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28.03.2010
Weg der eigenen Wahrheit
In der vergangenen Woche war ich Teilnehmer einer Tagung im Regensburger Priesterseminar. In einer Tagungspause hatte ich die Gelegenheit in einem Seitenflur einen modernen Kreuzweg des bayrischen Künstlers Fritz Baumgartner (+2006) zu sehen. Ein Bild faszinierte mich. Es heißt "Gethsemane" und zeigt eine Gestalt von der immer mehr Masken abfallen bis am Schluss eine schon fast kindliche Gestalt übrig bleibt - jedenfalls so meine spontane Deutung.
Eine interessante Darstellung des Eintritts in die Leidensgeschichte. Alles, aber auch wirklich alles, was es vielleicht noch an Vorbehalten gab, musste von Jesus abfallen, sodass er am Ende sagen konnte: "Abba, Vater, dein Wille geschehe!" Der Hebräerbrief im Neuen Testament schreibt: "Er hat durch Leiden Gehorsam gelernt". So war er in der Lage, den Weg zu gehen, beginnend mit dem Verrat durch den Weggefährten bis zum Tod am Kreuz.
Wir sind in der kommenden Woche eingeladen, den Weg mitzugehen, nicht als Zuschauer, die zwar immer wieder erschrocken sind und doch letztlich teilnahmslos bleiben - im wahrsten Sinne des Wortes. Nein, es geht auch bei uns darum, die Masken abzulegen, die wir im Alltag tragen, die wir je nach Situation benötigen, damit nicht irgendeine Rolle von uns, sondern wir selbst mit den Geschehnissen damals in Jerusalem konfrontiert werden. Unser Fastentuch hat das Leiden des Herrn ja schon sehr konkret hinein geholt in unsere Gegenwart. Gewiss haben Sie es auch schon erlebt: mit jemandem mitleiden verlangt, dass ich mir sein Leid, seine Verwundung zu eigen mache, dass ich mit ihm die Schwäche und Ohnmacht teile. Wer neigt da nicht zum Davonlaufen, wer möchte da nicht das Weite suchen, wie die Jünger in Jerusalem? Oder schnell wieder in eine Rolle schlüpfen, in der mich das Kostüm auch schützt?
Das Passionsbild von Fritz Baumgartner lädt ein, diesen mühevollen Weg zu gehen und mich von den Masken zu trennen, ganz zu meiner eigenen Wahrheit vorzustoßen. Ein mühsamer Weg, aber in den nächsten Tagen erleben wir wieder, das einer ihn schon vor uns gegangen ist.
Msgr. Wilfried Schumacher Münster-Pfarrer
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