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               Kardinal Meisner

 

25.04.2010

 

Gegen Hoffnungslosigkeit und Resignation

 

 

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Unsere Stadt

Foto: Presseamt Bundesstadt Bonn.

Die letzten Monate sind schwierig für unsere Stadt. Seit einem dreiviertel Jahr haben wir einen Grauschleier über sie gezogen. Wie stolz waren wir auf uns, dass wir den Strukturwandel bewältigt hatten? Unsere Stadt wächst, in den Städtevergleichen landeten wir auf ansehnlichen Plätzen. Und dann war plötzlich das Jammern angesagt und wir haben uns selbst die Hoffnung ausgetrieben. Kein Zweifel, dass Fehler und Versäumnisse aufgeklärt werden müssen; aber gestatten wir doch mutmaßlichen koreanischen Betrügern nicht, uns so an die Kette zu legen. Sie haben schon genug Schaden angerichtet.

 

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die spielt vor 2500 Jahren und ist doch noch aktuell. Im Jahr 587 vor Christus ist Jerusalem umstellt von den Truppen Babylons. Und der Prophet Jeremia prophezeit: "Alles wird zerstört werden!" Folglich muss er wegen Wehrkraftzersetzung ins Gefängnis. In dieser Situation erhält er den göttlichen Auftrag: "Kauf dir einen Acker in Anatot". – Die Sache hat nur einen Haken. Anatot liegt vor den Toren Jerusalems, im feindlichen Gebiet. Jeremia ist im Begriff, das schlechteste Geschäft seines Lebens zu machen. Dennoch wird der Handel öffentlich und in aller Feierlichkeit vollzogen. Verrückt! Jeremia setzt in aussichtsloser Lage ein Zeichen der Hoffnung.

 

Der Karfreitag ist erst drei Wochen her. Ein Tag der Hoffnungslosigkeit. - Und zwei Tage später haben wir Ostern gefeiert. Wir haben alle gleichsam einen Acker in Anatot gekauft, haben unsere Hoffnung über die Hoffnungslosigkeit gesetzt und feiern dies in diesen Wochen.

 

Es gibt Menschen unter uns, die geben die Hoffnung nie auf, obwohl Egoismus, Vorurteile, Ängste, Kälte, Gleichgültigkeit, Schweigen Ellbogenmentalität, Lüge und die Untreue in Beziehung schnell zur Resignation führen können. Es gibt Menschen unter uns, die versuchen es mit dem Anderen immer wieder neu. So kaufen sie immer wieder einen Acker in Anatot. Es sind gewiss schwierige Zeiten für unsere Stadt. Ich möchte nicht tauschen mit denen, die angesichts der Krise auch der öffentlichen Finanzen die Entscheidungen treffen müssen. Aber keine Entscheidung, so bitter sie auch im Einzelnen sein mag, darf uns die Hoffnung nehmen.

 

Wir müssen den Acker in Anatot kaufen.

Er liegt mitten in unserer Stadt.

 

Msgr. Wilfried Schumacher

Münster-Pfarrer

 


Aus dem Buch des Propheten Jeremia im Alten Testament (Kapitel 32, Verse 1-15)

 

Das Wort, das vom Herrn an Jeremia erging im zehnten Jahr Zidkijas, des Königs von Juda - das ist das achtzehnte Jahr Nebukadnezzars. Damals belagerte das Heer des Königs von Babel Jerusalem. Der Prophet Jeremia befand sich im Wachhof am Palast des Königs von Juda in Haft. Dort hatte ihn Zidkija, der König von Juda, gefangen gesetzt mit der Begründung: Warum hast du geweissagt: So spricht der Herr: Ich gebe diese Stadt in die Hand des Königs von Babel, und er wird sie erobern. Auch Zidkija, der König von Juda, wird der Hand der Chaldäer nicht entrinnen, sondern in die Hand des Königs von Babel gegeben werden, so dass er von Mund zu Mund mit ihm reden und ihn Auge in Auge sehen wird. Er wird Zidkija nach Babel bringen; dort wird er bleiben, bis ich ihn zur Rechenschaft ziehe - Spruch des Herrn. Wenn ihr mit den Chaldäern Krieg führt, werdet ihr kein Glück haben. Jeremia sagte: Das Wort des Herrn erging an mich: Hanamel, der Sohn deines Onkels Schallum, wird zu dir kommen und sagen: Kauf dir meinen Acker in Anatot; denn dir steht es nach dem Einlösungsrecht zu, ihn zu kaufen. Tatsächlich kam Hanamel, der Sohn meines Onkels, dem Wort des Herrn gemäß zu mir in den Wachhof und sagte zu mir: Kauf doch meinen Acker in Anatot [im Land Benjamin]; denn du hast das Erwerbs- und Einlösungsrecht. Kauf ihn dir! Da erkannte ich, dass es das Wort des Herrn war. So kaufte ich von Hanamel, dem Sohn meines Onkels, den Acker in Anatot und wog ihm das Geld ab; siebzehn Silberschekel betrug die Summe. Ich schrieb die Kaufurkunde, versiegelte sie, nahm auch Zeugen hinzu und wog das Silber auf der Waage ab, alles nach Gesetz und Vorschrift. Dann nahm ich die Kaufurkunde, die versiegelte und die offene. Ich übergab die Urkunde Baruch, dem Sohn Nerijas, des Sohnes Machsejas, in Gegenwart Hanamels, des Sohnes meines Onkels, und vor den Zeugen, die die Kaufurkunde unterschrieben hatten, sowie in Gegenwart aller Judäer, die sich im Wachhof aufhielten. In ihrer Gegenwart gab ich Baruch den Auftrag: [So spricht der Herr der Heere, der Gott Israels:] Nimm diese Urkunden, die versiegelte Kaufurkunde und auch die offene, und leg sie in ein Tongefäß, damit sie lange Zeit erhalten bleiben. Denn so spricht der Herr der Heere, der Gott Israels: Man wird wieder Häuser, Äcker und Weinberge kaufen in diesem Land.

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