Cassius und Florentius

Das Bonner Münster ist über den Gräbern christlicher Märtyrer erbaut, die heute als die Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius verehrt werden. Sie gehören zu den Heiligen der Thebäischen Legion und verbinden Bonn mit traditionsreichen christlichen Kultstätten in ganz Europa. – Im alten Theben (heute Ägypten) entwickelte sich das Christentum sehr früh. Der Überlieferung nach haben aus dieser Gegend stammende römische Soldaten sich aufgrund ihres christlichen Glaubens geweigert, den Kaiser als Gott anzubeten. Diesen Loyalitätsbruch strafte der Kaiser mit dem Tod.

 

Mauritius, der Anführer der Legion, wurde einer der bedeutendsten Heiligen des Mittelalters. Über seinem Grab in Saint Maurice steht das älteste Kloster des Abendlandes (515 gestiftet). Es steht in Verbindung christlichen Kultstätten der Thebäerverehrung in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Norditalien und Frankreich, darunter Zürich, Basel, Paris, Tours, Mailand, Turin, Trier, Xanten, Köln und eben auch Bonn.

 

In Bonn wird eine erste Kirche zu Ehren der Heiligen Cassius und Florentius im Jahr 691 bezeugt. In deren Umfeld entwickelten sich zuerst die Villa Basilica und schließlich der mittelalterliche Stadtkern Bonns. Mitte des 11. Jahrhunderts bedarf es einer größeren Pilgerkirche, woraus nach 200-jähriger Bautätigkeit das heutige Bonner Münster entstand. 1166 ließen Erzbischof Rainald von Dassel und der Bonner Propst Gerhard von Are die Gebeine der Heiligen aus den Gräbern holen zur Ehre der Altäre erheben, was der rituelle Akt zur offiziellen Heiligsprechen war. Sie wurden dargestellt auf dem Bonner Stadtsiegel und 1643 offiziell zu Patronen der Stadt Bonn erklärt.

 

Da ihr Leben der Überlieferung nach weit vor der ersten großen Trennung der Christen datiert wird, gelten sie als Heilige der ungeteilten Christenheit. Konkret wird dies in der Kathedrale der griechisch-orthodoxen Metropolie, wo Cassius und Florentius lebensgroß im Heiligen-Zyklus dargestellt sind. Weiterhin sind sie Patrone der rumänisch-orthodoxen Gemeinde in Bonn und die koptischen Christen, aus deren Heimat auch Cassius und Florentius stammen, feiern immer wieder Gottesdienst in der Krypta des Münsters.

 

Der 10. Oktober ist der Gedenktag, welcher in der ganzen Stadt als kirchliches Hochfest gefeiert wird, der wiederum in ein 10-tägiges Stadtpatronefest eingebettet ist.