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16.05.2011 | Bonner Münster
Melodie der Jahrhunderte
50 Jahre Große Klais-Orgel im Münster Jubiläumskonzert im Rahmen des 2. Bonner Orgelfestes
Wenn Markus Karas alle Register zieht, bringt er mehr als 5000 Pfeifen zum Klingen: Der Organist der Bonner Münsterbasilika wird mit seinem Instrument nicht nur den musikalischen Anforderungen der kirchlichen Liturgie gerecht, sondern erfüllt auch höchste Konzertansprüche. In diesen Tagen wird dies gefeiert – die Große Klais-Orgel erklingt seit 50 Jahren in Bonns zentraler Kirche und wird im Rahmen des 2. Bonner Orgelfestes am Samstag, dem 28. Mai, mit einem großen Festkonzert gewürdigt.
Zuvor können sich auch jene Kirchenbesucher mit der Orgel vertraut machen, die bei deren Einweihung im November 1961 noch gar nicht geboren waren: Die Familienbildungsstätte Bonn bietet am Morgen des Festkonzertes um 10 Uhr eine Führung für Familien mit Kindern an, bei der Markus Karas Spannendes und Wissenswertes über sein Instrument verrät. (Anmeldung in der FBS.) „Orgelpracht und Flötenzauber“ schließlich heißt das Konzert mit Werken u.a. von Richard Wagner, das der Organist Hans-André Stamm und die Flötistin Andrea Will am 18. Mai um 20 Uhr in der Münsterbasilika aufführen werden.
Wechselvolle Geschichte Was seine Orgeln angeht, kann das Bonner Münster eine wechselvolle Geschichte vorweisen: Schon um das Jahr 1230 hallten die ersten Klänge durch die Kirche, die damit eine der ersten Orgelanlagen Deutschlands beherbergte – damals noch an der Ostwand im nördlichen Querschiff. Im 15. Jahrhundert zog die Orgel um ins Mittelschiff, wo sie wie ein Schwalbennest hoch über den Köpfen der Kirchgänger „klebte“. Im Jahr 1652 wurde im Westchor des Münsters eine neue Orgel errichtet - ein gewaltiges und für die damalige Zeit mit 1.200 Talern exorbitant teures Instrument, auf dem übrigens auch der junge Beethoven Unterricht erhielt. Keine 150 Jahre später, 1794, fand eine neue, ursprünglich für die lettische Stadt Riga bestimmte und von den französischen Besatzern mit einem „Exportverbot“ belegte Orgel ihren Platz im Münster. Auf diesem vom Poppelsdorfer Orgelbauer Peter Kemper erbauten Instrument wurde bis in die 1920er Jahre gespielt, bevor die Orgelbauwerkstatt Klais den Auftrag erhielt, eine große Münster-Orgel zu erbauen.
Stolze 109 Register sollte das Instrument erhalten, doch reichte das Geld zunächst nur für eine kleinere Anlage mit 30 Registern, die wiederum als Grundlage für eine große Orgel mit 70 Registern diente. Diese wurde noch im Krieg eingeweiht, aber nur fünf Jahre später durch eine Luftmine stark beschädigt. Aus den noch brauchbaren Teilen baute die Firma Klais bis 1948 eine Behelfsorgel, die bis 1961 ihren Dienst tat; dann schließlich zog die neue Orgel ins Bonner Münster ein, die am 12. November des gleichen Jahres eingeweiht wurde – eben jenes Opus 1208 mit 60 Registern und 4616 Pfeifen der Firma Klais, dessen Jubiläum in diesen Tagen gefeiert wird.
1982 erweitert und neu intoniert besitzt die Große Klais-Orgel heute 69 Register mit 5112 Pfeifen, verteilt auf 4 Manuale und Pedal. Zuletzt wurde das Instrument 2002 generalgereinigt und intonatorisch optimiert. „Traumhafte klangliche und spieltechnische Möglichkeiten“ bieten sich damit nicht nur dem Münster-Kantor; neben den liturgisch aktiven Organisten sind es insbesondere die Konzertsolisten, die voll des Lobes für diese große Orgel sind. „Wie phantastisch das Instrument geeignet ist, alle Stilepochen klanglich mustergültig wiederzugeben, wird an den neun von uns eingespielten CDs deutlich“, schwärmt Markus Karas. „Ob Barockmusik, deutsche Romantik oder französische Musik aus den vergangenen Jahrhunderten: Die charakteristischen Register stehen nicht nur zur Verfügung, sondern klingen auch so, wie der Fachmann und der spezialisierte Hörer es erwarten.“
Zeitgenössische Bildhauerei Dabei erschließt sich die Faszination der großen Klais-Orgel nicht nur akustisch, auch optisch ist sie einen zweiten und dritten Blick wert. Gestaltet von dem in Hennef (Sieg) gebürtigen Bildhauer Manfred Saul, zeigt das mit hölzernen Skulpturen geschmückte Gehäuse der Orgel, der so genannte Orgelprospekt, nicht nur biblische Begebenheiten; festgehalten sind auch zeitgenössische Ereignisse wie beispielsweise die erste erfolgreiche Transplantation eines menschlichen Herzens und die ersten Astronauten im All. Auch unter Kunsthistorikern ist die große Münster-Orgel nicht zuletzt deshalb weit über Bonner Grenzen hinaus bekannt.
Wissens- und Hörenswertes zur Orgel des Bonner Münsters ist im Münster-Laden erhältlich. Das Buch zur Münster-Orgel mit einer CD kostet nur 5,00 €.
Donnerstag 12. Mai 2011 20:00 Soiree. Konzert mit Werken von Johannes Brahms, Anton Bruckner, Markus Karas, Francis Poulenc, Josef Rheinberger, Richard Shephard, Charles V. Stanford, Alan Wilson u. a. Chorus Cantate Domino (Kammerchor am Bonner Münster). Regionalkantor und Münsterorganist Markus Karas, Leitung und Orgel. Eintritt frei, Spenden erbeten
Mittwoch 18. Mai 2011 20:00 Orgelpracht und Flötenzauber. Konzert mit Werken von Richard Wagner, Hans-André Stamm, Markus Karas u.a. Andrea Will, Flöten. Hans-André Stamm, Orgel (Leverkusen). Kostenbeitrag: 12,- (8,-) €
Samstag 28. Mai 2011 10:00 Orgelführung für Familien mit Kindern. Münster-Organist Markus Karas, Erläuterungen und Orgel. Anmeldung bei der Familienbildungsstätte Bonn: postmaster[at]fbs-bonn.de. 19:30 Großes Festkonzert. Georg Friedrich Händel (1685-1759): Konzert F-Dur op. 4, Nr. 4 für Orgel, Oboen und Streicher, Joseph Haydn (1732-1809): Konzert Es-Dur für Trompete und Orchester, Franz Liszt (1811-1886): Adagio Des-Dur, Praeludium und Fuge über den Namen B-A-C-H, Alexandre Guilmant (1837-1911): Symphonie Nr. 1 für Orgel und Orchester. Matthias Heßeler, Trompete. Münster-Organist Markus Karas, Orgel. Bonner Jugend-Sinfonieorchester – Andreas Winnen, Leitung. Kostenbeitrag: 15,- (10,-) € – Vorverkauf: BonnTicket und Münster-Laden
Sonntag 29. Mai 2011 10:00 Hl. Messe. Benjamin Britten (1913-1976): Missa brevis in d für drei gleiche Stimmen und Orgel, Giuseppe Verdi (1813-1901): „Laudi alla Vergine Maria“ u. a. Frauen-Kammerchor BonnSonata (NRW-Landessieger 2005 und 2009). Wolfgang Bretschneider, Orgel. Markus Karas, Leitung
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