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               Kardinal Meisner

 

01.06.2011 | Bonner Münster

 

Gänsetreiben bei sanftem Wasser-Geplätscher

 

Münster-Carré übernimmt Patenschaft für den Martinsbrunnen vor der Haustüre

 

 

Einer von mehr als 100 städtischen Brunnen ist der Martinsbrunnen vor dem Westportal des Bonner Münsters, für den das Münster-Carré die Brunnenpatenschaft übernommen hat. Grund hierfür ist nicht nur die direkte Nachbarschaft, sondern die eng verwobene Geschichte des Brunnens mit dem Bonner Münster und der Kirchengemeinde St. Martin wie auch die reiche Tradition von Martins-Umzügen mit Laternen, Fackeln, Musik und Gänsen.

 

Inspiriert durch den starken und unaufhaltsamen Storm des Rheins feiern die Rheinländer ihre Feste gern mit viel Dynamik. Ob Fronleichnam, Karneval oder St. Martin – „Haupsache de Zoch kütt“ (Bönnsch. Meint: Die Krönung eines Festes ist der Umzug.) - Mehr als 50 Martinszüge ziehen heute noch durch die Bundesstadt. Höhepunkt ist der Innenstadtzug „Bonn-Zentral“, organisiert vom Martins-Ausschuss der Münster-Pfarre. Kein Wunder also, dass dem Martins-Fest ein eigener Brunnen gewidmet wurde, welcher einige Bräuche zum Martinsfest aufgreift.

 

Den wenigsten Passanten lassen ihn links liegen, viele nutzen seinen steinernen Rand vielmehr für eine kurze Verschnaufpause in der Mittagshitze, und so mancher Knirps kommt nicht an ihm vorbei, ohne wenigstens einmal kurz die Finger durchs kühle Nass zu ziehen. Auch wenn das sprudelnde Nass zum Bereich der Kirchengemeinde St. Martin gehört, trifft es der etablierte Name „Martinsbrunnen“ eigentlich nur halb. „Martinitreiben“ nämlich nannte der Künstler Heinrich Götschmann seinen Brunnen, dessen Figuren er bis 1902 in Bronze gießen ließ. Die von ihm entworfene Szenerie zeigt Kinder, die versuchen, Gänse für das Festessen am Martinstag (11.11.) einzutreiben – einen etwas größeren Hirten, einen kleineren Gänsebub, die Gänseliesel und vier Stück schnatterndes Federvieh. Über ihnen ein Junge mit Laterne.

 

Keine 40 Jahre später wurden diese Bronzefiguren während des Zweiten Weltkriegs zu Rüstungszwecken schon wieder eingeschmolzen, doch setzte sich der Martins-Ausschuss der Pfarrei in den 50er Jahren dafür ein, die den Bonnern lieb gewordene Stätte wieder zu errichten – zum Glück hatten die Gipsabdrücke der historischen Kinder- und Gänsefiguren den Krieg und die ersten Nachkriegsjahre, in Kisten verpackt und auf einem städtischen Bauhof deponiert, unbeschadet überstanden.

 

Rund 30.000 Mark kostete 1958 die Wiederherstellung des historischen Brunnens durch einen Steinmetzbetrieb im Westerwald und die Bronzekunstgießerei Peter May in Köln; ein gutes Drittel davon sammelte der Martins-Ausschuss selbst, den Rest zahlten die Stadt Bonn und der Landschaftsverband.

 

Selbst wenn es kältebedingt nicht plätschert, unterstreichen winterlich-weiße Schneekrönchen nur die zauberhafte Kulisse, während der offiziellen Brunnensaison von Mai bis September aber rauscht das Wasser am Westportal des Münsters mit nachbarlicher Unterstützung. Das Münster-Carré hat die Patenschaft über den Martinsbrunnen und damit auch die Kosten für die sommerlichen Wasserspiele gerne übernommen. Dank dieses Sponsorings wird der Martinsbrunnen nun sogar über das eigentliche Saisonende hinaus sprudeln – spielt Petrus mit, bis in den Oktober hinein und täglich von 10 bis 20 Uhr.

 

Für die Brunnenpatenschaft hofft man im Münster-Carré auf viele Nachahmer zum Wohle der Stadt und zur Freude der Menschen.

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