Gerüste am Bonner Münster werden aufgebaut

Fassadensanierung beginnt - Wichtigster Bereich bei der Generalsanierung
12. Februar 2019; Sebastian Eckert

BONN. An der Ostapsis des Bonner Münsters wachsen derzeit die Gerüste für die Sanierung der Außenhaut. Diese Maßnahmen gehören zu den wichtigsten und umfangreichsten Aufgaben im Rahmen der Generalsanierung des Bonner Münsters.

 

Sie umfassen die Natursteinrestaurierung  aller Fassaden, die Dachsanierung und die statische Ertüchtigung in allen Bereichen. Die Gerüste werden bis zum Ende der Generalsanierung sichtbar bleiben.

 

Dabei wird in mehreren Abschnitten gearbeitet: Anfang März beginnt die Sanierung an Hochchor und Ostapsis. Anschließend folgen Gerüste auch an der gesamten Nordseite. Zuletzt wird die Westfront des Bonner Münsters eingerüstet. Die Basilika wird dabei nie komplett eingerüstet sein. 

 

Im östlichen Gebäudetrakt des Kreuzgangs wird zudem an den Strom- und Wasserleitungen gearbeitet. Im Kellergeschoss des Gebäudekomplexes befindet sich auch die neue zentrale Versorgung des Bonner Münsters.

 

Maßnahmen im Rahmen der Fassadensanierung

Spezialisten aus verschiedenen Fachrichtungen werden die Sanierung der Fassaden in den jeweiligen Abschnitten begleiten. Abgesehen von den Steinschäden muss auch nahezu das gesamte Fugenmaterial ausgetauscht werden. Besonders geschädigt sind dabei die Bereiche der Türme.


Die Natursteinrestaurierung erfordert viel Sachkenntnis: 22 verschiedene Steinsorten wurden am Bonner Münster verbaut.
Darunter sind:

 
  • Harte Gesteine für tragende Bauteile – verschiedene Sorten Trachyt für Säulen, Eckausbildungen, Gesimse, Bögen etc., Linzer Basalt und Eifeler Basaltlava für den Sockel. Ursprünglich war vor allem Drachenfelser Trachyt mit seinen sehr charakteristischen Einschlüssen (Sanidine) verbaut.
  • Weiche Gesteine für das Mauerwerk der Wandflächen und hoch gelegenen Bauteile – verschiedene Tuffsteine: rosa Römertuff; gelblicher, sehr homogener Weiberner Tuff; Ettringer Tuff mit groben Einschlüssen.
  • Kalksteine für besondere Schmuckelemente (gute Bearbeitbarkeit).
  • Darüber hinaus in Kleinstflächen verschiedene Sandsteine, Basaltlava und Blaustein.
  • Wertvolle Besonderheit: Kalksintersäulen (Chorumgang) – sie wurden aus den dicken Kalkablagerungsschichten der römischen Wasserleitungen gewonnen und haben eine marmorähnliche Oberfläche.
  • Die Vulkangesteine stammen überwiegend aus dem Siebengebirge (Drachenfels), der Eifel und dem Westerwald.

Zu den zu behebenden Schäden gehören:

  • Diverse Oberflächenschäden durch Verwitterungen, Schalen- und Krustenbildung durch Umwelteinflüsse mit mehr oder weniger gravierenden Gefügeschäden in den Gesteinen.
  • Mechanische Schäden wie Ausbrüche, Rostsprengungen
    Rissschäden mit (!) und ohne statische Relevanz.
  • Schäden durch untereinander unverträgliche Materialien, etwa zu harter Fugenmörtel bei weichen Tuffsteinen.
  • Fehlende oder nicht mehr funktionierende Wasserableitung an Fensterbänken und Gesimsen.
  • Offene Fugen, durch die Wasser in den Mauerwerksquerschnitt eindringt und Steinschädigungen zur Folge hat.
    Hohllagen sowohl in der Fläche als auch bei Konsolen, Gesimssteinen usw. durch nicht ausreichende Einbindung und falschen Einbau ins Mauerwerk.
  • Materialschäden, die zum Teil auf Materialermüdung, falschen Einbau oder Vorschädigungen zurückzuführen sind.
    Verschobene Bauteile, etwa an den Säulen am Turm.
 

Statische Sicherungen

Einer der wichtigsten Punkte für die Sanierung ist die statische Sicherung zum Erhalt der Kirche. Die umfangreichen Rissschäden, die im Innen- und Außenbereich an Gewölben und Wänden sichtbar sind, haben statische Ursachen. Um die zu beheben, sind umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich:

  • Verankerungen der Langhaus- und der Ostchorwände
  • Ringanker an den Zwerggalerien den Querhäusern und der Ostapsis
  • Fertigbau Ringanker Dach nördliches Querhaus
  • Verankerungen Westwerk
  • Verankerungen Vierungsturm

Im Anschluss an die Sicherungsmaßnahmen werden die Risse verpresst und geschlossen. In Bereichen von Wand- und Deckengemälden sowie dem Deckenmosaik sind daher auch aufwändige restauratorische Arbeiten erforderlich. Sämtliche Maßnahmen werden mit der Denkmalbehörde abgestimmt.

 

Weitere Informationen zur Fassadensanierung

Detaillierte Maßnahmen zur Fassadensanierung und Schadensbilder finden Sie unter bonner-muenster.de/sanierung

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