EFL-Beratungsstelle: Die Knotenlöser

Neue Räume, Aufgaben und Möglichkeiten für die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung in der Bonner City - Hilfe und Unterstützung bei Alltagsproblemen für Paare und Alleinstehende
22. Mai 2014; Stadtdekenat Bonn, StS Kommunikation (presse@katholisch-bonn.de)

BONN. Farbenfroh, hell, behindertenfreundlich und wesentlich ruhiger – so präsentiert sich die neue Katholische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) in der Gerhard-von-Are-Straße 8. In der dritten Etage des Gebäudes in der Fußgängerzone hat die Einrichtung des Gemeindeverbandes der katholischen Kirchengemeinden Bonn ihre neue Bleibe gefunden. Die Beratungsstelle ist eine von zwölf dieser Art im Erzbistum Köln.

 

Nach dem Umzug steht dem Team der Bonner Beratungsstelle in etwa die gleiche Fläche zur Verfügung wie zuvor, die Räume sind aber günstiger geschnitten. „Wir haben bewusst auf ein Wartezimmer verzichtet“, sagt Leiterin Heidi Ruster. Dafür verfügt die Beratungsstelle künftig über einen großen Seminarraum für Vorträge, Supervision oder die Bonner Beziehungswerkstatt, ein Angebot für Paare in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk. „Wir sind sehr dankbar, dass wir an zentraler Stelle die neuen Räume bekommen haben“, sagt Heidi Ruster. Der Umbau hat die Kirche immerhin 50.000 Euro gekostet. Decken und Wände wurden komplett schallgedämpft. „So kann nichts nach außen dringen, was in den Räumen verhandelt wird“, sagt Heidi Ruster.

 

Kerngeschäft Paarberatung

Das Kerngeschäft der Beratungsstelle ist die Paarberatung; in mehr als zwei Dritteln (67,5 Prozent) der rund 3.100 Sitzungen im Jahr geht es um Probleme in der Partnerschaft. Paare suchen die Hilfe der Beratungsstelle, „wenn Sie in ihrer Beziehung ein Knötchen zu lösen haben“, beschreibt Heidi Ruster. Die Paare kommen mit Alltagsproblemen, die sie alleine nicht lösen können oder worüber es immer wieder Streit gibt. „Wir schauen uns dann die Dynamik an und versuchen, eine Neueinstellung vorzunehmen.“ So sei auch die Beziehungswerkstatt gedacht: Wie man ein noch laufendes Auto zur Inspektion gibt, so kommen die Paare, um einige Dinge in ihrer Beziehung nachzujustieren.

 

„Wenn Menschen sich schon mit Trennungsgedanken tragen, dann sind wir zu spät dran“, sagt Heidi Ruster. Dann wird die Paar- zur Trennungsberatung: Die Beraterinnen und Berater begleiten die Trennung und versuchen, einen versöhnlichen Blick auf das Gestern zu richten. Das ist vor allem im Sinne gemeinsamer Kinder: „Es ist viel gewonnen, wenn ein getrennt lebendes Paar seiner Verantwortung als Eltern gerecht werden kann“, sagt Heidi Ruster. Viele Paare trennen sich in der Annahme, sie hätten fortan mit dem früheren Partner nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit den gemeinsamen Kindern. „Das läuft so nicht. Eltern müssen sich mit dem versöhnen, was war“, erläutert Heidi Ruster. „Als Frau muss ich dahin kommen, dass der Mann, den ich geliebt habe, ein geliebter Vater bleibt.“

 

Natürliche Krise junger Eltern

Die Beraterin berichtet, dass die meisten Ehen scheitern, bevor das erste Kind drei Jahre alt wird. Viele denken sich: „So habe ich mir das aber nicht vorgestellt.“ Dabei sei der schwierige Übergang vom Paar- zum Eltern-Sein völlig normal. Viele junge Eltern meistern diese Krise auch und gehen sogar gestärkt daraus hervor. Aber es sei eben nicht so einfach, die erste Zeit zu überstehen: ständig müde und erschöpft, genervt und schlaflos, ohne Arbeit und Anerkennung von Kollegen, kaum Zeit für den Partner und für sich selbst. Andererseits bringen Kinder große Freude und neues Leben ins Haus, und die Zeit läuft letztlich für die Eltern: Alles wird immer besser, weiß Heidi Ruster, selbst vierfache Mutter. Die natürliche Krise erlebten alle, „auch die Besten“. Die Beratungsstelle kann bei der Bewältigung helfen: „Man muss nicht alle Schwierigkeiten im Leben alleine lösen“, sagt Heidi Ruster. „Man kann mit professionellen Knotenlösern wie uns gemeinsam daran arbeiten.“

 

Das gilt auch für die anderen Aufgabenbereiche der Beratungsstelle. Etwa ein Viertel ihrer Zeit investieren die fünf festangestellten und vier freiberuflichen Beraterinnen in die Einzelberatung. Häufig kommen Menschen, die sich in einer Umbruchszeit befinden und nicht wissen, wie sie ihr Leben neu gestalten sollen. Das kann die ältere Migrantin sein, die sich fragt, ob sie im Alter zurück in ihre geliebte Heimat ziehen soll oder lieber bei ihren Kindern in Bonn bleibt. Das können Menschen sein, die einsam sind, sich nutzlos und überflüssig fühlen oder vielleicht in einer Trennung „stecken geblieben“ sind und keinen neuen Weg finden. An dieser Stelle schauen die Beraterinnen gemeinsam mit ihren Klienten, ob es eine Möglichkeit gibt, das „Lebensskript“ hoffnungsvoll fortzuschreiben.

 

Großeltern ohne Kontakt zu Enkeln

Ein kleiner Teil der Beratungsarbeit befasst sich mit den Familien. Dabei kann es um die große Herausforderung „Patchwork-Familie“ gehen, zum Beispiel wenn die Mutter alle 14 Tage ungewollt zur Stiefmutter wird, oder wenn der Vater verzweifelt versucht, seinen Kindern aus zwei Ehen gerecht zu werden, ohne sich dabei selbst zu verlieren und nur noch zu funktionieren. Häufig erleben Heidi Ruster und ihre Kolleginnen auch Konflikte zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern. „Oft beklagen Eltern den unterbrochenen Kontakt zu ihren Kindern“, sagt Heidi Ruster. „Und es melden sich zunehmend Großeltern, die nach der Trennung ihrer Kinder keinen Kontakt mehr zu ihren Enkeln haben.“ Auch bei diesen Problemen versuchen die Beraterinnen zu helfen.

 

Die Beratung steht allen offen und ist kostenlos. Gleichwohl freuen sich Heidi Ruster und ihr Team über Spenden, die dann 1:1 in die Beratungsarbeit durch Honorarkräfte investiert werden. Finanziert wird die EFL Bonn zum Großteil durch Kirchensteuermittel, sodann durch Zuschüsse des Landschaftsverbandes.

 

Der Weg zur Beratung

Der Erstkontakt zur Beratungsstelle erfolgt entweder telefonisch (0228/630455) oder über die Internetseite (efl-bonn.de). Wer keine persönliche Beratung möchte, kann dort auch eine anonymisierte Online-Beratung wählen.

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung ist keine psychotherapeutische Einrichtung. So stellen die Berater weder Diagnosen, noch behandeln sie Erkrankungen. Wer Hilfe sucht, braucht auch keine Überweisung. Vielmehr geht es um Alltagsbewältigung in ganz konkreten Fragen. Somit kann jeder zur Beratungsstelle kommen, der mit seinen Sorgen und Schwierigkeiten alleine nicht mehr zurechtkommt.

 

Tag der offenen Tür am 23. Mai

Die neue Beratungsstelle präsentiert sich am Freitag, 23. Mai, von 10 bis 17 Uhr bei einem Tag der offenen Tür. Das rote Beratungssofa steht für eine Fotoaktion in der Fußgängerzone vor dem Haus. Drinnen gibt es die Malaktion „Beziehungsbilder“, eine „Chair-Massage“ für Kopf und Nacken, Filmvorführungen sowie einen Mittagsimbiss und nachmittags Kaffee und Kuchen. Außerdem wird das neue Programm für die Beziehungswerkstatt vorgestellt.

 

Katholische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL)
Die Katholische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) in Bonn hat ihre Aufgabe in der Beratung und Begleitung von Menschen mit persönlichen, partnerschaftlichen und familiären Problemen, Krisen und Konflikten. Die Arbeit ist in der pastoralen Tradition der katholischen Kirche verwurzelt. Die Beratung ist offen für alle, unabhängig von weltanschaulicher Orientierung, Herkunft und Konfession. Beratungen werden in deutscher und englischer Sprache angeboten. Erweitert wird das Angebot durch familienrechtliche Beratung sowie Mediation gegen Kostenerstattung.
Das elf-köpfige Team der Beraterinnen und Berater kommt aus verschiedenen Berufsfeldern, wie z. B. Psychologie, Theologie, Pädagogik, Sozialpädagogik. Jede Beraterin und jeder Berater hat ein Diplom in Ehe-, Familien- und Lebensberatung nach der Weiterbildungsordnung der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft Beratung (Kath. BAG e. V.) entsprechend den Richtlinien des Deutschen Arbeitskreises für Jugend-, Ehe- und Familienberatung (DAKJEF). Die Mitarbeiter der Beratungsstelle bilden ein Fachteam, welches zu regelmäßiger Fortbildung und Kontrolle (Supervision) verpflichtet ist. Hierzu stehen den Mitarbeitern zusätzlich medizinische, psychologische, juristische und theologische Fachberater zur Verfügung. Alle Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht.
Leiterin der EFL Bonn ist seit Oktober 2012 Heidi Ruster (56, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, Syst. Familientherapeutin, Paartrainerin, Diplom-Theologin).


Die EFL ist eine Einrichtung des Katholischen Gemeindeverbands Bonn.

Gerhard-von-Are-Str. 8, 53111 Bonn, 0228/630455, www.efl-bonn.de
Spendenkonto: EFL Bonn, Konto 1112100, Darlehnskasse Münster, BLZ40060265, Verwendungszweck: Eheberatung

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