Jubelkommunion, Predigt von Msgr. Wilfried Schumacher

6. Mai 2018; Wilfried Schumacher

Predigt von Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher am fünften Ostersonntag, 6. Mai 2018

Zum Gottesdienst waren alle eingeladen, die in diesem Jahr ein Jubiläum ihrer Erstkommunion feiern.

 

Das Evangelium im Gottesdiens (Joh 15, 9-17): In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

 

„Ihr seid meine Freunde, wenn Ihr tut, was ich euch auftrage“

 

Vor 50, 60, 65, 70, 75 gar 80 Jahren sind Sie hier oder anderswo zur ersten heiligen Kommunion gegangen. Es war das erste große Fest ihres Lebens und jeder hat noch Erinnerung an diesen Tag, wahrscheinlich weniger an den Gottesdienst als vielmehr an die Begleitumstände, an den feinen Anzug oder das weiße Kleid, dass man nicht schmutzig machen durfte, an die Kriegs- oder Nachkriegszeiten oder an die Geschenke.

 

Seit diesem Fest, bei dem wir sichtbar in die Gottesdienst-feiernde Gemeinde aufgenommen wurden, hat sich vieles getan, in unserem persönlichen Leben, in der bürgerlichen Gesellschaft, in der Kirche. Manchen Menschen machen diese Veränderungen Angst. Sie suchen verzweifelt nach dem Bleibenden, nach dem, was ihnen halt gibt!

 

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch: Damals war viel die Rede von „du musst“ und „du sollst“. Glaube war immer mit etwas leisten müssen verbunden. Im Evangelium hieß es eben: „Ihr seid meine Freunde, wenn Ihr tut, was ich euch auftrage.“ Das klingt auch wieder so, als ob wir etwas tun, etwas leisten müssten, um vor dem Herrn bestehen zu können. Schauen wir etwas genauer hin: Worin besteht dieses TUN?

 

„Bleibt in meiner Liebe!“ – sagt der Herr als Erstes und gibt damit dem TUN einen Inhalt. Versuchen wir einmal auf zwei unterschiedlichen Wegen diesem „Bleiben“ nachzuspüren:

 

1.) Wir leben in unterschiedlichen Zusammenhängen und Beziehungen: Wir haben einen Beruf und hoffentlich auch eine Arbeit, oder sind Student/Studentin. Wir leben in einer Beziehung, haben einen Partner/Partnerin oder einen Freund/Freundin. Wir arbeiten und leben nicht allein, haben Kolleginnen und Kollegen, haben eine Familie –

 

Diese Beziehungen geben und Kraft und Halt, schaffen Ordnung und vermitteln Orientierung, nehmen uns in die Verantwortung und in die Pflicht. Was diese Beziehungen bedeuten, was das BLEIBEN in diesen Beziehungen bedeutet, erfahren wir deutlich und klar, wenn wir aus ihnen „“Herausfallen“, wenn wir arbeitslos werden, wenn wir ein Examen verhauen, wenn eine Beziehung in die Brücke geht, es Konflikte gibt. Dann erleben wir Unordnung, gar Chaos, dann häufen sich die Schwierigkeiten!

 

„Bleibt in meiner Liebe!“ – Das heißt für mich dann „bleibt in einer solch lebendigen Beziehung zu mir, die Euch Kraft und Halt, Ordnung und Orientierung gibt, die euch Verantwortung schenkt und Euch in die Pflicht nimmt“.

 

Versuchen wir noch einen anderen Zugang:

 

2.) „Bleibt in meiner Liebe!“ - Das Verb „bleiben“ taucht im Johannes Evangelium zu ersten Mal im 1. Kapitel in einer Frage der ersten Jünger auf: Häufig übersetzt „Wo wohnst du?“ – aber richtig wiedergegeben mit der Frage: „Wo bleibst du?“ Da gingen sie mit ihm, und sahen – wo er blieb, und blieben bei ihm.

 

Nach dem Ausweis des Johannes - Evangelium eine ganz entscheidende Begegnung, die der Evangelist mit aller Sorgfalt schildert, ja er weiß sogar noch die Uhrzeit „es war die zehnte Stunde, also vier Uhr am Nachmittag“. „Bei ihm bleiben“ ist also nicht ein Tun, eine Leistung, sondern gleichsam die „Lebensart“ des Jüngers, der Jüngerin schlechthin, die Jesus jetzt Freunde nennt. „Bei ihm bleiben“ ist die Lebensart des Freundes Jesu.

 

Im letzten Kapitel des Johannes-Evangelium lesen wir von dem Jünger, „den Jesus liebte“, und Petrus, der sich die Frage gefallen lassen muss, die gemeinhin übersetzt wird: „Liebst du mich?“ In der dritten Frage aber heißt es wörtlich übersetzt: „Simon, Sohn des Johannes, bist du mir Freund?“

 

Das ist der Schlussakkord, auf den alles zuläuft: Es geht nicht um Glaubenssätze, nicht um Vorschriften. Es geht einzig und allein, um ein inniges, vertrautes Verhältnis zum Herrn. Wenn Sie, liebe Jubilare auf Ihr Leben zurückschauen, dann werden Sie in vielen Stunden Ihres Lebens auf die Frage Jesu „Bist du mir Freund/Freundin“ wie Simon Petrus geantwortet haben: „Ja, ich bin Dir Freund“.

 

Wenn der Herr uns im heutigen Evangelium einlädt „Bleibt in meiner Liebe“, dann lädt er uns ein, in einer solch lebensbestimmenden und lebensprägenden Beziehung zu ihm zu leben. Dann ist die Aufforderung „Liebt einander“ keine lästige Pflicht, sondern nur ein Echo auf seine Liebe, die der unsrigen vorausgeht.

 

„Ich habe euch Freunde genannt“, sagt der Herr im heutigen Evangelium. D.h. Ich habe diese Beziehung zu euch geknüpft, bevor Ihr etwas tun konntet. Diese Realität, die wir nicht geschaffen haben, die uns geschenkt wurde, gilt es zu bewahren.

 

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