"Dem Reich Gottes sichtbare und spürbare Gestalt geben" - Tausende Katholiken feiern in Bonn Fronleichnam - Große Prozession durch die Bonner City

31. Mai 2018; Reinhard Sentis (presse@katholisch-bonn.de)

BONN. Mit Gottesdiensten und Prozessionen feierten die tausende Katholiken das Fronleichnamsfest in Bonn. Unter dem Leitwort „Hier entsteht das Reich Gottes“ fand das zentrale Fronleichnamsfest in der Bonner City statt und nahm damit Bezug auf die vielen augenfälligen Baustellen ob am Bonner Münster, am Hauptbahnhof oder der Beethovenhalle.

 

„Reich Gottes bauen ist kein Selbstzweck!“, sagte der kommissarische Stadtdechant in seiner Predigt in der Remigius-Kirche. An der Art wie die Christen am Reich Gottes bauen, sollte deutlich werden, dass es nicht um die Ehre Gottes geht. „Nein –wir bauen zuerst und vor allem für die Menschen! Zu ihrem Heil!“

 

Selbstkritisch – so Pfarrer Kemmerling – müsse er feststellen, dass auch die Kirche notwendigerweise im Umbau begriffen sei und eine ewige Baustelle bleibe. Tertullian habe es so gesagt: Ecclesia semper reformanda! „Die ist immer erneuerungsbedürftig“, erklärte Pfarrer Kemmerling. Überdies habe jeder in seinem ganz persönlichen Umfeld seine eigenen Baustellen. Aber, so fügte er hinzu „Baustellen vermitteln auch immer die Freude daran, überhaupt etwas planen, gestalten und bauen zu können, wecken unsere kreative Ader.“ Kemmerling lud ein, dafür zu beten, „dass die Liebe Gottes, die in der Heiligen Eucharistie einzigartige Gestalt angenommen hat, uns stärkt, motiviert, orientiert und inspiriert, dem Reich Gottes sichtbare und spürbare Gestalt zu geben inmitten unserer Stadt.“

 

Für die Stadtgesellschaft wünschte sich der kommissarische Stadtdechant, dass alle verschiedenen Gruppen unserer Stadt zusammenbauen. Die verschiedenen Gewerke einander zubauen. Die Politik, die vielfältigen Einrichtungen, Gruppierungen und Institutionen, die verschiedenen Konfessionen und Religionen, damit ein Lebensraum entstehe, der den belebenden Geist Jesu atmet: Den Geist der Wertschätzung und des Respekts für jeden Menschen – unabhängig von seinem Alter, seiner Kultur, Weltanschauung oder Religion, unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit. Für ihn heißt Reich Gottes in dieser Stadt bauen: „Einen Raum zu schaffen, in dem es für billigen Populismus oder geistlose Hetze, Abgrenzung und Angstmache keinen Platz gibt; einen Raum, der uns gerade nach der Klimakonferenz den verantworteten Umgang mit unserer Schöpfung lehrt.“

 

Schon die Heilige Katharina von Siena habe sich einmischen wollen in die Welt, da Jesus keinen Gott an und für sich verkündet habe, sondern einen Gott für die Welt, dem radikal das Heil jedes einzelnen Menschen, und der ganzen Welt am Herzen läge. „Bei allen Diskussionen, die wir in den vergangenen Tagen und zwei Wochen hier in Bonn geführt haben, steht für mich zweifellos fest, dass unser alter Stadtdechant, Msgr. Schumacher, 20 Jahre lang sich an dieser Devise der Heiligen von Siena orientiert hat und sie zu seiner eigenen gemacht hat. Er hat sich eingemischt als Kirche in die Welt und in die Wirklichkeit von Bonn“, so Kemmerling.

 

Die feierliche Prozession mit von Katholiken verehrten Leib Christi in Gestalt der Hostie in der Monstranz (Schaugefäß) zog zunächst zum Bonner Münster, wo der kommissarische Stadtdechant, wo der Eucharistische Segen in alle vier Himmelsrichtungen gespendet wurde. Vorbei an vielen Baustellen in der Innenstadt gingen die rund 600 Prozessionsteilnehmer betend und singend zum Alten Zoll, wo der neue Professor für Liturgie der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn, Dr. Andreas Odenthal, den Eucharistischen Schlusssegen spendete.

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