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06.04.2008 | Citypastoral

 

Der Papst und das Bonner Loch

 

Mahnende Worte von Papst Benedikt XVI.

MENSCHEN im Bonner Loch

Die unterirdische und oberirdische Ansammlung von Imbissbuden, Spielhallen, Sexshops, Internetcafés und anderen „Qualitäts“-läden

Wo es dreckig ist, wird es immer schmutziger, das weiß jeder.

Jetzt wird alles besser: am Donnerstag wird der Rat der Stadt ein Verbot des Alkoholkonsums am Bonner Loch aussprechen und dann wird das Eingangstor in die Stadt wieder sauber. Glaubt man.

 

Die Politiker sollten als Begleitlektüre ruhig mal die Ansprachen unseres Papstes studieren. Benedikt XVI. stellte 2007 in Brasilien fest: „Und dasselbe sehen wir auch im Westen, wo der Abstand zwischen Armen und Reichen beständig wächst und wo durch Drogen, Alkohol und trügerische Vorspiegelungen von Glück eine beunruhigende Zersetzung der persönlichen Würde vor sich geht.“

 

Um es gleich vorweg zu sagen: mir gefallen die Zustände am Bonner Loch auch nicht. Vor allem aber deshalb weil ich die Schicksale der Menschen sehe, die dort Alkohol und Drogen konsumieren.

 

Freiwillig sind die alle nicht in diese Szene geraten. Sie suchen im Bonner Loch ein „Wohnzimmer“, einen Treffpunkt mit anderen, die das gleiche Schicksal haben. Und bei ihrem Schicksal muss man anfangen, wenn man ihnen helfen will. Wir brauchen mehr sozialarbeiterische Begleitung, um die „Karriere nach unten“ aufzuhalten. Das „Bonner Loch“ ist wahrlich ein Schandfleck: Die unterirdische und oberirdische Ansammlung von Imbissbuden, Spielhallen, Sexshops, Internetcafés und anderen „Qualitäts“-läden ist keine Eingangshalle für die Stadt. Aber dafür ist nicht die „Alkohol- und Drogenszene“ verantwortlich. Die Vermieter und ihre Rendite lassen grüßen.

 

Wo es dreckig ist, wird es immer schmutziger, das weiß jeder. Aber den Dreck in dieser Stadt machen auch viele brave Bürger und deren Söhne und Töchter, die ihren Abfall achtlos wegwerfen. Das Alkoholkonsumverbot ohne Begleitmaßnahmen wird nur zur Verdrängung führen. Der Rat wird in jeder Sitzung neue Bereiche vom Alkoholkonsum ausnehmen müssen.

 

Wir Christen müssen aufpassen, denn – so der Papst -  Die Kirche ist Anwältin der Gerechtigkeit und der Armen, eben weil sie sich weder mit den Politikern noch mit Parteiinteressen identifiziert. Die Option für die Armen gilt nicht nur am MISEREOR-Sonntag, sie ist „im christologischen Glauben an jenen Gott implizit enthalten, der für uns arm geworden ist, um uns durch seine Armut reich zu machen“ (Benedikt XVI.).

 

Msgr. Wilfried Schumacher

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