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19.07.2009 | Bonner Münster
An den Pranger mit den Bauleuten
Bei vielen Gelegenheiten legen mir meine Gesprächspartner die Hand auf die Schulter und trösten mich: „wir sind seit drei Jahren in unserem neuen Gebäude und kämpfen immer noch mit den Baumängeln“, heißt es dann oder: „bei unserem Großprojekt gab es 200.000 Baumängel“. Ein schwacher Trost angesichts der Bauarbeiten, die in den nächsten Wochen am Neubau neben der Westfassade in der Gangolfstraße durchgeführt werden müssen.
Nicht nur das Flachdach über dem Foyer ist undicht. Auch das Geländer wurde nur unzureichend befestigt bzw. die Befestigungen haben sich wieder gelöst. Seit Monaten sind wir damit beschäftigt, im Neubau und Altbau Baumängel aufzulisten, Gutachter heranzuziehen und für Abhilfe sorgen zu lassen. Das ist ärgerlich. Aber die Selbstverständlichkeit der Baumängel, von der jeder Bauherr berichtet, wirft ein schlechtes Licht auf die Handwerker, auf unsere Gesellschaft.
Es macht mich sehr nachdenklich, dass das alte Prinzip nicht mehr gilt: für „gutes“ Geld muss es auch gute Arbeit geben. Früher wurden Geschäfte mit Handschlag geschlossen, heute benötigt der kleinste Kauf einen mehrseitigen Vertrag, der Käufer und Verkäufer nach allen Seiten absichert. Wo aber führt das hin? Was ist dies für eine Gesellschaft, in der sich der eine nicht mehr auf den anderen verlassen kann?
Vertrauen und Treue sind die Grundlagen des Zusammenlebens. Wenn mir im Restaurant Kunstkäse statt echter Käse serviert wird, wenn mir im Supermarkt neu etikettierte abgelaufene „Frischware“ untergejubelt wird, wenn der Kilometerzähler im Gebrauchtwagen manipuliert ist oder wenn der Handwerker schlampige Arbeit abliefert, immer dann wird auch mein Vertrauen missbraucht und ich kann all jene verstehen, die sich Gedanken darüber machen, wie man diesen Missbrauch verhindern kann. Denn leider sind es keine Einzelfälle! Im Mittelalter wurden solche Leute an den Pranger gestellt. Heute veröffentlicht man Listen der „schwarzen Schafe“ im Internet. Einen Pranger hätten wir ja vor dem Münster. Für die nächsten Monate müsste ich ihn reservieren für Bauleute an unserem Münster-Carré. Wilfried Schumacher |
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