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Mit Fackeln
begleiten die Kinder den heiligen Martin. Darüber sieht man die alte
Martinskirche, die an der Ostseite des Bonner Münsters stand |
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Jeder kennt
die Szene: St. Martin teilt den Mantel mit dem Bettler am Stadttor von
Amiens |
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Bischofsweihe
von Martin am 4. Juli 372. |
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Martin wird
von den Anhängern des Arianismus geschlagen. |
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Das Bonner
Münster St. Martin |
Ernemann Sander
hält die Erinnerung
an den hl. Bischof
von Tours am Bonner Münster lebendig
Von Wilfried
Schumacher, Fotos: N. Bach
erschienen in der
Kirchenzeitung für das Bistum Aachen
Kinder mit Laternen und Fackeln in den Händen ziehen in diesen Tagen wieder
durch unsere Straßen. Mitten unter ihnen auf einem Pferd ein Reiter in der
Uniform eines römischen Soldaten mit einem großen roten Mantel: St. Martin. Kaum
ein anderer Heiliger genießt hier eine solche Verehrung wie dieser in Ungarn
geborene Sohn eines römischen Offiziers und spätere Bischof von Tours.
Zahlreiche Kapellen und Kirchen sind nach ihm benannt; im Bistum Aachen sind es
allein 30.
Auch das Bonner Münster trägt seit 1812 den Namen des Heiligen. Dort, wo bis zu
diesem Zeitpunkt die alte Martinskirche stand, hat der Künstler Ernemann Sander
(1981/82) sechs Reliefs geschaffen, die das Leben des Kirchenpatrons zeigen.
Einige Szenen sind nicht so geläufig wie die Mantelteilung oder die der
schnatternden Gänse, die Martin verrieten, als er sich vor seiner Wahl zum
Bischof verstecken wollte.
Mit 15 Jahren trat Martin in die römische Armee ein und bereitete
sich schon während seiner Dienstzeit auf die Taufe vor. Wir wissen von ihm, dass
er bei seinen Kameraden beliebt war, nicht wegen rauer Soldatenmanieren, sondern
wegen seiner Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit. Um 333 war er im
nordfranzösischen Amiens stationiert. Eines Tages, mitten im Winter, begegnete
Martin am Stadttor einem unbekleideten Bettler. Er sieht den Armen, hört seinen
Ruf um Erbarmen und handelt. Da gibt es kein langes Überlegen, kein Abschätzen
des Risikos, kein Ruf nach helfenden Institutionen. Martin teilt seinen
Soldatenmantel mit dem Bettler.
Es scheint, dass die Menschen bis heute instinktiv spüren, dass genau dies immer
noch vorbildlich ist: Menschen, die die Not sehen und selbst lindern. In der
Nacht darauf erschien Martin im Traum Jesus Christus, bekleidet mit Martins
halbem Militärmantel. Bischof Klaus Hemmerle deutete es so: „Das Kostbarste an
der Martinsgeschichte ist, dass Christus im Grunde zweimal darin vorkommt.
Einmal ist Christus in jenem Ärmsten, dem Martin seine Liebe schenkt. Zum
anderen ist Christus in Martin, der liebt, wie Christus selber liebt.“
Nach diesem Erlebnis lässt der Taufschüler sich taufen und strebt
die Entlassung aus dem Militärdienst an. In Worms gibt es die Gelegenheit, als
der Kaiser seinen Soldaten vor dem Kampf eine Prämie auszahlen lässt. „Bis heute
habe ich dir als Soldat gedient; erlaube, dass ich in Zukunft für Gott streite.
Deine Prämie möge annehmen, wer kämpfen will. Ich bin ein Soldat Christi. Mir
ist es nicht erlaubt, mit der Waffe zu kämpfen", zieht Martin den Schlussstrich.
Das gefällt dem Feldherrn ganz und gar nicht. Auf dem Relief duckt sich sogar
der Hund zu seinen Füßen. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst wird
Martin Schüler des Bischofs Hilarius in Poitiers, ein entschiedener Gegner des
Arianismus. Bald schon muss er die Erfahrung machen, wie fanatisch die Anhänger
dieser Irrlehre sind. In Mailand wird er von ihnen mit Ruten geschlagen. Das
Volk liebt den Priester Martin, der sich in ein Kloster zurückzieht. Seine Wahl
zum Bischof von Tours wird zu einem Volksentscheid. Sander hat die Bischofsweihe
am 4. Juli 372 auf dem Relief auf das Wesentliche reduziert: ein demütiger
Martin, der vor dem Konsekrator kniet und dem der Hirtenstab gereicht wird.
Auseinandersetzungen nicht mit Waffen führen
Hirte wollte er vor allem sein: die verlorengegangenen Schafe suchen, die
vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen,
die fetten und starken behüten (Ez 34,16). Noch einmal ist er gefordert, als
Priscillian, ein gebildeter Laie, vor dem Kaiser angeklagt wird, eine Sekte
gegründet zu haben. Martin zieht nach Trier vor den Kaiser und protestiert gegen
das Todesurteil. Sein Argument: Geistige Auseinandersetzungen müssen mit
geistigen Waffen geführt werden und nicht mit physischer Gewalt. Man kann es
förmlich sehen: der Kaiser hört den Bischof im Mönchsgewand, aber er versteht
ihn nicht. Am 8. November 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren. Schon bald
setzt seine Verehrung ein bis heute.
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