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21.03.2010
Bonns Kirche schweigt nicht
von Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher
Die Kirche steht in diesen Wochen im Fokus der Öffentlichkeit. Auch der Bonner Stadtdechant kann sich dem nicht entziehen. Mir lag eine Interviewanfrage vor zum Thema "schlechte Stimmung in der katholischen Kirche angesichts der Missbrauchsfälle". Dazu wollte ich mich allerdings nicht äußern, denn dazu habe ich nichts zu sagen, weil es nicht mein Thema ist. Angesichts der vielen Missbrauchsfälle ist es nicht an der Zeit, über "schlechte Stimmung" zu räsonieren. Die haben wir hinzunehmen in der Konsequenz dieser furchtbaren Vorfälle. "Stadtdechant schweigt", titelte daraufhin die Zeitung.
Predigt und Gedenkminute bereits am 7. März Die Gläubigen im Bonner Münster und die Besucher unserer Webseiten wussten es besser: sie kannten meine Predigt vom 7. März, zu deren Beginn ich "in Ehrfurcht vor den Opfern, in tiefer Scham, was Menschen im Schutz des geistlichen Amtes angerichtet haben, im Eingeständnis der Schuld, die die Kirche, zu der wir alle gehören, auf sich geladen hat" eine Minute lang mit den Zuhörern in der Basilika geschwiegen hatte.
Innerkirchliche Maßnahmen bereits eingeleitet Es gab vorige Woche eine Konferenz der Leitenden Pfarrer in Bonn unter meinem Vorsitz. Wir haben uns sehr ausführlich mit dem Thema nach einem Bericht von Dechant Dr. Wolfgang Picken über die Situation im Dekanat Bad Godesberg beschäftigt, wo man nach Bekanntwerden der Vorfälle am Aloysius-Kolleg eine Hotline eingerichtet hat. Das Ergebnis ist ein Studientag in den Wochen nach Ostern für unsere Haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern über Konsequenzen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der Seelsorge. Auf einer Konferenz bei Kardinal Joachim Meisner, an der ich teilnahm, wurde angekündigt, solche Studientage bistumsweit verpflichtend anzubieten. Ich habe dafür votiert, sie so schnell wie möglich zu veranstalten, um auch vielen Unsicherheiten zu begegnen. Eine Veranstaltung in der Pfarrei St. Peter am Donnerstag, 25. März um 19.30 Uhr in der Stiftskirche, Kölnstraße, unter dem Thema „Missbrauch bewältigen in Ehrlichkeit, Trauer und Solidarität“ soll „Pilotcharakter“ haben. Meine zuständige Referentin wird daran teilnehmen und prüfen, inwieweit wir dieses Veranstaltungsformat den Seelsorgebereichen als „Muster“ für ähnliche Veranstaltungen anbieten können.
Wir schweigen nicht, aber wir reden auch nicht nur, sondern handeln.
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