Orgelmeditation über die Geburt Jesu

1. Januar 2018; Reinhard Sentis (presse@katholisch-bonn.de)

BONN. Über das Geheimnis des Weihnachtsfestes schrieb der französischer Komponist und Organist Oliver Messiaen (1908-1992) im Alter von 27 Jahren einen neuteiligen Orgelzyklus. Dieses Werk „La Nativité du Seigneur: Neuf méditations pour orgue“ (Die Geburt des Herrn: Neun Meditationen für Orgel) wird am Sonntag, 14. Januar 2018, um 15.30 Uhr in der Bonner Stiftskirche erklingen (Kölnstr. 31, 53111 Bonn. Dauer: etwa 1 Stunde). An der Klais-Orgel spielt der Kölner Regionalkantor Christoph Kuhlmann. Der Eintritt ist frei. (Spenden für die Kirchenmusik in der City erbeten.)

 

 

„La Nativité du Seigneur: Neuf méditations pour orgue“ (Die Geburt des Herrn: Neun Meditationen für Orgel). Das Werk ist in neun Sätze gegliedert – Messiaen nennt sie „Meditationen“:

  • La vierge et l'enfant (dt. „Die Jungfrau und das Kind“)
  • Les bergers (dt. „Die Hirten“)
  • Desseins éternels (dt. „Ewige Ratschlüsse“)
  • Le verbe (dt. „Das Wort“)
  • Les enfants de dieu (dt. „Die Kinder Gottes“)
  • Les anges (dt. „Die Engel“)
  • Jésus accepte la souffrance (dt. „Jesus nimmt das Leiden an“)
  • Les mages (dt. „Die Weisen“)
  • Dieu parmi nous (dt. „Gott unter uns“)

  

Nach Angaben Messiaens liegen fünf theologische Ideen zugrunde:

  • Unsere Vorherbestimmung, verwirklicht durch die Inkarnation des Wortes (Nr. 3)
  • Gott, der mitten unter uns lebt (Nr. 9), Gott, der leidet (Nr. 7)
  • Die drei Geburten: Die ewige des Wortes (Nr. 4), die zeitliche Christi (Nr. 1), die geistliche der Gläubigen (Nr. 5)
  • Gestalten der Weihnachtsgeschichte und der Epiphanie: Die Engel (Nr. 6), die Hirten (Nr. 2), die Weisen (Nr. 8)
  • Ehrung der Mutterschaft Mariens, die durch die Anzahl von neun Sätzen zum Ausdruck kommt.
 

Christoph Kuhlmann (* 1963) studierte Kirchenmusik an der Folkwang-Hochschule Essen, unter anderem bei Sieglinde Ahrens (Orgel). 1989 machte er das staatliche A-Examen für Kirchenmusik mit Auszeichnung. Daran schloss sich eine weiterführende Ausbildung in Paris in Orgel und musikalische Analyse bei Naji Hakim und Orgelimprovisation bei Jean-Pierre Leguay an. In Paris folgten auch erste berufliche Aktivitäten als Leiter der Konzertorganisation „Accueil Musical“ an der Pariser Kirche Saint Merry, sowie als Lehrer für Orgel und Harmonielehre am Conservatoire de Levallois-Perret und als Chorleiter bei der Maîtrise de Caen und am dortigen Konservatorium. Als Organist fühlt sich Kuhlmann im Besonderen der französischen Musik sowie der Improvisation verpflichtet. 1995 erhielt er den Prix „André Marchal“ für Orgelimprovisation beim zweiten Internationalen Orgelwettbewerb Biarritz. Seit 1994 ist Christoph Kuhlmann Kantor an der romanischen Kirche Sankt Andreas in der Kölner Innenstadt und wurde 2003 Regionalkantor für das katholische Stadtdekanat Köln. Seit 2007 hat er einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Köln für „Fachdidaktik Orgel“.

  

Klais-Orgel in der Stiftskirche

Mit 45 Registern auf drei Manualen und Pedal ist die Hauptorgel der Stiftskirche die größte unserer sieben Orgeln. Das Instrument aus der Orgelmanufaktur Johannes Klais aus Bonn wurde 1956 als Ersatz für die große, im Krieg zerstörte Orgel erbaut.

Die Orgel trägt die Opusnummer 1096 und ist ein typisches Instrument der Nachkriegszeit. Die Disposition, also die Zusammenstellung der Register, betont ganz im Geiste des Neo-Barock die höherliegenden Klangfarben und eignet sich deshalb besonders gut für die Darstellung barocker und zeitgenössischer Orgelmusik. Durch im Jahre 1991/92 hinzugefügte zusätzliche Register lassen sich jedoch sämtliche musikalische Epochen gut auf der Orgel darstellen. 

Neue bau- und brandschutztechnische Bestimmungen machten eine große Überholung und Instandsetzung der Orgel von Januar bis April 2015 erforderlich. Hierbei wurde die gesamte Elektrik der Orgel erneuert, die Orgel technisch instand gesetzt und die allzu scharfe und spitze Intonation von 1991/92 erheblich gemildert. Die Orgel erhielt ein neues Sinua-Setzersystem, das neben einer freien Manualzuteilung auch programmierbare Koppeln und weitere Sonderfunktionen erlaubt.

 

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