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2012 im Bonner Münster

Wallfahrt mit dem

Stadtdekanat Bonn

am 12. Mai 2012

katholisch.de
 

 

05.07.2009 | Stadtdekanat

 

Ein Teil der großen Geschichte

 

Bonner Propst als Gegenpapst in Avignon

 

Der mächtige Papst-Palast in Avignon

Guten Schutz musste dieses Bollwerk der Kirche seinerzeit bieten

Eine Weinflasche im Shop des Papstpalastes in Avignon schlägt eine Brücke von der südfranzösischen Stadt nach Bonn: auf ihrem Etikett sieht man das Konterfei von Papst Clemens VII. (1342-1394). Als Robert Graf von Genf taucht er in der Liste der Pröpste des Bonner Cassius-Stiftes auf. Von 1371 bis 1378 hatte er dieses Amt inne, obwohl er Bonn wohl nie gesehen und seine Einkünfte aus dem Amt verpachtet hat.

Die Bonner Propstei war eine sehr erträgliche und höchst angesehene Pfründe, die im Mittelalter direkt vom Papst besetzt wurde. Sehr zum Leidwesen der Kölner Erzbischöfe. Den hohen Erträgen, die das Amt abwarf, standen wenige Verpflichtungen gegenüber. Clemens VII. gilt als „Gegenpapst“ in der Kirchengeschichte. Nachdem die Wahl Urbans VI. im Jahr 1378 unter schwierigen Umständen zustande gekommen war – während des Konklave drangen Römer in den Vatikan ein und forderten einen italienischen Papst – wurde Urban von den französischen und mehreren italienischen Kardinälen nicht anerkannt. Sie wählten stattdessen den Propst des Cassius-Stiftes zum Gegenpapst Clemens VII. Er musste sich allerdings aus Italien nach Avignon zurückziehen, wo die Päpste bereits von 1309 bis 1377 residiert hatten. Mit ihm begann das große abendländische Schisma, das bis 1417 andauerte und währenddessen die Kirche zwei, zuletzt sogar drei Päpste hatte. Clemens VII. wurde von Frankreich und Schottland, Aragonien, Kastilien, Neapel und Teilen Deutschlands anerkannt.

Auch das Bonner Cassius-Stift bekam die Auswirkungen des Schismas zu spüren: sowohl der Papst in Rom als auch der Papst in Avignon besetzten das Amt des Propstes nach der Wahl Roberts von Genf neu. Das Domkapitel wurde zum „lachenden Dritten“, dem es schließlich gelang, im Streit um die Propstei seine Kandidaten zu platzieren.

Eine kleine „Urlaubsgeschichte“, die einem fern der Heimat bewusst macht, wie sehr die eigene Heimat Teil der „großen“ Geschichte gewesen ist. Mir zeigt es auch, wie wichtig es ist, die Zeugnisse der Geschichte zu bewahren.

Wilfried Schumacher

Münster-Pfarrer

     

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Letzte Aktualisierung: 07.04.2012