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31.12.2010
"Es war auch Gottes Jahr mit uns"
Stadtdechant predigt zum Jahreswechsel Deutliche Worte fand Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher in seiner Silvesterpredigt. Er nannte nicht nur den Missbrauchsskandal in der katholische Kirche und seine Folgen einen "Super-GAU für kirchliches Handeln", auch die politische Situation in der Bundesstadt stieß auf Kritik. Das Jahr 2010 sei verbraucht, sagte der Münsterpfarrer, aber es könne nicht recycelt werden wie vieles andere im Leben. Als Christ halte man das Jahr in den Händen vor Gott. Seine Güte und Treue sei das einzig Beständige in diesem Jahr gewesen. In seinem Buch des Lebens werde das Jahr 2010 jetzt aufgehoben.
Der Stadtdechant, der noch kurz vor Weihnachten für eine Predigt zum Thema "Missbrauch" ausgezeichnet worden war, sprach von einem "furchtbaren Skandal", der wie ein Tsunami über die Kirche hereingebrochen sei und viele Menschen mit fortgespült habe: "Plötzlich wurde offenbar, wie Menschen in der Kirche, Priester, Ordensleute, Pädagogen junge Menschen missbraucht haben. Was wir da über viele Monate und Wochen hören mussten, hat viele angeekelt, beschämt und fassungslos gemacht. Das unfassbare Leid in den Seelen von Kindern, von jungen Menschen ließ sich nicht mehr übersehen und überhören."
Genauso wie der Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch schon im September feststellte, sagte Schumacher, viele Menschen hätten in diesem Jahr das Vertrauen in die Kirche und auch den Glauben an Gott und die Hoffnung auf seine beschützende Liebe verloren haben. Viele erlebten wie ihr ohnehin angefochtener Glauben nun noch schwächer wurde als zuvor.
Der ranghöchste katholische Geistliche in der Stadt ging auch auf die kommunale Situation ein: "Es ist das Jahr, in dem wir in unserer Stadt erlebten mussten, wie sich plötzlich über eine optimistischen Region, in der man gerade einen Strukturwandel erfolgreich bewältigt hatte, ein Grauschleier legte". Einem mutmaßlichen koreanischen Betrüger sei die Ehre zuteil geworden, die Stimmung einer ganzen Stadt ins Gegenteil zu verkehren. "Erschrocken musste man mit ansehen, wie der politische Umgangsstil immer mehr härter wurde", sagte Msgr. Schumacher und fügte hinzu: "Als ob wir in Bonn nicht schon ganz andere Herausforderungen bewältigt hätten?"
Trotz negativer Bilanzen auch im persönlichen Leben seiner Zuhörer, war der Stadtdechant aber überzeugt: "Es war auch Gottes Jahr mit uns - geprägt von seiner Güte, seiner Liebe und Treue, die uns vielleicht nicht in jedem Augenblick dieses Jahres bewusst war, aber die das Beständige in der vergehenden Zeit ist. " Er lud die Gläubigen ein, dankbar den Jahreswechsel zu begehen.
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