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04.04.2010 | citypastoral
Hoffnungsgeschichten
Eine E-Mail, die ich am Palmsonntagabend erhielt, ist für mich zu einer Ostergeschichte geworden. Da schreibt mir jemand:
"Meine Dienstreise führte mich in dieser Woche für vier Tage nach Bonn. Am Mittwoch besuchte ich vor einem Abendtermin die Abendmesse im Münster. Während der Messe kam ein an seiner Kleidung augenscheinlich erkennbarer Obdachloser mit seinen Habseligkeiten in einem großen Netz in die Kirche. Es schien, als kenne er den Weg und ist sicher oft in der Kirche. Er eilte ganz schnell - so, als schämte er sich - zum Opferstock der Marienfigur, warf eine Münze hinein und eilte wieder aus der Kirche. - Ich war beeindruckt. Mich beeindruckte, dass jemand, der nur wenig besitzt und nicht akzeptiert ist in der Gesellschaft, von seinem Wenigen etwas in den Opferstock der Marienfigur wirft. Also beschloss ich, am nächsten Tag bei einem Gang in die Stadt auch nach dem Mann Ausschau zu halten, um ihn evtl. darauf anzusprechen, wie er mich mit seiner Geste beeindruckt hat und ihm etwas zuzustecken, das er sicher gut gebrauchen kann. Aber ich fand den Mann nicht. Einige Stunden später auf dem Weg zum Museum musste ich am Bahnhof eine Fahrkarte an einem Automaten kaufen. Als ich den Bildschirm betrachtete, sprach mich inmitten der Menge jemand an, ob ich ihm fünf Euro wechseln kann. Ich drehte mich um: Es war der von mir am Vormittag Gesuchte! Ich war ganz durcheinander, wechselte ihm die Summe und war dankbar für die Gelegenheit, ihm etwas zu geben. Wie ich es mir vorgenommen hatte, sprach ich ihn also auf meine Beobachtung in der Kirche und meinen Respekt an und wollte ihm zu dem Wechselgeld ein paar Euro mehr geben. Doch er lehnte ab mit den Worten, ich solle das Geld an den Pfarrer des Münsters geben. Das habe ich heute mit einer kleinen Spende getan. Den, den ich vergeblich suchte, hat mich zwar nicht gesucht, aber gefunden. Was ich ihm geben wollte, sollte für Alle sein. Den, den ich mich Reichtum vergeblich beschenken wollte, hat mich mit seiner Armut reich beschenkt."
Von solchen Geschichten kann man leben! Ähnlich wie von den Ostergeschichten des Neuen Testaments, die uns in diesen Wochen erzählt werden. Es sind Hoffnungsgeschichten, sie leuchten wie Licht in der Dunkelheit. Ich wünsche Ihnen auch solche Erfahrungen.
Gesegnete Ostern!
Msgr. Wilfried Schumacher Münster-Pfarrer |
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