Bonner Stadtpatronefest 2017: Bittkerze des Stadtrates leuchtet in Sankt Remigius

Stadtdechant setzt Heimat ins Zentrum der Predigt - Marterfest in Endenich - Christen aus vier Konfessionen feiern gemeinsam die Bonner Stadtpatrone
15. Oktober 2017; Sebastian Eckert (sebastian.eckert@katholisch-bonn.de)

Bonn. Es ist einer der Höhepunkte im Rahmen der Feierlichkeiten zu Ehren der Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius: Bei dem Festgottesdienst in Sankt Remigius wird die Bittkerze des Rates der Stadt Bonn entzündet. Zentrales Motiv der Predigt war der Begriff Heimat.

 

Zu den Klängen der Bonnhymne „Urbs Bonnensis, urbs rhenalis“ zogen Mitglieder des Rates und Stadtspitze gemeinsam mit Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher in die 700 Jahre alte ehemalige Klosterkirche ein. Oberbürgermeister Ashok Alexander Sridharan entzündet bei diesem Hochfest zum Beginn des Gottesdienstes die große Bittkerze der Stadt Bonn. Rund 800 Gläubige feierten gemeinsam den Festgottesdienst.

 

In seiner Predigt sagte Schumacher, angesichts einer immer unübersichtlicheren und komplexer werdenden Welt gäbe es eine Hinwendung, eine Sehnsucht nach Heimat. „Umso mehr sehnen sich Menschen nach Heimat. In diesen Zeiten wächst das Bedürfnis nach Orientierung, nach Sicherheit, nach Geborgenheit.“

 

Zu Heimat gehöre auch Heimatlosigkeit. Dies erlebten Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und die jetzt bei uns Zuflucht suchen. „Das ist viel getan worden in den letzten Jahren von Christen und Nicht-Christen, von Glaubenden und Nicht-Glaubenden. Vieles, was unsere Anerkennung verdient.“

 

Heimatlosigkeit sei ein Gefühl, das viele unserer Zeitgenossen beschleiche. Man wisse nicht mehr, wo man hingehört. „Wenn Lebensentwürfe zerbrechen, wenn Träume zerplatzen wie Seifenblasen, wenn man vor einem persönlichen Scherbenhaufen steht, dann ist man plötzlich heimatlos! Hier sind wir als Kirche, hier sind wir als Einzelne gefordert, den Seelen dieser Heimatlosen ein Obdach zu geben. Einen Ort, wo sie sich niederlassen können, wo sie Sicherheit finden, Geborgenheit“, so Schumacher.

 

„Unsere Heimat ist der Himmel“, stellt er in Anlehnung an Paulus fest. Dabei ginge es aber nicht um das Vertrösten auf das Jenseits: „Wenn unsere Heimat im Himmel ist, dann relativiert das viele menschliche Bemühungen. Dann wird manches, was so wichtig ist, plötzlich doch nicht mehr so wichtig. Dann wird mancher, der sich so wichtig nimmt, plötzlich doch nicht mehr so bedeutend“, erklärte Schumacher. Das zeige sich bereits bei den Stadtpatronen Cassius und Florentius, die den Kaiser nicht als Gott anbeten wollten. ‚Du magst zwar mächtig sein, aber es gibt einen, der mächtiger ist als Du‘.

 

Gott begleite die Menschen durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens. „Unsere Heimat ist im Himmel – das ist auch ein Blick in die Zukunft. Wir sind es gewohnt, alles zu tun, damit wir in den Himmel kommen. Drehen wir den Spieß doch einmal um: was können wir tun, damit der Himmel zu uns kommt?“, fragte Schumacher.

 

Darum ginge es Jesus: der Himmel solle zu den Menschen kommen. „Dadurch wie wir reden und handeln, wie wir miteinander umgehen. Hat das etwas mit dem Gefühl von Heimat und Himmel zu tun? Himmel ist nicht zu verwechseln mit dem Schlaraffenland, in dem man nur egoistisch den eigenen Magen füllt“, so Schumacher.

 

In Hinblick auf die vielen anwesenden Ratsmitglieder erklärte er: „Unsere Heimat ist der Himmel - das relativiert vieles, entbindet uns aber nicht von der Pflicht – auch Sie nicht in Rat und Verwaltung – den Menschen Bedingungen zu schaffen, dass sie in unserer Stadt eine Heimat haben: – das ist nicht eine Frage der Infrastruktur oder der Logistik, sondern der Erfahrung des Dazugehörens, des Sich-Wohlfühlens, des Miteinanders. Wir müssen kein Paradies schaffen, das haben schon andere vergeblich versucht – aber als Heimat ein wenig Himmel auf Erden wäre schon ein Anfang.“

 

Das Kerzenopfer ist eine besondere Tradition während des Stadtpatronefestes 2017, das erstmals wegen der anstehenden Generalsanierung in Sankt Remigius stattfand. Bereits aus dem Mittelalter ist die Tradition des Kerzenopfers überliefert. Ein Protokoll des Cassius-Stiftes von 1595 spricht von sechs Wachskerzen, die der Magistrat der Stadt gestiftet hat. Heute trägt die Kerze die Aufschrift Cassi, Florenti orate pro nobis - Der Rat der Stadt Bonn. Seit 1300 Jahren werden Cassius und Florentius an diesem Ort für ihren Mut und ihren unbeirrbaren Glauben verehrt.

 

Aufgrund der Generalsanierung des Bonner Münsters kann in diesem Jahr die Gruft der Märtyrer nicht betreten werden.

 

Oberbürgermeister feiert Silberhochzeit

Vor genau 25 Jahren heirateten Petra Fendel-Sridharan und Oberbürgermeister Ashok Alexander Sridharan. Während der Heiligen Messe im Rahmen des Stadtpatronefests segnete Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher das Paar, das heute Silberhochzeit feiert.

 

Lichterprozession beim Marterfest in Endenich

BONN. Der Überlieferung nach sollen die Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius oberhalb von Endenich, wo heute die Marterkapelle steht, hingerichtet worden sein. Dort feierten am Sonntag, 15. Oktober 2017, hunderte Gläubige das Kapellenfest (auch genannt Marterfest). Eröffnet wurde das Fest mit feierlichem Gottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Maria Magdalena um 11.00 Uhr eröffnet mit Dechant Alfons Adelkamp und Kaplan Kai Amelung, der die Predigt hält. Musikalisch wurde die Messe gestaltet von der Chorgemeinschaft St. Maria Magdalena.

 

Danach zog die Prozession den Kreuzberg hinauf zur Marterkapelle. Um 16.00 Uhr feierten die Gläubigen eine Andacht und um 17.00 Uhr die Vesper. Zum Abschluss des Festes beginnt um 19.00 Uhr eine feierliche Abendandacht (Komplet) in der Marterkapelle, bevor die Prozession mit Kerzen und Fackeln und wieder zur Pfarrkirche zieht.

   

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