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18.04.2010
Das Kind in uns
"Mit dem Herzen, mit dem Munde schwören wir, Gott treu zu sein" - so sangen wir. Erinnern Sie sich noch? Wir Jungen standen in unseren dunklen Anzügen und kratzenden Strümpfen, die Mädchen in ihren weißen Kleidern mit brennenden Kerzen in den Händen vor dem Altar und legten unser Glaubensbekenntnis ab. Erstkommunion! Lange ist es her. Damals war die Welt für mich noch in Ordnung. Heute bin ich erwachsen und kenne ein Stück von der Welt und vom Leben.
Ich weiß, dass nicht alles so rosig aussieht, wie ich es mir als Kind geträumt habe. Kompliziert und grausam kann diese Erde sein und die Menschen machen sich das Leben gegenseitig schwer. Ich habe Kinder sterben sehen und an Gott gezweifelt, ihm meine Fragen entgegen geschleudert angesichts des menschlichen Verstandes, dessen Sinnen und Trachten danach steht, einander immer perfekter zu vernichten. Ich lese von immer neuen Katastrophen, bemerke, wie teilnahmslos wir Menschen geworden sind, wie wir zwar klagen über so manche Ungerechtigkeit, aber kaum etwas dagegen unternehmen. Die Liste der Frustrationen ist lang, nicht nur bei mir, sondern gewiss auch bei vielen anderen, bei denen, die heute Jubelkommunion feiern.
Als Erstkommunionkinder hatten wir es gut. Solange wir noch nicht zu Erwachsenen geworden waren, konnten wir uns über Geschenke freuen, ohne gleich an die Gegenleistung zu denken, auf die Menschen zugehen, offen, neugierig, voller Fragen. Wir vergaßen im Spiel die Zeit, tauchten dabei ein in eine andere Welt. Glauben fiel uns leicht. Wir hatten oft einen direkten Zugang zu Bildern, die wir uns heute mühsam entschlüsseln müssen.
"Die großen Leute", so heißt es in "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupery, "verstehen nie etwas von selbst, und für Kinder ist es zu anstrengend, ihnen immer und immer erklären zu müssen." Im Neuen Testament vergleicht Jesus die Menschen im Reich Gottes mit Kindern.
Die Zeit lässt sich für uns nicht zurückdrehen, unsere Kinderschuhe passen uns nicht mehr. Aber das Kind in uns dürfte schon öfter zum Vorschein kommen. Vielleicht fiele uns dann manches leichter, mit uns selbst, mit den anderen, mit Gott.
Wilfried Schumacher Münster-Pfarrer
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