück.

 

1. Wie wurden Sie zum Priester berufen?

Von einem eigenen Berufungserlebnis kann ich nicht sprechen. Ich bin in einer kirchlich engagierten Familie als Jüngster aufgewachsen. Sowohl meine Eltern als auch meine Geschwister waren in der Gemeinde ehrenamtlich engagiert. Ich selbst war lange Ministrant, etliche Jahre auch als Gruppenleiter. Der Gottesdienst und die Liturgie haben mich immer angezogen.

 

Sicher hat auch die Tatsache, dass wir schon als Grundschüler Kontakt zum Priesterseminar hatten, geholfen. Als Jugendlicher und Student war für mich sicher auch das Beispiel unserer Kapläne wichtig.

 

2. Was war das schönste Erlebnis in 50 Jahren Priester-Dasein?

Ein besonderes Erlebnis kann ich nicht benennen. Es hat ganz viele Dinge gegeben, die ich nicht vergessen möchte. Ich war in zwei Gemeinden Kaplan, später dann Pfarrer in drei verschiedenen Gemeinden.

 

In allen gab es wirklich schöne und herausragende Erlebnisse. Auch über diese Pfarreien hinaus in den beiden Kreisdekanaten, deren Kreisdechant ich für viele Jahre war. Besonders dankbar bin ich über viele ökumenische Freundschaften, vor allem auch im Blick auf die Orthodoxen Kirchen.

 

3. Was war das traurigste Ereignis?

Wenn ich ein solches nennen soll, waren dies sicher zwei schreckliche Ereignisse in Euskirchen, der Anschlag im Amtsgericht, bei dem mehrere Menschen zu Tode kamen, sodann die Ermordung einer Frau in der Herz-Jesu-Kirche durch eine psychisch kranke Person. Das trifft wirklich ins Herz.

 

4. Wie haben Sie die Zeit als Subsidiar am Bonner Münster erlebt?

Es waren zunächst einmal wirklich gesundheitliche Gründe, die meine Emeritierung als leitender Pfarrer veranlasst hatten. Kardinal Meisner hatte mir zwar freigelassen, wo ich hingehe, hatte aber das Bonner Münster vorgeschlagen. Dem bin ich dann gerne gefolgt; mit dem Stadtdechanten Monsignore Schumacher verstand ich mich sehr gut; gerne habe ich Gottesdienste übernommen und dort geholfen, wo es mir möglich war. Sehr schnell fand ich mich willkommen, vor allem auch bei den Mitarbeitern, wobei die musikalisch Verantwortlichen mir schon länger bekannt waren.

 

Professor Bretschneider kannte ich schon seit dem Studium; mit ihm und Herrn Karas hatte ich schon länger Kontakt im Vorstand des Diözesancäcilienverbandes. So bin ich gerne in der Münsterpfarre, fühle mich hier durchaus zuhause, habe neue Freunde gefunden. Ich bin gerne Subsidiar an der Bonner Münstergemeinde.

 

5.  Was hat sich nennenswert an Ihrem Beruf geändert über die Jahre?

Es ist vor allem die Kirche selbst, die sich in den zurückliegenden 50 Jahren verändert hat, nicht in dem, was sie im Sinne unseres Glaubens ist, sondern darin, wie sie sich im Blick auf die sich verändernde Welt darstellt.

 

Nicht erst heute wird dies deutlich in den leider oft sehr gegensätzlichen Äußerungen zum synodalen Weg, der aus meiner Sicht längst überfällig war. Ich denke z. B. an die Tatsache, dass ich zuerst nur für eine Gemeinde, dann für drei Gemeinden zuständig war und dass inzwischen immer größere Zusammenschlüsse das Leben eines Priesters verändert.

 

6. Würden Sie dieser Berufung wieder folgen? Wenn ja oder nein warum?

Die Frage ist schwer zu beantworten. Im Blick auf meinen Glauben, im Blick auf das, was mich damals bewogen hat, dem Ruf zu folgen, kann ich sicher Ja sagen. Kennte ich freilich nur das, was heute auch medial die Menschen umtreibt, wäre ich mir nicht sicher, welchen Weg ich ins Leben gehen würde.

 

7. Was möchten Sie jungen Priesterkandidaten mitgeben?

Viele Male durfte ich Praktikanten im Pfarrhaus aufnehmen und auf ihrem Weg begleiten. Mein Wunsch für sie: lebt nicht in einer Sonderwelt. Lernt das verstehen, was Papst Franziskus zum Klerikalismus sagt. Lebt auf Augenhöhe mit den Euch Anvertrauten. Habt offene Augen, Ohren und Herzen für die Vielfalt im Leben der Kirche. Vermeidet jede Einseitigkeit. Habt gute Freunde.

 

8. Wie und wen würden sie für diese Aufgabe gewinnen wollen?

Konkret kann ich dazu hier nichts sagen, wen ich etwa ansprechen würde. Sicher aber liegt Vieles in der Antwort auf die letzte Frage.

 

9. Sie blicken auf ein langes Seelsorgerleben zurück. Welchen Rat haben Sie für die Menschen für ein gutes Leben?

Ob ich ein guter Ratgeber bin, mag ich nicht beurteilen.

 

Interview: Barbara Ritter

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