Arbeiten an den Versorgungsleitungen im Kreuzgang und im Inneren des Bonner Münsters im Rahmen der Generalsanierung

Über 130 Kilometer neue Kabel für Strom und Technik
7. November 2018; Sebastian Eckert (sebastian.eckert@katholisch-bonn.de)

 

BONN. Die wichtigste Phase im Rahmen der Generalsanierung des Bonner Münsters ist gestartet. Behoben werden dabei die Schäden im Inneren und Äußeren der Münster-Basilika. Unter anderem werden dabei Elektro- und Versorgungsleitungen erneuert. Dafür wurden der Boden im Inneren des Bonner Münsters und sichtbar im Kreuzgang Teile der östlichen Grünflächen und des Umgangs geöffnet.

                        

Diese Arbeiten in der sogenannten zweiten Phase gehören zu den größten und umfangreichsten Maßnahmen im Rahmen der Generalsanierung. Sie umfassen die Instandsetzung der Fassaden, die statische Sicherung des Bonner Münsters und Restaurierungsarbeiten im Inneren, unter anderem an den Fresken und Mosaiken.

                        

Für die Arbeiten des zweiten Bauabschnitts sind Gesamtkosten von rund 14,7 Mio. Euro veranschlagt.

 

Erneuerung der Elektroarbeiten und Beleuchtung

Die „museale Haustechnik“, wie Projektsteuerer Dr. Ägidius Strack die Elektroanlagen nennt, wird komplett erneuert. Teilweise liegen Leitungen offen und entsprechen keinerlei Standards. Alle alten Elektroleitungen müssen dabei entfernt werden. Bislang gab es 18 Stromzähler und vier Stromeinspeisungen, die das Bonner Münster von verschiedenen Seiten her versorgten, teils über verschlungene Wege.

 

Das wird sich jetzt ändern: Alte Elektroleitungen werden entfernt und eine zentrale Versorgung unter dem Pfarrhaus eingerichtet. Von dort aus führen die neuen Versorgungsleitungen ins Bonner Münster.

 

Im Rahmen der anstehenden Arbeiten wird die Stromversorgung neu aufgebaut und auf eine reduziert. Rund 53 Kilometer Stromkabel und Leitungen entfernt und durch 72 Kilometer erneuert. Sie werden Steckdosen, Geräte und Beleuchtungsanlagen auf zeitgemäßem Niveau versorgen. Zudem werden rund 59 Kilometer Kabel für technische Anlagen verlegt.

 

Auch die ungenügende Lichttechnik und Beleuchtung wird dabei verbessert. Nur 15 bis 30 Lux kamen zuletzt an den Kirchenbänken an. Um vernünftig einen Text lesen zu können, sind aber 100 bis 120 Lux notwendig. Die neue Beleuchtung soll zudem die Architektur der in Teilen 1000 Jahre alten Basilika besser zur Geltung bringen. Dafür werden 160 LED-Leuchten eingebaut.

 

Darüber hinaus wird die Heizungsanlage optimiert. Bestehende Lüftungskanäle werden saniert und, falls nötig, durch neue ergänzt.

 

Archäologische Untersuchungen

Um die neue Stromversorgung zu ermöglichen, wird im Bonner Münster an einigen Stellen der Boden geöffnet.  Durch den Kreuzgang und dessen östlichen Umgang wird ein etwa 35 Meter langer Schacht angelegt. Diese Arbeiten erfolgten unter strenger archäologischer Begleitung.  

 

Auch im Bonner Münster wurde an mehreren Stellen der Boden geöffnet. Dabei wurden im östlichen Langhaus eine Grube von rund 2,4 auf 2,4 Metern und etwa drei Meter Tiefe angelegt, um die Grundmauern der Basilika aus dem frühen 13. Jahrhundert freizulegen. „Diese wurden an dieser Stelle jetzt erstmals dokumentiert“, erklärt Peter Schönfeld von Archäonet. Diese Ergebnisse werden jetzt eingehend untersucht.

 

Im nördlichen Querhaus fanden sich Reste des alten gelb-roten Fliesenbodens. Vermutlich stammt er aus der Zeit der Sanierung um 1897. Damals erhielt die Kirche ein Plattenmosaik, reich gemustert im Querschiff, einfacher gehalten im Mittelschiff und in den Seitenschiffen.

 

Nach einem Bombentreffer Ende des zweiten Weltkriegs wurde der Boden ins Erdreich gedrückt; darunterliegende Gruften stürzten ein. Bei der anschließenden Sanierung und den Begleitgrabungen Mitte der 1940er Jahre wurden Teile am Ort belassen. Der heutige Boden ist jüngeren Datums. Wie mit den Fliesenresten verfahren wird, wird jetzt geprüft.

 

Vor allem im Bereich des Kreuzgangs fanden sich bei den Grabungen sterbliche Überreste aus allen Epochen. Der Kreuzgang wurde im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Gräberfeld genutzt. Es fanden sich einzelne Knochen, aber auch ganze Gräber, daneben Bekleidungsreste und Keramikfunde. Nach den Arbeiten werden Sie an geeigneter Stelle im Bonner Münster in Würde neu beigesetzt.


Während der Generalsanierung spielt der Denkmalschutz eine wichtige Rolle. „Das Bonner Münster ist die Keimzelle der mittelalterlichen Stadt Bonn und ein wichtiger Platz für die Stadtgeschichte“, so Schönfeld. Das mache die Untersuchungen auch so wichtig.

Das nördliche Querhaus nach einem Bombentreffer 1944
 

Schadensbilder an der Außenfassade

Zu den zu behebenden Schäden gehören:

  • Diverse Oberflächenschäden durch Verwitterungen, Schalen- und Krustenbildung durch Umwelteinflüsse mit mehr oder weniger gravierenden Gefügeschäden in den Gesteinen.
    Mechanische Schäden wie Ausbrüche, Rostsprengungen
  • Rissschäden mit (!) und ohne statische Relevanz.
  • Schäden durch untereinander unverträgliche Materialien, etwa zu harter Fugenmörtel bei weichen Tuffsteinen.
  • Fehlende oder nicht mehr funktionierende Wasserableitung an Fensterbänken und Gesimsen.
  • Offene Fugen, durch die Wasser in den Mauerwerksquerschnitt eindringt und Steinschädigungen zur Folge hat.
  • Hohllagen sowohl in der Fläche als auch bei Konsolen, Gesimssteinen usw. durch nicht ausreichende Einbindung und falschen Einbau ins Mauerwerk.
  • Materialschäden, die zum Teil auf Materialermüdung, falschen Einbau oder Vorschädigungen zurückzuführen sind.
  • Verschobene Bauteile, etwa an den Säulen am Turm.
 

Statische Sicherungen

Einer der wichtigsten Punkte für die Sanierung ist die statische Sicherung zum Erhalt der Kirche. Die umfangreichen Rissschäden, die im Innen- und Außenbereich an Gewölben und Wänden sichtbar sind, haben statische Ursachen. Um die zu beheben, sind umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich:

  • Verankerungen der Langhaus- und der Ostchorwände
  • Ringanker an den Zwerggalerien den Querhäusern und der Ostapsis
  • Fertigbau Ringanker Dach nördliches Querhaus
  • Verankerungen Westwerk
  • Verankerungen Vierungsturm

Im Anschluss an die Sicherungsmaßnahmen werden die Risse verpresst und geschlossen. In Bereichen von Wand- und Deckengemälden sowie dem Deckenmosaik sind daher auch aufwändige restauratorische Arbeiten erforderlich. Sämtliche Maßnahmen werden mit der Denkmalbehörde abgestimmt.

 

Vorbereitende Maßnahmen in Bauphase 1 beendet

Nach der Schließung am 23. Juli 2017 begann die erste Phase der Generalsanierung. In ihr wurden einige Maßnahmen vorgezogen. So wurde die Ausstattung gesichert und eingelagert, die Baustelle eingerichtet und der Dachstuhl der Münster-Kirche saniert. Die Kosten für diesen ersten Bauabschnitt lagen bei rund 1,9 Millionen Euro.  

 

Unter anderem wurde die große Klais-Orgel abgebaut. Alle beweglichen Teile wurden ausgelagert, der Rest eingehaust. Restauratoren begleiteten diese Maßnahmen.

 

Im Dachstuhl mussten Gebälk und Mauerwerk vollständig gereinigt werden, unter anderem auch von gesundheitsgefährdendem Taubenkot. Bei einer der letzten großen Sanierungen wurde das Holz im Dachstuhl mit einem Schutzmittel versiegelt. Das erwies sich als hochgiftig. Auch die Stäube waren kontaminiert. Nur unter Atemschutz durfte man sich im Dachstuhl aufhalten.

 

Für die Entfernung war die Einrichtung einer Schwarz-Weiß-Zone nötig. Diese Reinigungsmaßnahme lief seit Januar 2018 und ist abgeschlossen. Viel sehen davon konnte man von außen aber nicht. Erst jetzt im Anschluss kann mit der Sanierung der Außenfassade begonnen werden.


Ende der Sanierung

Die Generalsanierung des Bonner Münsters wird nach dem aktuellen Bauzeitenplan voraussichtlich bis Ende 2020 abgeschlossen sein.

 

Finanzierung

Die im Rahmen der Spendenaktion „Mein Herz schlägt fürs Bonner Münster“ eingegangenen zweckgebundenen Spendenmittel des Münster-Bauvereins in Höhe von bisher rund 925.000 Euro werden in die Finanzierung der Arbeiten zur Sanierung und Instandsetzung der Münsterbasilika eingebracht.

 

Derzeit wird zudem ein Konzept erarbeitet, das zusätzliche Einnahmen für die Baumaßnahme aus Plakat- bzw. Bannerwerbung an Bauzaun und Außengerüsten generieren soll.

 

Der überwiegende Anteil der Kosten von rund 20,22 Millionen Euro für die Sanierungsarbeiten wird aus Kirchensteuermitteln finanziert. Das Erzbistum Köln übernimmt dabei einen Großteil der Kosten.


 

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