Wilfried Schumacher
Pfarrer und Stadtdechant

Predigt Fronleichnam 2000

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Es war eine grandiose Werbeidee, die Feiern zum 300.Geburtstag von Kurfürst Clemens-August mit dem Slogan zu versehen "Der Riß im Himmel".
Ein Fresko im Brühler Schloß, das hinter dem Kurfürsten ein Stück Firmament zeigt, bildet, nun mit einem Riss versehen, das Plakat zu den Feiern in diesem Jahr.
Ein Stück Himmel - gemalt, von Menschenhand gemacht, wie der Himmel, den sich die Christen in 2000 Jahren Kirchengeschichte immer wieder geschaffen haben, ein Stück Himmel, über das sie verfügen wollen und für den sie Eintrittskarten verteilt haben.

Wie kommt es zu einem Riß im Gewölbe? Wenn das Haus instabil wird, wenn die Statik nicht mehr stimmt, der Untergrund nicht mehr fest ist, sich verschiebt. In 2000 Jahren hat die Kirche selbst immer wieder für Instabiliät gesorgt, es gibt viele Risse in unserem selbstgemachten Himmel:

Alles Risse in unserem selbstgemachtem Himmel - es sind so viele, das sie nach 2000 Jahren Christentum wahrhaftig kein Werbeplakat hergeben würden. Und anscheinend denken viele Menschen so, sie wenden uns den Rücken zu, wollen nichts mit uns zu tun haben, begegnen uns mit Satire und Ablehnung.

Welches Werbeplakat können wir ihnen anbieten?

Mir kommt das Altarbild vom Altar der Stadtpatrone in der Münsterbasilika in den Sinn. Dort wird ein anderer Himmel dargestellt, der Himmel über unserer Stadt - man sieht die Stadtsilhouette aus dem 17.Jahrhundert.
Dieser Himmel hat keinen Riß, mehr noch: es ist ein offener Himmel. Dieser Himmel ist nicht von Menschenhand gemacht, Gott selbst hat ihn geöffnet, Jesus Christus hält ihn offen.
Der Riß im Himmel ist ein Werk der Zerstörung - der geöffnete Himmel ein Werk des Friedens. So haben wir es eben in der Lesung aus dem Epheserbrief gehört:

Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet. Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen. Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater. (Eph 2,15b-18)

Das Altarbild in der Münsterbasilika gibt uns einen Einblick in unsere Zukunft. Sie verliert sich nicht im Nichts, sondern sie bedeutet für uns Zugang zum Vater zu haben, nicht aufgrund unseres Verdienstes, unserer Leistung, unserer Herkunft, unseres Standes, unserer Konfession, sondern einzig und allein weil Christus ihn für uns geöffnet hat. Sein Frieden ist der Schlüssel!

Liebe Schwestern und Brüder,

der geöffnete Himmel nimmt uns aber auch in die Pflicht:
Wenn wir gleich mit der Prozession durch die Stadt ziehen, wird das Allerheiligste unter einem Baldachin getragen, im Volksmund" Himmel" genannt. Wenn er das ganze Jahr auf seinen Einsatz wartet, ist es nur ein nutzloses Stück Stoff. In der Prozession über der Monstranz wird es zum "Himmel".

Seht her, so wollen wir den Menschen sagen, wir haben die Lektion verstanden, unser Himmel hat keinen Riß, Gott selbst hat ihn geöffnet - für euch alle!