Voruntersuchung zur Generalsanierung des Bonner Münsters abgeschlossen

Erste Kostenschätzung liegt bei 20,22 Millionen Euro
26. April 2016; Sebastian Eckert (sebastian.eckert@katholisch-bonn.de)

BONN. Das Bonner Münster steht vor einer Generalsanierung. Die seit Anfang 2014 laufende Voruntersuchung ist jetzt beendet. Das Ergebnis stellte der Kirchenvorstand gemeinsam mit den Architekten Jutta Pieper und Ulrich Hahn vom Büro Hahn+Helten sowie Projektleiter Ägidius Strack auf einer Pressekonferenz am 26. April 2016 vor. Wegen der beträchtlichen Schäden liegt die erste, vorläufige Kostenschätzung bei rund 20,22 Millionen Euro.

 

Vielfältige Schäden

Mit bloßem Augenschein sehe man viele der Schäden nicht, so Strack: „Man sieht es nicht, weder als Laie noch als Fachmann, wenn man sich auf dieses Gebäude zubewegt.“

 

Doch die Schäden sind groß. An repräsentativen Abschnitten am Bonner Münster wurden Fassaden und Dächer untersucht, darunter auf Risse und statischen Mängel. Auch die gesamte haustechnischen Anlange (Heizung, Sanitär, Elektro und Beleuchtung, die Oberflächen im Innenraum wurden begutachtet. Zudem wurde eine umfassende Material- und Schadenskartierung erstellt.

 

Die umfangreichen Untersuchungen dienten dazu, detaillierte Informationen über typische Schadensbilder für die Sanierung und eine Grundlage für eine Kostenschätzung zu erhalten. Dadurch können erforderliche Maßnahmen und Strategien, etwa für die Abstimmung mit der Denkmalpflege, entwickelt werden.

 

Typische Schadensbilder

Die Schäden sind dabei vielfältig und lassen sich unter folgenden Aspekten summieren:

  • Diverse Oberflächenschäden durch Verwitterungen, Schalen- und Krustenbildung durch Umwelteinflüsse mit mehr oder weniger gravierenden Gefügeschäden in den Gesteinen.
  • Mechanische Schäden wie Ausbrüche, Rostsprengungen. Ursache dafür sind oftmals die in den 90er Jahren fehlerhaft angebrachte Taubenvergrämung. Dort kamen rostende Schrauben zum Einsatz.
  • Rissschäden mit und ohne statische Relevanz. „Die Risse ziehen sich zum Teil durch das gesamte Mauerwerk“, erklärt Jutta Pieper vom Architekturbüro Hahn+Helten. Sie müssen mit statischen Sicherungen, etwa Ankern, gesichert werden. Die Risse werden durch Kräfte im Bauwerk selbst verursacht, erklärt Architekt Ulrich Hahn von Hahn+Helten. „Das Gewicht des Gewölbes löst eine gewisse Schubkraft aus. Dieser müsse durch eine technische Lösung eine Gegenkraft hergestellt werden. „Bewegungen im Bauwerk sind an sich nichts ungewöhnliches, finden immer etwa bedingt durch Sommer und Winter immer statt. Nur ist das gesunde Maß beim Bonner Münster überschritten“, stellt Projektleiter Ägidius Strack fest.
  • Schäden durch untereinander unverträgliche Materialien, etwa zu harter Fugenmörtel bei weichen Tuffsteinen. Weite Teile der Fassaden sind betroffen.
  • Fehlende oder nicht mehr funktionierende Wasserableitung an Fensterbänken und Gesimsen.
  • Offene Fugen, durch die Wasser in den Mauerwerksquerschnitt eindringt und Steinschädigungen zur Folge hat.
  • Hohllagen sowohl in der Fläche als auch bei Konsolen, Gesimssteinen usw. durch nicht ausreichende Einbindung und falschen Einbau ins Mauerwerk.
  • Materialschäden, die zum Teil auf Materialermüdung, falschen Einbau oder Vorschädigungen zurückzuführen sind.
  • Verschobene Bauteile, etwa an den Säulen am Turm. Diese Stellen müssen zum Teil neu aufgebaut werden.
 

Auch im Innenbereich sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich, die die Behebung statischer Defizit, die Renovierung sämtlicher Oberflächen sowie restauratorische Maßnahmen an den Malereien und der sakralen Ausstattung umfassen.

 

Daneben steht auch die haustechnische Erneuerung im Vordergrund. „Im Bonner Münster gibt es eine technische Ausstattung wie aus dem Museum“, fasste Strack die Untersuchungen der Haustechnik zusammen. Beispielsweise muss die gesamte Stromversorgung entfernt und neu aufgebaut werden.

 

Nicht ganz so stark betroffen ist die Heiztechnik, doch auch dort gibt es Sanierungsbedarf.Die vollständigen Ergebnisse finden sich unter bonner-muenster.de/sanierung

 

Kostenschätzung

Auf rund 20,22 Millionen Euro beläuft sich die erste, vorläufige Kostenschätzung, bei der noch nicht alle Maßnahmen enthalten sind. Eine Abweichung von 30 Prozent ist aber möglich. Im Detail: Die Baukonstruktion außen und innen liegen bei 12,42 Millionen Euro. Für die technischen Anlagen werden 2,92 Millionen Euro veranschlagt. Für den Erhalt und Erneuerung der Kunstwerke wurde mit 0,23 Millionen Euro kalkuliert. Für Baunebenkosten, darunter die Gutachten, Untersuchungen, Planungskosten und vorbereitende Maßnahmen, wird mit 4,65 Millionen Euro gerechnet. Über die abschließende Kostenfeststellung wird zur gegebenen Zeit gesondert berichtet.

 

Umfangreiche, intensive Planungen und Untersuchungen

Wichtig war dem Kirchenvorstand eine gute Vorplanung vor dem Beginn der Generalsanierung. Expertisen wurden eingeholt, ein Beirat zum Kirchenvorstand gegründet. Bei der Auswahl der Firmen und Planer legte man hohe Maßstäbe an.

 

„Es soll nicht mehr heißen, dass in zwanzig Jahren wieder etwas repariert werden muss. Das ist nicht im Sinne des Kirchenvorstands“, erklärt Michael Bogen, zweiter Kirchenvorstand. Deshalb habe man sich intensiv Zeit für die Voruntersuchungen genommen.

 

Denkmalschutz ist involviert

Das Bauwerk soll in seiner Wirkung erhalten bleiben, weshalb man intensiv mit dem Denkmalschutz zusammenarbeitet. „Grundsätzlich gilt für uns der Substanzerhalt, dies ist ein Symbol von nationaler Strahlkraft“, so Strack. Weiteres Ziel ist es, das Gebäude für die nächsten mindestens 40 Jahre instand zu setzen.

 

Die Festlegung der Maßnahmen erfolgt in enger Abstimmung mit Denkmalpflege, Fachplanern, Restauratoren und Fachfirmen und wird im gesamten Planungs- und Ausführungsprozess weiterentwickelt. Substanzerhalt ist oberste Maxime

 

Offener, partizipativer Prozess: „Das Münster zukunftsfähig machen“

Im Herbst 2015 startete zudem ein Prozess, der die Frage stellt, wie man das Bonner Münster zukunftsfähig machen könne. Daran war unter anderem die Gemeinde am Bonner Münster beteiligt. Ein Schwerpunkt wird dabei auf dem Aspekt der Inklusion liegen, von der Erreichbarkeit aller Gebetsräume bis hin zu Induktionsschleifen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, die Ergebnisse werden möglicherweise in die Planungen mit einfließen.

 

Fortgang und Zeitplan

Der eigentliche Baubeginn ist für Mitte 2017 avisiert. Mindestens zweieinhalb Jahre werden das rund tausend Jahre alte Bauwerk samt des historischen Kreuzgangs für die Bevölkerung geschlossen bleiben. Die Planungen können sich aber noch verschieben – und hängen stark von der Finanzierung ab.

 

Finanzierung

„Bei der Finanzierung erwarten wir einen großen Teil vom Erzbistum Köln, das ja die Kirchensteuer Mittel verwaltet. Wie groß, das werden die Gespräche der nächsten Monate ergeben“, erklärt Münsterpfarrer und Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher. „Einen Teil werden wir vor Ort aufbringen müssen, in der Gemeinde am Bonner Münster, zusammen der Bevölkerung, der ganzen Region und unseren Partnern von der Bonner Münster-Stiftung und dem Münster-Bauverein - denn das Bonner Münster ist ein Monument für unsere rheinische Heimat.“

 

Der Münsterbauverein sammelt bereits mit der Aktion „Mein Bonner Münster“ Spenden.

Mehr dazu unter: bonner-muenster.de/aktuell/Muenster-Bauverein_wirbt_um_Unterstuetzung_fuer_Sanierung

 

Spenden

Gespendet werden kann auch über  dkm-spendenportal.de/m/projekt/initiative-mein-bonner-muenster.html

 

Zitate

„Seit dem 13. Jahrhundert, als die Bonner das Münster in ihr Stadtsiegel aufnahmen, ist es das Wahrzeichen der Stadt Bonn bis heute. Von dort aus ist das mittelalterliche Bonn gewachsen. Wie kein anderes Gebäude ist das Münster zusammen mit dem Kreuzgang ein eindrucksvolles Zeugnis unserer wechselvollen Stadtgeschichte und hat Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus. Dieses Erbe verpflichtet uns. Für die umfangreiche Generalsanierung wünsche ich mir die Unterstützung, die diese Basilika verdient.“

Ashok Sridharan, Oberbürgermeister von Bonn

 

Diese frühe Gedächtnisstätte des Christentums erinnert euch stets an die christliche Wurzel eurer Stadt und eurer Kultur. Das heroische Bekenntnis zu Christus dieser beiden Glaubenszeugen [Cassius und Florentius] verpflichtet euch.

Johannes Paul II. 1980 vor dem Bonner Münster

 

Als Ganzes stehen Münster-Kirche und Kreuzgang heute noch so vor uns, wie Romanik und Barockzeit sie geprägt haben, als eines der schönsten und zugleich bedeutendsten Zeugnisse kirchlicher Kunst im Rheinland.

Gisbert Knopp

 

Das Münster war architektonisch offen zu den Kirchen in Köln und in Xanten, zur Maas und zu Burgund hin. Das ist nicht mit dem dümmlichen Terminus ‚Einfluss‘ abzutun. Vielmehr zeigt sich darin Weitblick an, Teilhabe an einer europäischen Bewegung, über alles Ortsgebundene hinaus. Das Münster ist eben keine kleinbürgerliche Kirche, sondern ein europäisches Monument.

Heinrich Lützeler, Bonner Kunsthistoriker (1902 – 1988)

        

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