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17.04.2009 | Bonner Münster
Die Revitalisierung eines "Pökelfasses"
Mittelalterlicher Taufstein findet einen würdevollen Platz in der Krypta
An diesem Sonntag, dem „Weißen Sonntag“ findet an vielen Orten Erstkommunion statt. Nicht wenige glauben, dass der Name von den weißen Kleidern der Kinder herrührt. Weit gefehlt. Der Sonntag hat seinen Namen von den weißen Taufkleidern, die die an Ostern Getauften an diesem Sonntag ablegten. Der Sonntag hat also einen engen Bezug zur Taufe.
Da passt es gut, dass wir am vergangenen Donnerstag den alten romanischen Taufbrunnen, der bisher im hinteren Teil der Basilika wie abgestellt stand, in die Krypta versetzt haben. Dahinter steht einmal eine alte Tradition: die Taufbrunnen waren oft in den romanischen Kirchen echte Brunnen, wie etwa in der Krypta der Kölner Kirche St. Kunibert. Ganz modern auch der Taufbrunnen in der Krypta der Kirche auf der EXPO 2000 in Hannover.
"Wir sind getauft auf Christi Tod..." Den Taufbrunnen hinunter in die Krypta zu stellen ist auch ein theologisches Zeichen: Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden. „Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“, so steht es im Römerbrief. Das Hinabsteigen in die Krypta zur Taufe entspricht diesem Bild des Römerbriefes. Schon die Taufbrunnen in den Nabatäerkirchen des 5. Jahrhunderts kennen dieses „Hinabsteigen“.
Wechselvolle Geschichte eines Taufsteins Unser Taufstein stand bis zum Abriss der Martinskirche am Beginn des 19. Jahrhunderts in dieser zentralen Taufkirche der Stadt. Dann kam er in den Keller des Belderbuscher Hofes (später Boeselager Hof an der Stelle des heutigen Stadttheaters) und wurde dort zweckentfremdet zur Aufbewahrung von Pökelfleisch benutzt. Offensichtlich hat man dann aber doch seinen Wert erkannt, denn er ist spätestens 1886 im Besitz des Vereins „Bonnensia“, der seine Sammlungsstücke im Obergeschoss des „Obernier-Museums“ an der Koblenzer Straße aufbewahrte. Um 1960 muss er dann in den Kreuzgang des Münsters gekommen sein, bevor er 1966 den Weg ins Innere des Münsters fand und von Hein Gernot die elfenbeinerne Deckelzier der Arche Noah erhielt.
Die geänderte Bestuhlung in der Krypta, die jahrelang im Hochchor unwidersprochen ihren Dienst tat, fand wie bei allen Projekten begeisterte Zustimmung und barsche Ablehnung, die allerdings nicht selten jegliche christliche Umgangsform vermissen lässt. Es liegt uns daran, auch hierfür eine optimale Lösung zu finden. Bis dahin bitten wir um Geduld.
Fotoserie: Umsetzung des Taufsteins im Münster
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