Wilfried Schumacher
Stadtdechant

Wer glaubt ist nie allein
Predigt am Fest Stadtpatrone 2006

 Wer glaubt ist nicht allein – dieses Wort Benedikt XVI. in seiner ersten Predigt als Papst, stand über seinem Besuch in Bayern und steht auch als Leitwort über dieser Festdekade und diesem Fest.

 Wer glaubt ist nie allein – dies gilt nicht erst seit dem 24.April 2005. Dies finden wir schon so vor in der Heiligen Schrift. Als Jesus seine Jünger aussendet, fällt auf, dass er sie nicht allein auf den Weg schickt, sondern zu zweit. Glaube ist nichts für Einzelkämpfer! Doch damit  nicht genug: und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,
 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen
. Hier geht es nicht um bloßes Gottvertrauen, sondern um eine Konkretion dieses Wortes „Wer glaubt ist nie allein“. Überall, so war Jesus überzeugt, werde man auf Menschen stoßen, die bereits an die Botschaft vom Reich Gottes glaubten, und diese würden seine Boten schon nicht alleine lassen.

 Wenn wir in die junge Kirche schauen, dann begegnet uns diese biblische Prinzip in der römischen Kirche der ersten Jahrhunderte: oft werden immer zwei Heilige gleichzeitig verehrt, deren Lebensschickksal ein Gemeinsames war. Nicht nur Petrus und Paulus. Ich denke auch an Cosmas und Damian, an Pudentiana und Praxedis, an Sabina und Seraphina, Chrysanthius und Daria und an Fabian und Sebastian. Wer glaubt ist nicht allein. Auch die Verehrung der Märtyrer der Thebäischen Legion ist vom gemeinsamen  Zeugnis geprägt, Mauritius, Exuperius und Candidus, Ursus und Victor in Solothurn, Felix und Regula in, Zürich,  Cassius und Florentius in Bonn.

Aber was ist heute? Sind wir nicht alle Einzelkämpfer, wenn es um unsere Überzeugung geht? Wer weiß schon von seinen Kollegen, seinen Kommilitonen, seinen Freunden und Bekannten, ob sie glaubende Menschen sind. Seien wir ehrlich: wer heute seinen Glauben in einem Restaurant, in seinem Büro, in der Öffentlichkeit zeigt, ist oft bitter einsam. Da wird man schief angeschaut, von belächelt, nicht ernst genommen oder schlimmstenfalls  nicht befördert.

 Wenn aber der Muslime seinen Gebetsteppich ausbreitet oder jetzt im Ramadan tagsüber das Mit-Essen oder Mit-Rauchen verweigert, dann staunt man über den Mut und die Konsequenz. Fastet man als Christ in der Fastenzeit, dann kaschiert man es schnell als notwendige Diät und Abspecken, um nicht ein Lachen zu ernten. Wer glaubt ist oft allein.

 Wir brauchen als Christen Weltjugendtage, Papstbesuche, Katholikentage und Kirchentage – große Events, die uns bewusst machen, ich bin als Glaubender/Glaubende nicht allein. Wir brauchen solche Festtage wie heute, an denen viele Menschen zu dieser Feier zusammengeführt werden – das kann ermutigen und Kraft geben.

 Wir brauchen aber auch die Haltung eines Cassius und eines Florentius, die ihre Überzeugung nicht versteckt haben, sondern mit Konsequenz gelebt haben. Für sie war der Glaube keine Privatsache, sondern todernst. Nur indem sie ihn auch öffentlich gelebt haben, konnten sie erfahren: Wer glaubt ist nie allein.

In der Auseinandersetzung mit dem Islam wird es darauf ankommen, ob wir Christen Flagge zeigen statt auf Tauchstation zu gehen. Nicht im Gegeneinander, sondern im profilierten Miteinander.

Gewiss ist es oft leichter, in der Masse zu bleiben, nicht aufzufallen und mit dem großen Strom zu schwimmen aber nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

 Nun will ich hier nicht nur schwarz malen: es gibt in unserer Stadt auch viele Menschen, die aus ihrem Glauben keinen Hehl machen und tätig werden – im Engagement in den Kirchen und Gemeinden, in den Parteien und den Gewerkschaften, in Vereinen und Initiativen. Vielleicht müssten wir es uns nur noch bewusster machen – um auch außerhalb der Kirchenmauern zu erleben, wer glaubt ist nie allein.

Wer glaubt ist nie allein – das gilt nicht nur innerhalb der Kirchengrenzen, sondern auch über unsere Kirche hinaus. Wenn ich etwa gemeinsam mit dem Superintendenten zum „Runden Tisch Bonner Loch“ einlade oder wir uns zur Dauer des Weihnachtsmarktes engagieren, dann wird für mich damit auch das alte biblische Motiv Wirklichkeit: zu zweit sind wir ausgesandt und ich verspreche, wir werden uns auch weiter einmischen im Vertrauen darauf, auf Menschen zu treffen, die unsere Überzeugung teilen.

 Cassius und Florentius – unsere beiden Stadtpatrone laden uns ein, Ausschau zu halten nach denen, mit denen wir gemeinsam als Christen unterwegs, uns ihrer in unterschiedlichen Zusammenhängen neu zu vergewissern –Wer glaubt ist nie allein!