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               Kardinal Meisner

 

11.11.2011

 

Heiliger Martin

Mit Fackeln begleiten die Kinder den heiligen Martin. Darüber sieht man die alte Martinskirche, die an der Ostseite des Bonner Münsters stand

Jeder kennt die Szene: St. Martin teilt den Mantel mit dem Bettler am Stadttor von Amiens

Bischofsweihe von Martin am 4. Juli 372.

Martin wird von den Anhängern des Arianismus geschlagen.

Ernemann Sander hält die Erinnerung

an den hl. Bischof von Tours am Bonner Münster lebendig

 

Von Wilfried Schumacher, Fotos: N. Bach

erschienen in der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen

 

Kinder mit Laternen und Fackeln in den Händen ziehen in diesen Tagen wieder durch unsere Straßen. Mitten unter ihnen auf einem Pferd ein Reiter in der Uniform eines römischen Soldaten mit einem großen roten Mantel: St. Martin. Kaum ein anderer Heiliger genießt hier eine solche Verehrung wie dieser in Ungarn geborene Sohn eines römischen Offiziers und spätere Bischof von Tours. [...]

Auch das Bonner Münster trägt seit 1812 den Namen des Heiligen. Dort, wo bis zu diesem Zeitpunkt die alte Martinskirche stand, hat der Künstler Ernemann Sander (1981/82) sechs Reliefs geschaffen, die das Leben des Kirchenpatrons zeigen. Einige Szenen sind nicht so geläufig wie die Mantelteilung oder die der schnatternden Gänse, die Martin verrieten, als er sich vor seiner Wahl zum Bischof verstecken wollte.

 

Mit 15 Jahren trat Martin in die römische Armee ein und bereitete sich schon während seiner Dienstzeit auf die Taufe vor. Wir wissen von ihm, dass er bei seinen Kameraden beliebt war, nicht wegen rauer Soldatenmanieren, sondern wegen seiner Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit.  Um 333 war er im nordfranzösischen Amiens stationiert. Eines Tages, mitten im Winter, begegnete Martin am Stadttor einem unbekleideten Bettler. Er sieht den Armen, hört seinen Ruf um Erbarmen und handelt. Da gibt es kein langes Überlegen, kein Abschätzen des Risikos, kein Ruf nach helfenden Institutionen. Martin teilt seinen Soldatenmantel mit dem Bettler.

 

Es scheint, dass die Menschen bis heute instinktiv spüren, dass genau dies immer noch vorbildlich ist: Menschen, die die Not sehen und selbst lindern. In der Nacht darauf erschien Martin im Traum Jesus Christus, bekleidet mit Martins halbem Militärmantel. Bischof Klaus Hemmerle deutete es so: „Das Kostbarste an der Martinsgeschichte ist, dass Christus im Grunde zweimal darin vorkommt. Einmal ist Christus in jenem Ärmsten, dem Martin seine Liebe schenkt. Zum anderen ist Christus in Martin, der liebt, wie Christus selber liebt.“

 

Nach diesem Erlebnis lässt der Taufschüler sich taufen und strebt die Entlassung aus dem Militärdienst an. In Worms gibt es die Gelegenheit, als der Kaiser seinen Soldaten vor dem Kampf eine Prämie auszahlen lässt. „Bis heute habe ich dir als Soldat gedient; erlaube, dass ich in Zukunft für Gott streite. Deine Prämie möge annehmen, wer kämpfen will. Ich bin ein Soldat Christi. Mir ist es nicht erlaubt, mit der Waffe zu kämpfen", zieht Martin den Schlussstrich. Das gefällt dem Feldherrn ganz und gar nicht. Auf dem Relief duckt sich sogar der Hund zu seinen Füßen. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst wird Martin Schüler des Bischofs Hilarius in Poitiers, ein entschiedener Gegner des Arianismus. Bald schon muss er die Erfahrung machen, wie fanatisch die Anhänger dieser Irrlehre sind. In Mailand wird er von ihnen mit Ruten geschlagen. Das Volk liebt den Priester Martin, der sich in ein Kloster zurückzieht. Seine Wahl zum Bischof von Tours wird zu einem Volksentscheid. Sander hat die Bischofsweihe am  4. Juli 372 auf dem Relief auf das Wesentliche reduziert: ein demütiger Martin, der vor dem Konsekrator kniet und dem der Hirtenstab gereicht wird.

 

Auseinandersetzungen nicht mit Waffen führen

Hirte wollte er vor allem sein: die verlorengegangenen Schafe suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten (Ez 34,16). Noch einmal ist er gefordert, als Priscillian, ein gebildeter Laie, vor dem Kaiser angeklagt wird, eine Sekte gegründet zu haben. Martin zieht nach Trier vor den Kaiser und protestiert gegen das Todesurteil. Sein Argument: Geistige Auseinandersetzungen müssen mit geistigen Waffen geführt werden und nicht mit physischer Gewalt. Man kann es förmlich sehen: der Kaiser hört den Bischof im Mönchsgewand, aber er versteht ihn nicht. Am 8. November 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren. Schon bald setzt seine Verehrung ein bis heute.

 

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