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               Kardinal Meisner

 

17.11.2009 | Bonner Münster-Stiftung

 

Stell‘ Dir vor, es ist Weihnachtsmarkt und keiner geht hin!

 

Biergarten mit Lametta und Lichterkette auf dem Münsterplatz

 

„Stell‘ Dir vor, es ist Weihnachtsmarkt und keiner geht hin!“ – Seit Freitag gibt es wieder Glühwein in Massen auf den Plätzen der Innenstadt; dazwischen Verkaufsbuden und überall Weihnachtsdekoration. Die meisten Menschen stöhnen zwar, dass schon ab September das Weihnachtsgebäck beim Discounter liegt, aber es ändert sich nichts daran, weil es wohl auch gekauft wird.

 

Viele unserer Zeitgenossen haben verlernt, dass es für alles eine bestimmte Zeit gibt. Hinzu kommt: vieles ist nicht mehr Inhalt allgemeiner Bildung. Was feiern Christen an Weihnachten oder Ostern eigentlich? Wie beten sie und an wen richten sie dieses Gebet? Was tun sie da Sonntag für Sonntag in der Kirche? Was genau ist ein Papst? Oder warum machen Katholische und Evangelische nicht einfach gemeinsame Sache? All das wissen viele nicht (mehr), ist längst nicht mehr Inhalt allgemeiner Bildung.

 

Für einen Großteil ist Weihnachten nicht das Fest der Geburt Jesu, sondern der Gedenktag des Weihnachtsmannes und manchen muss man erst erklären, dass nirgendwo im Neuen Testament ein Rentier namens Rudolf erwähnt wird. Diesen „Traditionsabbruch“ können wir beklagen, aber er bleibt trotzdem Realität.

 

Soziologisch lässt sich sagen: Der Traditionsabbruch gilt je stärker, je männlicher, je jünger, je bildungsschwächer und je ostdeutscher jemand ist. Wobei dies nicht mit aggressiver noch mit blasphemischer noch mit einer oberflächlichen Grundhaltung geschieht. Man weiß es einfach nicht mehr. Und wer es nicht mehr weiß, hat auch kein Gefühl mehr dafür, was uns die besonderen Zeiten des Jahres bedeuten. Er fragt sich mit Recht: weshalb soll ich nicht schon im November Glühwein in Massen konsumieren? Sozusagen „Bier“garten mit Lametta und Lichterkette.

 

Wir geben uns nicht damit zufrieden, sondern setzen Zeichen: die „Kirchenmeile“ öffnet erst zum ersten Advent. Unser Angebot möchte viele ansprechen, die die Wochen vor Weihnachten nur noch mit einer „besonderen Stimmung“ verbinden. Und noch etwas: unsere Krippe wird erst zu Weihnachten aufgebaut, obwohl viele schon am ersten Advent danach fragen.

 

Ich persönlich folge meinem Eingangssatz: Ich meide den Weihnachtsmarkt, auch wenn ich Umwege machen muss bis nächsten Samstag. Und was machen Sie?

 

Msgr. Wilfried Schumacher

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