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02.05.2010
Nichts wird mehr wie vorher sein
Manche können die Diskussionen um Missbrauch und Misshandlung in der Kirche nicht mehr hören. Aber selbst wenn sie sich innerlich die Ohren zuhalten, wir müssen uns der Kritik, dem Vertrauensverlust, den schlimmen Erinnerungen, den Verwundungen der Menschen stellen. Wir müssen es aushalten! Wir dürfen weder die Ohren noch die Herzen davor verschließen und erst recht nicht den Menschen den Mund verbieten. Auch wenn vieles sehr weh tut und man an der eigenen Geschichte mit der Kirche zweifelt.
Ich erlebe eine zunehmende Verunsicherung. Die öffentliche Diskussion befördert auch viele eigene Erlebnisse wieder an die Oberfläche: die eigenen schlechten Erfahrungen, der eigene Ärger, die persönliche Enttäuschung über Amtsträger und das Handeln der Kirche. Das ist schmerzvoll für viele. "Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm", so spricht der Apostel Paulus von der Kirche. "Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit." Was das heißt, ist mir noch nie so bewusst geworden wie in diesen letzten Wochen. Das was Menschen erlitten haben in jeder Hinsicht, ist auch mein Leid.
Wir können den Leib nicht spalten in die Leidtragenden und die vom Leid Verschonten. Um das, was wir jetzt erleben, mitzutragen und so erträglicher zu machen, um Verunsicherungen und Fragen zu klären und nach Antworten zu suchen, bieten wir jetzt unter dem Titel "Kirche in der Kritik stellt sich dem Gespräch" jeweils mittwochs von 17:00 bis 19:00 die Möglichkeit des Gesprächs mit Pastoralkräften und Psychologen allein oder in einer kleinen Gruppe im Münster-Carré an. Wir müssen uns dem, was geschehen ist, stellen und gleichzeitig gemeinsam nach den Konsequenzen schauen.
Nichts wird mehr wie vorher sein. In meiner Osterpredigt hatte ich für eine "demütige Pastoral" plädiert. Gemeinsam mit dem Citypastoralrat am Bonner Münster möchte ich am Montag, 3.05.2010 um 20:00 im Gangolfsaal in einer öffentlichen Sitzung überlegen, was das bedeutet. In der Sitzung wird Prof. Dr. Rainer Bucher (Bonn/Graz) ein Kurzreferat zum Thema halten: "Wider die erhabene Perspektive auf die anderen - Pastorale Konsequenzen aus der aktuellen Krise der Kirche". An den anschließenden Überlegungen des Citypastoralrates können sich die Zuhörer auch beteiligen. Die Moderation liegt in den Händen von Burkhard Severin. Sehr herzlich lade ich dazu ein.
Msgr. Wilfried Schumacher
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