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Der rund 900 Jahre alte Kreuzgang des Bonner Münsters ist der am
vollständigsten erhaltene romanische Kreuzgang nördlich der Alpen und des
Rheinlands sowieso. Nach längerer Restauration sind Kreuzgang und Innenhof nun
wieder vollständig zugänglich und erstrahlen in einer besonderen Illumination.
Schon vor der Neugestaltung war der Kreuzgang ein weltweit bekanntes und
sehenswertes Tourismus-Ziel. Erwähnung findet er in dem auf Deutschland, die
Schweiz und Österreich bezogenen Reiseband "1000 Orte, die man gesehen haben
muss, bevor man stirbt". Besonderheiten, die ihn auszeichnen, liegen in seiner
Architektur und seiner knapp 900-jährigen Geschichte begründet.
Propst Gerhard von Are, Vorsteher des Bonner Cassius-Stifts, hat von etwa 1140
an in mehreren Etappen die noch heute erhaltenen zweigeschossigen Stiftsgebäude
mit dem Kreuzgang erbauen lassen. Im Laufe der Zeit änderte sich dessen
Erscheinungsbild. So musste im frühen 13. Jahrhundert der nördliche Bogengang
weichen, denn dort wurde das Seitenschiff des Münsters verbreitert. Die drei
verbliebenen und bis heute erhaltenen Kreuzgangflügel besitzen eine regelmäßige
Folge von schlanken Säulen, welche die Bögen tragen. An den Kapitellen der
Säulen sind reiche blumenartige Verzierungen zu erkennen und Tierdarstellungen
wie Drachen, Greife, Löwen, ein geflügeltes Pferd und eine Seeschlange.
Ort der Stille
Eine Besonderheit ist die Galerie im Obergeschoss des Südflügels. Eine solche so
genannte Zwerchgalerie gab es nur in der romanischen Baukunst Deutschlands und
Italiens. Im Ostflügel liegt neben dem Querhaus die Cyriakus-Kapelle. Es handelt
sich um den früheren Kapitelsaal, der nach dem Tod Gerhard von Ares zu dessen
Grabkapelle umgestaltet wurde.
Architektonisches Vorbild des Kreuzgangs ist das römische Atrium (ein Innenhof).
Orte der Stille waren Kreuzgänge vor dem Zweiten Weltkrieg nicht. So nutzten die
Mönche und auch die Stiftsherrn im Mittelalter Gang und Hof zur Verrichtung
täglicher Arbeiten. Es wurden dort zum Beispiel Haare geschnitten oder Schuhe
und Kleidung geflickt. Namen gebend für die Kreuzgänge sind wohl die
Kreuzprozessionen. Auch in Bonn versammelten sich Kanoniker und Vikare vor den
Gottesdiensten im Kreuzgang, bevor sie in feierlicher Prozession die Kirche
betraten.
Bis ins 10. Jahrhundert
Der Hof des Kreuzgangs besitzt eine weitere Funktion, hier werden die
verstorbenen Pfarrer der Münsterbasilika beigesetzt. Eine Bronzeplatte im
Innenhof verschließt die Gruft. Noch heute sind Grabplatten am Boden und an den
Wänden aus vielen Jahrhunderten sichtbar. Die drei ältesten Memoriensteine
stammen aus der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts.
Karl Friedrich Schinkel, der große preußische Baumeister, setzte sich 1833 dafür
ein, das Beethoven-Denkmal in die Mitte des Münster-Kreuzgangs zu setzen, um
diesen vor dem Abriss zu bewahren. Das Beethoven-Komitee wehrte den Vorschlag
zwar ab. Der Kreuzgang wurde trotzdem nicht angetastet.
Bei Kanalarbeiten wurde ein römischer Sarkophag aus dem dritten Jahrhundert
freigelegt und die Reste einer möglichen früheren Fluchtbrücke von den
Stiftsgebäuden zur mittelalterlichen Stadtmauer entdeckt. Wer weiß, welche
Geheimnisse die Jahrhunderte alten Gemäuer des Kreuzgangs noch in sich bergen?
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