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04.07.2008 | Bonner Münster

 

Wie sehen Helden aus?

 

So sehen die Helden in Bonn aus (Bitte anklicken)

Das kann sich doch wohl sehen lassen: Nicht nur auf dem Teller gesund und sehenswert. Auch von innerlich werden die Jugendlichen wieder aufgebaut.

Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider (l.)schaut ganz genau hin: Aber unter professioneller Anleitung werden die Jugendlichen wieder konkurrenzfähig und nicht nur das Fahrrad läuft wieder wie geschmiert.

Die Fahrradbude der Caritas sucht immer alte Räder.

„Jetzt saufen die Deutschen auch noch ab!“ – es war schon echte Verzweiflung, die aus den Worten des Jugendlichen sprach, die ich zufällig am Sonntag während des Endspiels der Fußball-EM aufschnappte.

 

Was war passiert? Nur ein Fußballspiel, das verloren ging, aber für viele, besonders junge Menschen eine Tragödie. Still gingen viele nach Hause. Ihre Helden waren tief gestürzt. Von den Medien wurden den „11 Helden“ fast unbesiegbare, göttliche Eigenschaften zugeschrieben. Und jetzt waren sie auf der Verliererstraße, dort wo man sich auch selbst oft befindet. Mit denen möchte man sich nicht identifizieren.

 

Man möchte nicht der Zweite sein, wenn man auch erster hätte werden können. Deshalb wollte auch die rechte Partystimmung am Montag in Berlin nicht mehr aufkommen. Mich macht das nachdenklich und lässt mich fragen: wo sind die wirklichen Helden von heute?

 

Meine Lebenserfahrung lehrt mich, dass es Erfolg und Misserfolg geben kann. Beides hängt nicht nur von mir ab. Und ich weiß, dass Menschen ihre Grenzen haben, auch ein Podolski, ein Ballack, ein Philipp Lahm. Sie sind eben Menschen, keine unbesiegbaren Götter, sondern teure Waren, die sich verkauft haben für Summen, die kein Normalsterblicher jemals zu Gesicht bekommt.

 

Die „Caritas“ rückt in diesem Jahr junge Menschen in den Blick der Öffentlichkeit, die keinen Marktwert von 15 Millionen Euro haben, vor deren Lebensleistung ich aber größere Hochachtung habe: Junge Leute, die es nicht leicht haben im Leben und dennoch selten den Kopf in den Sand stecken.

 

Da ist die 16jährige, die drei Dinge auf einmal managt: Mutter sein, Familie gründen und Schule zu Ende bringen. Oder der 18jährige, der sich nicht prügeln will, obwohl er damit aufgewachsen ist. Ich bewundere den 20jährigen, der den Ausstieg aus der Drogenabhängigkeit angepackt und geschafft hat. Benachteiligte Jugendliche, die nicht aufgegeben haben. Sie verdienen Anerkennung, Achtung und Respekt, weil sie wissen, dass man fallen kann und auch wieder aufstehen. Es sind wahre Helden. Warum reden wir so wenig von ihnen?

 

Msgr. Wilfried Schumacher

Stadtdechant | Münster-Pfarrer | Leiter der Citypastoral

 

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