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10.12.2008 | Bonner Münster-Stiftung
Ältestes Messbuch und neueste Forschungen
Interdisziplinäre Studien zum Bonner Cassius-Stift
Universität und Bonner Münster-Stiftung stellten heute das neue Buch „Märtyrergrab – Kirchenraum – Gottesdienst II., Interdisziplinäre Studien zum Bonner Cassiusstift“ der Öffentlichkeit vor. Dabei wird auch das mittelalterliche Original gezeigt, das vor einigen Jahren zufällig bei Forschungsarbeiten gefunden wurde.
Münsterkirche und Münster-Carré bilden im heutigen Bonn ein geistlich-kulturelles Zentrum, das in einer Jahrhunderte langen Tradition des Kanonikerstiftes und der Pfarrei steht. Eine sensationelle Entdeckung machte Prof. Andreas Odenthal (Tübingen) mit dem Fund der einzig bekannten mittelalterlichen Handschrift des Cassius-Stifts, die Auskunft über die reiche mittelalterliche Liturgie in dem von Münsterkirche, Kreuzgang und untergegangener Martinskirche gebildeten Gebäudekomplex gibt. Das u.a. von der Bonner-Münster-Stiftung geförderte neue Buch enthält Studien zur Geschichte, Archäologie, Kunst und Liturgie des Bonner Münsters und präsentiert die beiden wichtigsten Quellen über die Stiftsliturgie in Mittelalter und Neuzeit.
Unter den zahlreichen Kanonikerstiften im alten Erzbistum Köln standen St. Gereon in Köln und das Bonner Cassiusstift in Rivalität um die Vorrangstellung. Verbunden waren beide Institutionen durch ihre Patrone, frühchristliche Martyrer der Thebäischen Legion. Nach dem 2005 erschienenen Band über St. Gereon liegt nun ein von den Liturgiewissenschaftlern Andreas Odenthal (Tübingen) und Albert Gerhards (Bonn) herausgegebener interdisziplinärer Studienband als Ergebnis eines wissenschaftlichen Kolloquiums über Bau-, Kunst- und Liturgiegeschichte der Bonner Münsterkirche vor. Erschienen ist er in den vom Historischen Archiv des Erzbistums Köln herausgegebenen Studien zur Kölner Kirchengeschichte als Band 36, verlegt im Verlag Franz Schmitt, Siegburg, gefördert von der Bonner-Münster-Stiftung, dem Erzbistum Köln, der Sparkasse KölnBonn und der Pax-Bank Köln.
Als kleine Sensation des Bandes kann die Vorstellung und Edition der einzigen erhaltenen mittelalterlichen Quelle aus Bonn gelten, ein Liber Ordinarius, d. h. eine Beschreibung der vielfältigen Gottesdienste am Ort. Das vor den Wirren der Reformationszeit nach Köln gelangte Antiphonar wird heute in der Diözesanbibliothek aufbewahrt und darf für die Buchpräsentation für kurze Zeit an seinen Aufbewahrungsort zurück. Neben der wiederentdeckten Quelle ist auch der schon länger bekannte neuzeitliche Liber Ordinarius erstmals im vorliegenden Band ediert und wissenschaftlich ausgewertet. Neben der historischen Bedeutung trägt der vorliegende Band zum besseren Verständnis der Münsterkirche und ihrer Geschichte bei und gibt Inspirationen für die Gestaltung der heutigen Liturgie.
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