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5.02.2012 | Stadtdekanat Bonn
Bonn feiert Adelheid
Großes Fest in Vilich zu Ehren der Stadtpatronin
Wenn am 2. Februar um 19.15 Uhr die vier schwersten der acht Münster-Glocken zu läuten beginnen, hat das einen besonderen Grund: Sie stimmen ein auf das Fest der Bonner Stadtpatronin Adelheid von Vilich, welches vom 2. Februar an vier Tage in Vilich gefeiert wird. Am Sonntag, 5. Februar, dem eigentlichen Festtag der Heiligen Adelheid, feiert die ganze Stadt Bonn ihre Stadtpatronin in allen Gottesdiensten. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Festhochamt am Samstag, 4. Februar um 18.00 Uhr in der Stiftskirche St. Peter mit Generalvikar Prälat Dr. Dominik Schwaderlapp, Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher, Pfarrvikar Michael Dörr u. a. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch wird während des Gottesdienstes eine Votivkerze entzünden und am Grab der Heiligen Adelheid aufstellen.
Powerfrau aus Vilich – die Heilige Adelheid
Bonner Stadtpatronin seit 2008, verehrt seit mehr als 1000 Jahren
In den Bonner Stadtteilen Vilich und Pützchen kennt wohl jedes Schulkind ihren Namen und die mit ihr verbundene Legende - schließlich wird die Heilige Adelheid seit mehr als 1000 Jahren am Rhein besonders verehrt. Um die Jahrhundertwende vom 10.zum 11. Jahrhundert wirkte Adelheid als Äbtissin im rechtsrheinischen Vilich und in Köln; 1966 wurde die Jahrhunderte lange Verehrung durch Papst Paul VI. auch von Rom bestätigt und die Hl. Adelheid 2008 schließlich mit Zustimmung des Vatikans neben den römischen Legionären Cassius und Florentius zur Bonner Stadtpatronin erhoben.
Gleich zwei Klöstern stand die um 970 auf Burg Geldern geborene Adelheid vor, eine Tochter des fränkischen Grafen Megingoz und seiner Frau Gerberga: Dem von ihren Eltern gegründeten Stift in Vilich, das sie nach deren Tod in ein Benediktinerinnenkloster umwandelte, sowie dem Kloster St. Maria im Kapitol in Köln. Nicht zu Unrecht hat der Bonner Stadtdechant sie bei ihrer Erhebung zur Stadtpatronin als "Powerfrau" bezeichnet, als "eine in ihrer Zeit durchaus emanzipierte Frau, die wusste, was sie wollte und sich mit ganzer Kraft dafür engagierte, dass ihr Stift in Vilich ein Zentrum des Gebets und der Nächstenliebe war". In jungen Jahren hatte Adelheid sich ein breites Wissen auf dem Gebiet der Philosophie erworben, der Arithmetik, der Geometrie, der Astronomie und der Musik; viel gerühmt wurde sie von Zeitgenossen vor allem aber für ihren Dienst an den Armen und Notleidenden.
Von ihren Eltern war Adelheid zur Erziehung in das Kölner Ursulinen-Stift gegeben und später wieder aus diesem Kloster ausgelöst worden, um die Leitung des Vilicher Stifts zu übernehmen. Dem Wunsch ihrer Mutter, diese freiere Stiftsregel der Gemeinschaft der Frauen durch Annahme der strengeren Regel des heiligen Benedikt zu einem förmlichen Kloster umzugestalten, entsprach Adelheid jedoch erst nach deren Tod. „Gott verlangt keinen erzwungenen Dienst, sondern einen, der in der einfachen und reinen Gesinnung eines freiwilligen Herzens angeboten wird“, hatte sie ihre Ablehnung zunächst begründet, so lesen wir in der Vita Adelheidis, die 50 Jahre nach ihrem Tod von Sr. Berta in gutem Latein verfasst wurde. Diese Vita bietet einen guten Einblick in das Leben und Wirken der Hl. Adelheid und wurde im Jahr 2003 zum 1025. Stiftsjubiläum neu übersetzt und ist im Pfarramt St. Peter Vilich erhältlich.
Schwere Hungersnöte und Dürren hatten Köln und Umgebung um die Jahrtausendwende heimgesucht, und der Überlieferung zufolge soll Adelheid nicht nur Gaben an die hungernden Menschen verteilt, sondern auch deren Flehen erhört und ihren Äbtissinnen-Stab in die Erde gestoßen haben, woraufhin an dieser Stelle Wasser aus dem Boden sprudelte. Noch heute erinnert der Adelheidis-Brunnen in Pützchen an diese Begebenheit und die Gläubigen versprechen sich - vor allem bei Augenleiden - Heilung vom Wasser dieser Quelle.
Nach dem Tod ihrer Schwester Bertrada übernahm Adelheid zusätzlich zu ihren Pflichten in Vilich deren Amt als Äbtissin von St. Maria im Kapitol und musste ihre Zeit auf beide Ordenshäuser aufteilen. Bei einem ihrer Aufenthalte in Köln erkrankte sie wohl um 1015 und zeitgenössischen Quellen zufolge an einer Halsentzündung und starb nur wenige Tage später. Bestattet wurde Adelheid in Vilich, wo bis etwa 1650 auch ihre Reliquien ruhten. Seit einem Raubzug im Truchsessischen Krieg sind diese allerdings verschwunden, nur einzelne Reliquien wie beispielsweise Armknochen werden am Adelheidisfest ausgestellt, das jedes Jahr um ihren Gedenktag am 5. Februar gefeiert wird. Zudem besitzt die Stifts- und Pfarrkirche St. Peter kostbare Paramente aus der Barockzeit, die ebenfalls gezeigt werden.
Aus dem Hirtenwort von Josef Kardinal Frings anlässlich der Verkündigung der Heiligsprechung der Adelheid von Vilich am 8. Juni 1966:
Geboren um 970 auf Burg Geldern, verlebte Adelheid im Kreise ihrer vier Geschwister eine glückliche Kindheit. Schon früh wurde sie dem Stift bei St. Ursula in Köln zur Erziehung übergeben. Als die frommen Eltern nach dem Tode ihres einzigen Sohnes auf dessen Erbe im Auelgau ein Damenstift errichteten, setzten sie Adelheid vor 987 als dessen erste Äbtissin ein. Ihre große Liebe zum Gottesdienst, ihre Sorge um das Schulwesen und ihre Hingabe im Dienste der Armen und Kranken machten Stift Vilim zu einem vielbesuchten Mittelpunkt. Nach dem Tode ihrer Eltern wandte sie sich noch inniger Gott zu und führte, nachdem sie die strenge Regel der Benediktinerinnen ein Jahr lang in aller Stille im eigenen Leben erprobt hatte, diese in ihrem Kloster ein.
Nach dem Tode ihrer Schwester Bertrada, der Äbtissin von Maria im Kapitol in Köln, erwirkte Erzbischof Heribert im Jahre 1000 beim Kaiser ihre Ernennung zur Äbtissin auch dieses Klosters. Hier wurde sie zu seiner getreuen Helferin in der Bewältigung der schweren sozialen Nöte, die durch die Jahrtausendwende und die Hungersnöte der Jahre 1000, 1005, 1006 und 1009 über Land und Stadt hereinbrachen. Sie starb wohl 1015 nach kurzer Krankheit eines gottseligen Todes, betrauert vom Erzbischof und allem Volke, und wurde am 5. Februar nach Vilich überführt.
Gott selbst sorgte für ihre Verherrlichung. Der Heilung eines Blinden, gleich am 30. Tage nach ihrem Tode, folgten viele andere Wunder. Die alsbald einsetzende Verehrung hat mit Billigung der Kirche ununterbrochen bis in unsere Zeit angehalten. In ihrer frohen Hingabe an Gott, ihrem liebenden Dienst an der Jugend, an den Armen und den Kranken, ist diese tatkräftige Frau zu einem Vorbild auch unserer Zeit geworden.
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