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05.04.2009 | Bonner Münster
Ein neuer alter Raum
Versuchsweise neue Bestuhlung in der Krypta - Mittelalterlicher Taufstein wird ins rechte Licht gerückt
Vor ein paar Wochen schickte mir eine alte Bonnerin ein schon angegilbtes Foto der Krypta, das einen leeren Kirchenraum zeigt, ohne Bänke. Dazu ein paar Zeilen voller Wehmut, dass es einen solchen Anblick nicht (mehr) gebe. In den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts muss die Krypta leer gewesen sein. Die Dame konnte nicht ahnen, dass der Liturgieausschuss schon voriges Jahr beschlossen hatte, die Bänke in der Krypta durch Stühle zu ersetzen und so wieder mehr freien Platz zu schaffen, der die Wirkung dieses einzigartigen Raumes aus dem 11. Jahrhundert verstärkt. Am Mittwoch der vergangenen Woche konnten wir endlich die Idee umsetzen. Jetzt hat man einen neuen Blick in die Krypta. 60 Stühle bieten ausreichend Platz für die normalen Werktagsmessen. Was noch fehlt ist der alte romanische Taufstein, der etwas verlassen hinten in der Kirche steht und der jetzt dort unten in einem der Joche des Mittelschiffes aufgestellt werden soll – in deutlicher Verbindung auch zum Schrein der Märtyrer, den Bonner Glaubenszeugen aus der Christenverfolgung des vierten Jahrhunderts. Mir war das wichtig; denn ich möchte den Taufstein nutzen für die Taufe und nicht als abgestelltes Objekt, das allenfalls für Kunsthistoriker interessant ist. Vielleicht werden wir dann auch noch irgendwann die Beleuchtung erneuern können und die Sache wäre perfekt. Wer jetzt von der Basilika aus hinuntersteigt, kommt zuerst in den „heiligsten Bezirk“, markiert von sechs Pfeilern. Hier steht man über der Gruft mit den Gräbern, die man beim Bau der Kirche um 1050 als erstes gefunden hat. Rechts oder links führt der Weg vorbei in den Krypta-Raum, der so zurückhaltend bestuhlt eine neue Wirkung hat. Wer weiter nach vorne geht, findet ausreichend Platz auf den Stühlen mit ihren Kniebänken, um hier Stille zu suchen oder Anbetung zu halten. Wobei wir jetzt schon wissen, dass wir die Kniebänke und die Sitzflächen noch polstern lassen müssen. Bewusst sagen wir: wir wollen die neue Lösung „ausprobieren“. Sie wird nicht jedem gefallen. Das werden wir nie erreichen. Aber an und in diesem Münster hat es im Laufe der Zeit viele Veränderungen gegeben. Für mich ist diese Kirche durch die Jahrhunderte hindurch ein „architektonisches Aggiornamento“, kein Museum, sondern im Fortschreiten des Gottesvolkes auf seinem Weg immer auch Veränderungen unterworfen. Wilfried Schumacher Münster-Pfarrer
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