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Die Aldi-Oster-Geschichte

Für Groß und klein erklärt ALDI SÜD in einer Broschüre und im Internet, was Christen von Palmsonntag bis Ostern feiern. Hierbei geht es allerdings eher um die Markenpflege, meint Dr. Johannes Sabel und wirft einen kritischen Blick aufc den Discounter...

Aldi-Süd informiert in einer Kundenbroschüre über christliche Hintergründe des Osterfestes. Das überrascht auf den ersten Blick, scheint es bisher doch keine besonders geeignete Marketingstrategie von Discountern oder anderen Einzelhändlern gewesen zu sein, offensiv mit christlichen Inhalten zu werben. Auf den zweiten Blick jedoch macht auch das aus marktwirtschaftlicher Persektive Sinn.

 

Da ist es nur stringent, auch Anbieter von Sinn zu werden und sich dafür auf dem Markt der Sinnanbieter zu bedienen - hier eben dem Steinbruch "Christentum" 

 

Zum Einen: wo ein Discounter in den vergangenen zehn Jahren aufgrund zumindest fragwürdiger Arbeitsbedingungen in Deutschland und nicht klarer Verbindungen zu ausbeuterischen Dumpingproduktionsstätten in Bangladesh und anderen Ländern in den Medien war, da steht einem das christliche Mäntelchen, besonders wenn es recht solide daherkommt wie in der aktuellen Borschüre, gut.

 

Zum Anderen: Gewichtiger erscheint mir die Logik des Marktes, sich in möglichst alle Bedürfnisse des Menschen einzunisten, um neue Produkte platzieren zu können und um die Sehnsüchte des Menschen dafür zu nutzen, ihn an sich zu binden. Das nennt man Markenpflege und Markenglaubwürdigkeit. Da ist es nur stringent, auch Anbieter von Sinn zu werden und sich dafür auf dem Markt der Sinnanbieter zu bedienen - hier eben dem Steinbruch "Christentum", als etwas anderes erscheint es ja in der Broschüre nicht mehr.

 

...dass wir im Tod Jesu gerade die ungerecht Leidenden erinnern und mit der Auferstehung eine Hoffnung verbunden ist, die für die Menschen eintritt, die unter Verhältnissen leiden, die ein Discounter wie ALDI wenn nicht erzeugt, so doch stützt...

 

Dass es hier Aldi mit der Ostergeschichte nur um eine Ware, um ein schnell konsumierbares Produkt geht, zeigt sich darin, dass es in der Osterbroschüre um die Übermittlung von Erzählbruchstücken geht und in keiner Weise um das, was es denn den Christen bedeutet, sich an Karfreitag und Ostern an Tod und Auferstehung Jesu zu erinnern. Dass dies etwas damit zu tun hat, dass wir im Tod Jesu gerade die ungerecht Leidenden erinnern und mit der Auferstehung eine Hoffnung verbunden ist, die für die Menschen eintritt, die unter Verhältnissen leiden, die ein Discounter wie ALDI wenn nicht erzeugt, so doch stützt, bleibt unerwähnt. Doch darum geht es.

 

Bei ALDI finden wir aber die kindgerechten Erzählelemente als folkloristisches Überbleibsel. - Das hat mit der christlichen Botschaft nichts mehr zu tun, sondern stellt das Gegenteil aus, eine schöne, konsequenzenlose, nur mehr fürs Brauchtum nutzbare Geschichte zu sein. Beunruhigend ist dabei allerdings der Gedanke, dass es sein könnte, dass ALDI nur das zeigt, was vielleicht sowieso schon weit verbreiteter Rest christlichen Selbstverständnisses ist: Eine moralisch aufgeladene Folklore zu sein, die nur mehr schmückende Bedeutung hat für ein Leben, das nach den Gesetzen von ALDI, LIDL, KiK und Co. tickt.

 

Johannes Sabel

 

Dr. Johannes Sabel ist Leiter des Katholischen Bildungswerks Bonn 

 

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