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Über 28 Stufen zum Herrn

 

Barocker Schatz mit großer Botschaft auf dem Bonner Kreuzberg

 

von Werner P. D'hein

 

Der ohne Zweifel bedeutendste barocke Sakralbau Bonns ist die Kreuzbergkirche hoch über Endenich und Lengsdorf, ein Meisterwerk, das der Prunkliebe des Kurfürsten Clemens August zu verdanken ist. Er war es, der das wunderbare kleine Gotteshaus mit der „Heiligen Stiege“ in der Sichtachse von Stadt- Residenz und Sommerschloss Poppelsdorf in seiner heutigen Form errichten und ausschmücken ließ.

 

Gerade in der Karwoche und zum Kreuzbergfest ist das Ensemble hoch über Bonn das Ziel Vieler. Auf den Berg pilgerten die Menschen schon im 15. Jahrhundert, um ein dort stehendes Kreuz zu verehren. Kurfürst Ferdinand von Bayern setzte 1627 eine eher bescheidene Kirche auf die Wallfahrtsstätte und holte zugleich Servitenmönche dorthin.

 

Barocker Kurfürst

Sein dritter Nachfolger Clemens August sorgte nicht nur für eine barocke Innenausstattung, er gab zudem einen prachtvollen Anbau im ausladenden Stil seiner Zeit in Auftrag, eine Scala Santa nach dem Vorbild des Lateranpalastes in Rom, eine „Heilige Stiege“. Architekt ist der von Clemens August viel beschäftigte große fränkische Baumeister Balthasar Neumann (1687-1753), zu dessen Hauptwerke die Würzburger Fürstenresidenz, die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und das herrliche Treppenhaus im Schloss Augustusburg in Brühl zählen. Die 28 Stufen der Heiligen Stiege erinnern an den Weg, den Jesus vor seiner Verurteilung im Palast des römischen Statthalters Pontius Pilatus nehmen musste. Neumann bettete die Treppe in ein überbordendes spätbarockes Umfeld mit kostbaren Malereien, die Szenen aus dem Leidensweg Christi zeigen. Auf dem Balkon sind Pilatus und ein Soldat neben dem dornengekrönten, dem Kreuzestod preisgegebenen Jesus zu sehen („Ecce-homo-Szene“).

 

Prachtvoll ausgemalt

Die prachtvolle, Reliquien bergende Treppe ist auch heute noch ein Anziehungspunkt für die Gläubigen, aber auch für Kunstfreunde aus aller Welt. Die Stufen dürfen, so ist es christlicher Brauch, nur kniend, „ohne Waffen“ und nur in der Karwoche erklommen werden. An allen übrigen Tagen ist die Heilige Stiege nur von außen einsehbar. Eine alljährliche Ausnahme ist das Kreuzbergfest am Sonntag nach dem 14. September (Kreuzerhöhung). Aber schon dieser Blick lohnt den Besuch, ebenso wie der eindrucksvolle moderne Kreuzweg im frei zugänglichen Garten der Kreuzberg-Bildungsstätte im ehemaligen Kloster. Dieser neue Kreuzweg ist 2001 von Joachim Kardinal Meisner anlässlich des 250. Jahrestag der Einweihung der Heiligen Stiege gesegnet worden.

     

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Letzte Aktualisierung: 21.05.2012