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30.05.2011 | Bonner Münster
Tschüss Zivi! - Hallo Bufdi?
Dienstschluss für den letzten Zivildienstleistenden am Bonner Münster – Gemeindeverband sucht Ersatz über den Bundesfreiwilligendienst
Fast könnte man sagen, mit ihm geht der Letzte seiner Art: Zivildienstleistende jedenfalls wird es am Bonner Münster und in den Einrichtungen des katholischen Gemeindeverbandes nach dem Weggang von Matthias Bildhauer nicht mehr geben. Sein Dienst endet wie gesetzlich vorgesehen zum 1. Juni, genau einen Monat bevor es mit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht auch keinen Zivildienst mehr geben wird, sondern einen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi). Der Bedarf an engagierten Hilfskräften aber bleibt; wie bei Wohlfahrtsverbänden, Krankenhäusern, Pflegediensten und anderen Institutionen sucht man auch beim katholischen Gemeindeverband Bonn nach Ersatz und sieht den Zivi nur ungern ziehen.
Auch Matthias Bildhauer ist der letzte von 13 Zivis, die seit 1998 im Gemeindeverband tätig waren. Seine Zeit hat er bis zum letzten Tag „ausgereizt“, denn eigentlich hätte der 19-Jährige schon nach sechs Monaten und damit zum 1. März seinen Zivildienst abgeleistet – der Einsatz am Münster aber hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er eine Verlängerung um drei Monate beantragte. „Meine Arbeit war sehr vielfältig, ich habe in den Bereich Veranstaltungsmanagement genauso hinein schnuppern können wie bei der Vorbereitung und Durchführung kirchlicher Feste helfen“, meint Bildhauer. „Kirchliche Traditionen und Rituale gehören für mich einfach dazu. Und sowieso ist das Münster mit seinem Kreuzgang einer der schönsten Arbeitsplätze in ganz Bonn.“
Seit seiner Erstkommunion und bis zum 18. Lebensjahr war Bildhauer in seiner Heimatgemeinde in Brühl Messdiener – mag sein, dass dies bei manchen Jugendlichen als „uncool“ gilt, die der Freiwilligendienst besonders ansprechen möchte; für den 19-Jährigen mit der raspelkurzen Frisur aber ließ sich das ganz prima mit seinen Hobbies Karate, Judo und Kick-Boxen vereinbaren. „Klar hilft es, wenn man sich mit Kirche auskennt“, sagt er, eine Einstellungsvoraussetzung aber sei das nicht. Und das Einsatzgebiet Münster-Carré und Münster-Basilika sei sicher für jede und jeden abwechslungsreich genug: „Anders als in meiner Schulzeit bin ich in den letzten neun Monaten nie mit dem Gefühl aufgewacht, lieber doch noch etwas im Bett liegen bleiben zu wollen“.
Umgekehrt wird dem letzten Zivi sicher manche Träne nachgeweint werden – das Engagement der (Kriegsdienst-)„Verweigerer“ ist 50 Jahre nach Einführung des Wehrersatzdienstes aus dem sozialen Bereich kaum wegzudenken und hoch geschätzt. Genau 2.721.448 junge Männer wurden in diesen 50 Jahren zum Zivildienst einberufen, besagt die Statistik des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Diese leisteten zusammen weit über vier Millionen Arbeitsjahre Dienst an der Gesellschaft. Allein mit Kräften des Bundesfreiwilligendienstes, den „Bufdis“, könnten die Zivis an den derzeit rund 70.000 anerkannten Zivildienststellen nicht vollständig ersetzt werden, hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder einräumen müssen. Und auch für den Geschäftsführer des katholischen Gemeindeverbandes in Bonn, Lothar Schneider bleibt offen, ob es für seinen Bereich künftig genügend Freiwillige geben wird.
Anders als der Zivildienst steht der neue Bundesfreiwilligendienst allen offen: Alte und Junge, Männer und Frauen können sich um eine Stelle bewerben, verpflichten sich für sechs bis 24 Monate mindestens 20 Stunden pro Woche zu arbeiten und erhalten eine monatliche Vergütung von höchstens 330 Euro. Im Bonner Stadtdekanat stehen den Bufdis viele Türen offen.
Matthias Bildhauer jedenfalls mag seine neun Monate am Münster nicht missen – auch wenn er sich schon auf den Herbst freut, wenn er sein Studium an der Technischen Hochschule Aachen aufnimmt. „Ich habe hier so viele nette Kollegen kennen gelernt und kann deren Engagement nur bewundern“, meint der angehende Wirtschaftsingenieur mit Spezialgebiet elektrische Energietechnik. „Ich bin sicher, dass ich das prima Klima am Münster so schnell nicht vergessen und hoffentlich auch daran denken werde, wenn ich später selbst mal irgendwo der Chef bin.“ |
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