Bonn ohne Münster?

Bonner Stadtdechant zum Brand von Notre Dame
16. April 2019; Barbara Ritter

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Der Dachstuhl noch vor der Generalsanierung

BONN. Der Stadtdechant von Bonn, Dr. Wolfgang Picken, äußert sich tief betroffen über den Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris: „Ich konnte in der Brandnacht erst zu Bett gehen, als in den Medien gemeldet wurde, dass die Struktur der Kathedrale erhalten werden könne und das Feuer nicht auf die Westtürme übergreifen würde.“ Wie in einem Reflex habe er mit gefalteten Händen vor dem Fernseher gesessen und mit den vielen Menschen in Paris und überall auf der Welt gebetet, dass die vollkommene Zerstörung von Notre Dame verhindert werden könne.

 

„Diese Kathedrale ist, wie viele richtig festgestellt haben, ein bedeutendes Monument für Kirche und Welt, aber es ist darüber hinaus wohl einer der mystischsten Orte der Erde. Die Atmosphäre dieser großartigen Architektur kann man nicht imitieren oder kopieren. Sie ist einmalig,“ so Dr. Picken. Es sei deshalb verständlich, dass die ganze Welt in der zurückliegenden Nacht den Atem angehalten habe. Dass die Struktur der Kathedrale erhalten geblieben ist, sei ein Trost, gleichwohl werde der Schaden besonders an der kunstvollen Innenausstattung unermesslich sein. „Paris steht nun vor einer langen Sanierungsphase, in der ein Zutritt zur Kathedrale unmöglich sein wird. Als Bonner verstehen wir ein wenig, was das bedeutet. Unser Bonner Münster ist insgesamt vier Jahre für die Generalsanierung geschlossen. In Paris wird es mindestens doppelt so lange dauern, bis die Sanierung beendet sein wird,“ so der Stadtdechant weiter. Man werde deshalb bei den Kar- und Ostertagen in St. Remigius besonders an die Katholiken in Paris denken, die diese Feiertage ebenso wie die Gottesdienstbesucher und Gemeindemitglieder des Bonner Münsters nun an einem anderen Ost begehen müssten.

 

In Bonn besteht eine weitere Parallele zu Paris. Auch die Münsterbasilika St. Martin in Bonn ist gegenwärtig für Bauarbeiten eingerüstet und ihr Dachstuhl besteht aus Holz. „Ich konnte die Bilder von Paris nicht sehen, ohne daran zu denken, dass unserer Basilika mit ihrem Holzdachstuhl eine ähnliche Tragödie widerfahren könnte,“ sagt der Münsterpfarrer. „Was wäre das für eine Katastrophe, wir Bonner stünden morgens auf und unsere Basilika läge in Schutt und Asche. Bonn ohne das Münster: Das wäre nicht zu denken!“ führt er weiter aus. Nach Angaben von Dr. Ägidius Strack, der als Projektleiter die Sanierungsmaßnahme der Münsterkirche betreut, ist in der gegenwärtigen Sanierung aber besonders der Brandschutz im Blick. „Die Maßnahme umfasst einen vollständigen Austausch der elektrischen Kabelführung und weitere Brandschutzmaßnahmen auf höchstem Niveau, um Brände vorbeugend zu verhindern,“ so Dr. Strack. Für die Kirche und die angrenzenden Gebäude sei in enger Kooperation mit den Baubehörden und der Feuerwehr ein umfassendes Brandschutzkonzept entwickelt worden. Das Konzept umfasse alle Maßnahmen, durch die die Möglichkeit der Brandentstehung verhindert oder seine Auswirkungen für das zu schützende Kulturgut auf ein möglichst geringes Maß begrenzt werden könnten. Auch werde die Baustelle regelmäßig durch eine Fachfirma begleitet und geprüft, damit während der Sanierung keine Brandschutzmaßnahmen versäumt würden.

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