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Eine Straße
erinnert noch an den großen Baumeister des Bonner Münsters |
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Hier im
Kapitelsaal, der ehemaligen Cyriacus-Kapelle wurde der Propst beigesetzt. |
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Heute
erinnert nur noch eine Bodenplatte an den Stifts-Propst |
Tagtäglich
gehen vornehmlich Menschen vom Hauptbahnhof mit dem Ziel Universität
durch die Gerhard-von-Are-Straße und natürlich auch wieder zurück.
Dennoch wissen viele nicht wie diese kleine Gasse entlang des
Puppenkönigs und Münster-Ladens zu ihrem Namen kam und dass es sich
hierbei wohl um einen viel zu wenig geehrten aber dennoch bedeutenden
Menschen in Bonns Stadtgeschichte handelt. Was oder vielmehr wer steckt
aber hinter diesem Namen und was hat dieser mit Bonn zu tun?
Der um 1100 geborene
Gerhard entstammte dem hochadeligen und im Rheinland einflussreichen Geschlecht
derer von Are und war, wie sich noch zeigen wird, ein großer Baumeister und ein
ganz “kleverer Kerl”.
Einige Kilometer
nördlich des Heimatsitzes der Are-Familie auf der Burg Altenahr gab es in Bonn
das sogenannte Cassius-Stift, das in seiner mittelalterlichen Form vermutlich
Ende des 8. Jahrhunderts gegründet worden war. 1802 wurde es aufgelöst.
Wichtigstes Gebäude des Stiftes war die Stiftskirche „St. Cassius und
Florentius“, das heutige Bonner Münster.
Ein Stift ist jede
mit Vermächtnissen und Rechten ausgestattete, zu kirchlichen Zwecken
bestimmte und einer geistlichen Körperschaft übergebene (gestiftete) Anstalt
mit allen dazu gehörigen Personen, Gebäuden und Liegenschaften. Die Stifter
dieser Einrichtungen waren in der Regel Könige, Herzöge oder begüterte
Adelsfamilien. Ihre Motivation war zugleich religiös (Sicherung des eigenen
Seelenheils) und politisch.
Als Geistlicher kam
Gerhard zum Bonner Münster und trat in die dortige Gemeinschaft von Priestern (Cassius-Stift)
ein, deren Vorgesetzter (Propst) er wurde. Vermutlich steckt sein Vater
dahinter, der diesen Deal mit dem damaligen aus seiner Familie stammenden
Erzbischof von Köln aushandelte, um den Einfluss derer von Are bis an den Rhein
ausweiten zu können.
Als Propst mischte
Gerhard von Are ganz oben mit, allerdings nicht zur Bereicherung und aufgrund
von Machtwillen. Es ging ihm immer um den Standort Bonn und das Kloster am
Bonner Münster. Für “seinen Laden” ist er sogar an Köln vorbei nach Rom gegangen
und fand einen Verbündeten im Papst. Man nannte ihn einen "besonderen Sohn der
hl. römischen Kirche". Sein Einkommen war doppelt so hoch wie das des Kölner
Dompropstes.
Durch geschicktes
Taktieren und kluges Handeln machte er das St. Cassius-Stift zu einer
bedeutenden Institution. Bereits 1131 ließ er sich in einer großen Besitzurkunde
durch Papst Innozenz II. die Besitzungen des Stifts bestätigen und vogtfrei
stellen, so dass sie außerhalb der weltlichen Gerichtsbarkeit standen. 1135
erlangte er vom Papst im Dekanatsstreit das Visitationsrecht, das ihm als
Archidiakon weitreichende Machtbefugnisse zusprach. Noch im selben Jahr erhielt
er von Papst Innozenz II. das Recht der freien Appellation an den apostolischen
Stuhl. Damit konnte er, unter Umgehung seines Vorgesetzten, des Kölner
Erzbischofs, seine Interessen unmittelbar beim römischen Oberhaupt durchsetzen.
Insgesamt erhielt das Bonner Münsterstift elf Papsturkunden während Gerhards
Amtszeit, soviel wie zu keiner anderen Epoche. Seine Biografen sagen: "Gerhard
ist nicht wegzudenken aus der rheinischen Politik seines Jahrhunderts".
Neben vielen anderen
Gütern erwarb Gerhard 1149 die im Bau befindliche Burg Drachenfels, ließ sie
vollenden und konnte dadurch die weit verbreiteten Stiftsbesitztümer sichern.
Drachen gab es allerdings auch damals nicht am Rhein. Den Namen hat der Berg
eher durch den Trachyt. Dabei handelt es sich um Vulkangestein, welches im
Rheinland vielfach Verwendung fand. Zunächst am Bonner Münster, später beim Bau
des Kölner Doms.
Seine größte Leistung
bestand allerdings im Ausbau der Bonner Münsterbasilika. Er ließ den
karolingischen Bau durch einen gewaltigen, von zwei Flankentürmen begleiteten,
Ostchor erweitern und einen Kreuzgang errichten, der in seiner geschlossenen
Erhaltung heute einmalig im Rheinland ist. Die dreigeschossige Apsis
(Rheinischer Etagenchor), oben mit einer Zwerchgalerie abgeschlossen, war die
Erste ihres Typs am Niederrhein und prägte für nahezu einhundert Jahre das
Erscheinungsbild vieler Kirchen im gesamten Raum durch Um- und Neubauten (wie
z.B. St. Gereon in Köln und Abtei Maria Laach).
Der Höhepunkt seiner
Karriere war das Jahr 1156, als Gerhard nach dem Tod des Kölner Erzbischofs
Arnolds von Wied als Nachfolger für den Bischofsstuhl im Gespräch war. Bei der
Wahl kam es zu einer Pattsituation und der Bonner musste sich dem Schiedsspruch
Kaiser Friedrich I. Barbarossa unterwerfen, der Friedrich von Berg den Vorzug
gab.
1166 folgte ein für
die Stadt Bonn wichtiges Ereignis: Propst Gerhard von Are ließ am 2. Mai die
Gebeine der heiligen Cassius und Florentius aus den Märtyrergräbern heben und
sie, in Anwesenheit des Kölner Erzbischofs Rainalds von Dassel, nach einer
feierlichen Prozession über den Münsterplatz in kostbaren Schreinen auf dem
Hochaltar zur Verehrung aufstellen. Anlässlich der Feierlichkeiten gewährte
Erzbischof Rainald den Bonnern einen jährlichen, abgabefreien dreitägigen Markt.
Bis heute wird dieser Tag im Bonner Münster gefeiert. Das große Fest dieser
Stadtpatrone findet allerdings 10 Tage lang rund um ihren Namenstag am 10.
Oktober statt. (www.stadtpatrone.de)
Nach seinem Tod am 23.
Februar 1169 wurde Gerhard in der Cyriacuskapelle, dem heutigen Kapitelsaal
beigesetzt. Er gilt bis heute als der bedeutendste Propst in der Geschichte des
St. Cassius-Stifts. Seinem Sarg wurde eine Bleiplatte beigefügt, die heute noch
im Münster zu sehen ist: "Im 1169 der Menschwerdung des Herrn ist der Körper des
Propstes Gerhard in diesem Sarg beigesetzt worden, welcher die Kirchen mit
vielen Gebäuden und Fenstern geziert, mit Gütern bereichert und die Leiber der
heiligen Märtyrer übertragen und mit vielen Zierden ausgestattet hat. Von edler
Abkunft auf dem Schloss Are geboren, hat er ein noch edleres Leben geführt.
Christus erbarme dich deines Dieners. Amen"
Die Nachwelt rühmte
ihn mit einer für alle sichtbaren Inschrift über dem Eingang zur Cyriacuskapelle:
" Keiner der früheren hat soviel wieder neugeschaffen wie Gerhard, edel von
Geburt, berühmter durch sein Werk, der Ruhm seines Stammes; er verwandte die
Schätze, er häufte sie nicht an, indem er solches schuf, die Hallen des Klosters
und die Mauern der Kirche voll Pracht. Was eng war, baute er weit, was hässlich
war, glanzvoll rein. Neues baute er auf und beseitigte von Grund auf das
Morsche. Was unvollendet ist, vollendet er alles. Zum Gebrauch jeglicher Art
geeignet.. Christi Gnade verleihe ihm den Lohn der Herrlichkeit."
Das Hochgrab wurde
1794 zerstört. Übrig geblieben ist eine kleine schlichte Bodenplatte im
Kapitelsaal, über die viele hinweg schreiten ohne die Bedeutung dieses Mannes zu
erahnen, und die eingangs erwähnte Straße. |